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Vorsicht beim Igel-Kontakt!

Igel
Ein Igel in einer Berliner Grünanlage. (Bild: Juliane Seet)

Igel sind häufige und nützliche Gäste in unseren Gärten und Parks. Doch wie sich nun zeigt, können die stacheligen Gesellen für Menschen ansteckende Krankheitserreger in sich tragen. Forscher berichten aktuell von vier Nachweisen des Corynebacterium ulcerans, einem engen Verwandten des Diphterie-Erregers, bei vier deutschen Igeln. Dieses Bakterium kann beim Menschen Hautabzesse, neurologische Schäden und Herzentzündungen verursachen.

Die klassische Diphtherie, ausgelöst vom Erreger Corynebacterium diphtheriae, ist in den meisten Industrieländern dank Impfungen selten geworden. Sie ist durch Halsentzündungen gekennzeichnet, kann aber in schweren Fällen auch Herzmuskelentzündungen, Nervenschäden und Lähmungen sowie eine Lungenentzündung hervorrufen. Ursache dieser Komplikationen ist ein Toxin, das sowohl C. diphtheriae als auch sein naher Verwandter Corynebacterium ulcerans produzieren kann. Die von diesem hervorgerufenen Infektion wird oft auch als Haut-Diphterie bezeichnet, weil Hautabzesse das Anfangssymptom sind.

Übertragen durch Haus- und Wildtiere

Es gibt aber noch einen entscheidenden Unterschied: Während der klassische Diphterie-Erreger fast nur Menschen infiziert, kommt sein „kleiner Bruder“ C. ulcerans auch bei vielen Tieren vor. Bisher wurde dieser Erreger bereits in zahlreichen Wildtieren wie Rehen, Wildschweinen oder Füchsen, aber auch bei Zootieren und Haustieren nachgewiesen. Forscher sehen in diesen Tieren ein Reservoir, aus dem immer wieder Bakterien auf den Menschen übertragen werden.

„In den letzten Jahren sind Infektionen mit toxinproduzierenden C. ulcerans in vielen Industrieländern deutlich häufiger vorgekommen als Fälle von C. diphtheriae-Infektionen“, berichten Anja Berger vom Nationalen Konsiliarlabor für Diphtherie in Oberschleißheim und ihr Team. Nahezu alle Fälle von Haut-Diphterie seien aufgetreten, nachdem die Betroffenen engen Kontakt mit infizierten Haustieren wie Hunden oder Katzen hatten. „Sind Haustiere wie Hunde und Katzen betroffen, gibt es eindeutige Belege für einen Austausch dieser Bakterien zwischen Tieren und ihren Besitzern“, so Berger und ihr Kollege Andreas Sing. Die Fallzahlen seien gering, dennoch sei bei C. ulcerans insbesondere durch die Tier-Mensch-Übertragung Vorsicht geboten

Erreger jetzt auch bei Igeln nachgewiesen

Jetzt haben die Forscher eine weitere Tierart entdeckt, die in unserer engeren Umgebung vorkommt und Träger des Erregers C. ulcerans sein kann: Igel. Als Kulturfolger sind sie häufig in Gärten und Parks anzutreffen. Bei vier Igeln aus verschiedenen Gegenden Deutschlands haben Berger und ihr Team nun erstmals den Hautdiphterie-Erreger nachgewiesen. Es handelte sich um Tiere, die verletzt oder stark geschwächt waren und daher zu Tierärzten oder Auffangstationen gebracht worden waren. Nähere Untersuchungen enthüllten, dass alle vier Igel mit toxinproduzierenden Corynebacterium ulcerans infiziert waren.

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„Der Fund von toxinproduzierenden C. ulcerans bei Igeln unterstreicht die potenziellen Übertragungsrisiken und sollte die öffentliche Aufmerksamkeit für zoonotische Infektionen schärfen“, sagen die Forscher. Sie empfehlen, nach jedem Kontakt mit einem Wild- oder Haustier die Hände sorgfältig zu waschen oder zu desinfizieren. Geschwächte, kranke oder verletzte Wildtiere sollten grundsätzlich nur von erfahrenen Personen angefasst und gepflegt werden.

„In erster Linie sollten sich aber Personen des Infektionsrisikos bewusst sein, die direkt mit den Wildtieren arbeiten – also Tierärzte, Mitarbeiter von Igelstationen oder Tierheimen“, so die Autoren der Studie. Zudem sei zum Schutz vor der Diphtherie ein ausreichender und regelmäßig aufgefrischter Impfschutz wichtig.

Quelle: Forschungsverbund Berlin e.V.; Fachartikel: Emerging Microbes & Infections, doi: 10.1080/22221751.2018.1562312

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