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Gesundheit|Medizin

Spenderleber für Transplantation repariert

Medizner
Medizinerteam beim Anschließen der Spenderleber an die Perfusionsmaschine. © Universitätsspital Zürich

Bei Organtransplantationen ist normalerweise Eile geboten, da Spenderorgane außerhalb des Körpers nach kurzer Zeit Schaden nehmen. Nun jedoch ist es Forschern gelungen, eine Spenderleber mehrere Tage maschinell am Leben zu erhalten. In dieser Zeit konnten sie das Organ, das zuvor nicht für eine Transplantation geeignet war, medikamentös behandeln und auf diese Weise wieder gesund machen. Der Patient, dem sie das aufbereitete Organ daraufhin transplantierten, ist auch ein Jahr später wohlauf.

Bei einer Lebertransplantation wird das Spenderorgan üblicherweise direkt nach der Entnahme aus dem Körper auf zwei bis fünf Grad Celsius heruntergekühlt, damit sich die Schäden durch die mangelnde Versorgung außerhalb des Körpers in Grenzen halten. Dennoch muss die Leber innerhalb von weniger als zwölf Stunden transplantiert werden. Zeit für genauere Untersuchungen des Lebergewebes oder gar medizinische Behandlungen bleibt in diesem Fall nicht. Viele Lebern von potenziellen Organspendern müssen daher als nicht für die Transplantation geeignet aussortiert werden. Auch wegen Vorerkrankungen oder Lebertumoren scheiden bisher viele potenzielle Spenderorgane aus.

Geschädigte Spenderleber

Ein Team um Pierre-Alain Clavien vom Universitätshospital Zürich hat eine solche aussortierte Spenderleber mit maschineller Hilfe drei Tage lang außerhalb des Körpers am Leben erhalten und in dieser Zeit so behandelt, dass sie im Mai 2021 einem krebskranken Patienten transplantiert werden konnte. Der Patient konnte das Krankenhaus wenige Tage nach der Operation verlassen und ist seither wohlauf, berichten die Forscher nun nach einem Jahr Nachbeobachtungszeit.

Die transplantierte Leber stammte von einer 29-jährigen Patientin, die vor ihrem Tod unter anderem an einer Sepsis durch multiresistente Bakterien litt. Zudem befand sich in der Leber ein etwa vier Zentimeter großer Tumor unklarer Natur. „Dieses potenzielle Lebertransplantat wurde von allen anderen Zentren abgelehnt, vor allem weil es eine diagnostische Aufarbeitung der Leberschädigungen erforderte, die nicht sofort möglich war, und wegen der anhaltenden Sepsis der Spenderin mit multiresistenten Mikroorganismen“, berichten die Autoren.

Behandlung in der Maschine

Claviens Team jedoch nahm sich der schwer geschädigten Leber an. Im Januar 2020 hatte das Team erstmals eine selbst entwickelte Perfusionsmaschine präsentiert, die es ermöglicht, potenzielle Spenderlebern mehrere Tage lang außerhalb des Körpers bei Körpertemperatur am Leben zu erhalten. In diese Maschine setzten sie die Leber der Spenderin ein. Die Maschine imitiert den menschlichen Körper möglichst genau: Eine Pumpe dient als Herzersatz, ein Oxygenator ersetzt die Lungen und eine Dialyseeinheit die Nieren. Daneben übernehmen zahlreiche Hormon- und Nährstoffinfusionen die Funktionen des Darms und der Bauchspeicheldrüse. Wie das Zwerchfell im menschlichen Körper bewegt die Maschine zudem die Leber im Takt der menschlichen Atmung.

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Während die Leber in der Maschine versorgt wurde, behandelten die Forscher sie mit zahlreichen Medikamenten, darunter Breitbandantibiotika gegen die multiresistenten Keime. Zusätzlich entnahmen sie Proben des Tumorgewebes und stellten fest, dass es sich um eine gutartige Gewebewucherung handelte, die keinen Hinderungsgrund für eine Transplantation darstellte. Sowohl die Behandlung als auch die Untersuchung wären ohne die maschinelle Versorgung der Leber nicht möglich gewesen.

Leber erfolgreich transplantiert

Im Rahmen eines bewilligten individuellen Heilversuchs transplantierten die Forscher dann die aufbereitete Spenderleber einem 62-jährigen Patienten, der unter fortgeschrittener Leberzirrhose sowie wiederkehrendem Leberkrebs litt. „Aufgrund meines rasch fortschreitenden Tumors hatte ich geringe Chancen, innert nützlicher Frist eine Leber von der Warteliste zu erhalten“, berichtet der Patient. Daher stimmte er der experimentellen Transplantation zu. Die Operation überstand der Mann mit geringfügigem Blutverlust und sein Körper nahm die neue Leber gut an. Ein Jahr nach der Transplantation geht es dem Patienten weiterhin gut und die Leber zeigt gute Funktionswerte, wie die Mediziner berichten.

„Unsere Therapie zeigt, dass es mit der Behandlung von Lebern in der Perfusionsmaschine möglich ist, den Mangel an funktionsfähigen Spenderorganen zu mildern und Leben zu retten“, sagt Clavien. Zukünftig wollen die Forscher das Verfahren an weiteren Patienten überprüfen und die Sicherheit und Wirksamkeit mit klinischen Studien nachweisen. Parallel dazu entwickeln sie die nächste Generation der Perfusionsmaschinen und untersuchen weitere Wege, Lebererkrankungen außerhalb des Körpers zu behandeln.

Quelle: Pierre-Alain Clavien (Universitätshospital Zürich) et al., Nature Biotechnology, doi: 10.1038/s41587-022-01354-7

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