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SKLAVEN DER GENE?

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms wurde als Jahrhundert-Ereignis gefeiert. Doch statt der erhofften biologischen und medizinischen Erkenntnisse lieferte der „ Code des Lebens“ mehr Fragen als Antworten.

Warum besitzt der Mensch nicht mehr Erbmaterial als eine Maus? Wie kommt es, dass das Erbgut von Mensch und Schimpanse zu 98 Prozent identisch sind? Warum werden manche Träger bestimmter Krankheits- und Risiko-Gene krank und andere nicht? Antworten verspricht der stark wachsende Forschungszweig der Epigenetik. Molekulare Schalter an den Genen, die Art der Verpackung der Erbmoleküle und allerlei Regulatoren kontrollieren, welche Gene wann und wo aktiv sind. Einige der verantwortlichen Mechanismen wurden erst in den letzten Jahren aufgeklärt. Sie kontrollieren das Genom und sind damit ebenso wichtig wie die Erbinformation selbst, so die These des Neurobiologen Peter Spork, der in seinem Buch „Der zweite Code“ eine gut verständliche Übersicht über die Gen-Forschung gibt.

Im Gegensatz zum Genom ist das Epigenom nicht festgeschrieben – wir können es ändern. Und dieser Teil ist mächtiger, als Fachleute noch vor wenigen Jahren glaubten. Ob und wie viel wir uns bewegen, ob wir rauchen, wie viel und was wir essen und trinken und wie wir unseren Alltag gestalten, all das beeinflusst die persönliche Epigenetik. Doch viele Schalter am Erbgut werden bereits vor, während oder kurz nach der Geburt eines Menschen dauerhaft eingestellt. Rauchen, falsche Ernährung und psychischer Stress der Mutter führen zu Veränderungen beim Kind, die sich später nicht oder nur mit Mühe rückgängig machen lassen. Manchmal sind diese Einflüsse sogar vererbbar.

Die Möglichkeit, dass Erfahrungen und Umweltfaktoren die nächste Generation biologisch beeinflussen, steht im Mittelpunkt des Buchs „Epigenetik“ von Bernhard Kegel. Der Biologe und Romanautor wirft einen kritischen Blick auf den Wissenschaftsbetrieb. Dabei geht er hart mit der Genomforschung ins Gericht. Der Fokus auf die Gene habe dazu geführt, das Erbgut als Kontrollinstanz des Lebens wahrzunehmen. Mit dieser verengten Sichtweise räumt Kegel genauso gründlich auf wie Peter Spork. Beide Autoren liefern gute Gründe, das Leben aktiv zu gestalten. Denn wir sind eben nicht die Sklaven unserer Gene. Michael Lange

Peter Spork DER ZWEITE CODE Rowohlt, Reinbek 2009 299 S., € 19,90 ISBN 3–498–06407-X

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Bernhard Kegel EPIGENETIK Dumont, Köln 2009 366 S., € 19,95 ISBN 3–8321–9528–1

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Wissenschaftslexikon

bi|pe|disch  〈Adj.〉 in der Art eines Bipeden, zweifüßig

Be|we|gungs|ener|gie  〈f. 19〉 Energie, die in einer sich bewegenden Masse enthalten ist; Sy kinetische Energie; ... mehr

…ol  〈Nachsilbe zur Bildung von Subst.〉 chem. Verbindung, die zur Gruppe der Alkohole gehört, z. B. Methanol [<lat. oleum ... mehr

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