Positionsabhängige Nährwertangaben beeinflussen Kaufverhalten Trick mit der Portionsgröße - wissenschaft.de
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Positionsabhängige Nährwertangaben beeinflussen Kaufverhalten

Trick mit der Portionsgröße

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„66 Kilokalorien pro 30 Gramm“ – bei den freiwilligen Nährwertangabe von Produkten weichen die Angaben der Hersteller oft von den üblichen 100 Gramm als Bezugsgröße ab. Dies scheint einer Studie zufolge Verbrauchern einen niedrigeren Energiegehalt vorzugaukeln und sie greifen deshalb eher zu.

 

Fotolia_82801443_XS.jpgBei den Angaben auf Produktpackungen lohnt sich offenbar der genaue Blick. (Foto: Niki Korta/fotolia.de)

Wie viel Fett, Zucker oder Kalorien sind in dem Produkt? Verbraucher achten zunehmend auf die Nährwertgehalte von Produkten. Auf der Rückseite finden sie dazu eine vorgeschriebene Tabelle mit der Bezugsgröße von 100 Gramm. Doch zusätzlich kann der Hersteller bei „freiwilligen“ Angaben auf der Vorderseite von Produkten die Portionsgröße als Basis für Nährwertangaben variieren. Mit anderen Worten: Je kleiner dabei die Portion, umso geringer erscheint beispielsweise die dort angegebene Kalorienzahl. Es handelt sich demzufolge nicht um eine tatsächliche Fehlinformation – nur um eine „andere“ Ausdrucksweise. Doch wie wirkt sie sich auf den Verbraucher aus? Dieser Frage sind Wissenschaftler der Universität Göttingen systematisch nahegegangen.

Sie werteten dazu Daten von mehr als 1500 Supermärkten in Großbritannien über einen Zeitraum von zwei Jahren aus. Während dieser Zeit führte der Händler eine freiwillige Nährwertangabe auf der Vorderseite der Produkte ein. Die Analysen der Konsumentenforscher zu den Verkaufszahlen ergaben: Je niedriger die Angabe der Portionsgröße als Basis für die Nährwertangabe bei einem Produkt, desto größer war der Anstieg des Absatzvolumens nach der Einführung der Kennzeichnung. „Viele Konsumenten bewerten ein Produkt offenbar ausschließlich nach der angegebenen Kalorienzahl oder anderen Nährwerten und ignorieren dabei die Vergleichsbasis pro Portion“, erklärt Ossama Elshiewy. Die Angaben dienen demnach weniger der Aufklärung, sondern Vermarktung der Produkte, sind die Forscher überzeugt.

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Schau genau, heißt die Devise

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass kleinere Portionsangaben Verbraucher, die Nährwertinformationen als Richtlinie nutzen, in die Irre führen können und somit für diese Gruppe eine Gefahr in Bezug auf ihre Ernährungsgewohnheiten darstellen“, sagt Elshiewy. Die Wissenschaftler stießen in diesem Zusammenhang auch noch auf ein weiteres Indiz, das einen gezielten Einsatz dieses Tricks nahelegt: Kleinere Portionsangaben finden sich tendenziell häufiger auf den Verpackungen von eher ungesunden Produkten.

Die Forscher fordern deshalb nun auch eine Standardisierung bei den freiwilligen Angaben zur Portionsgröße. In der Zwischenzeit heißt die Devise nun „genau hinschauen“. „Kennzeichen auf freiwilliger Basis sollten nicht mit verpflichtenden Nährwertangaben verwechselt werden, denn sie können zur bewussten Manipulation der wahrgenommenen Kalorienmenge eingesetzt werden“, resümiert Elshiewy.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

© natur.de – Martin Vieweg
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