Was macht Handflächen haarlos? - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin Nachgefragt

Was macht Handflächen haarlos?

Überall haben wir zumindest kleine Härchen - doch die Handflächen sind völlig nackt. (Foto: Sitade/iStock)

Woher „wissen“ die Handflächen und Fußsohlen bei Tier und Mensch, dass sie keine Haare bilden sollen? Mit dieser Frage haben sich US-Forscher beschäftigt. Ihren Ergebnissen zufolge bewirkt ein Hemmstoff namens „Dickkopf 2“, dass manche Hautbereiche Haare bilden und andere nicht.

An manchen Körperstellen haben wir bekanntlich vergleichsweise üppiges Haar – doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass unser Körper überall mit kleinen Härchen übersät ist. Es gibt dabei allerdings Ausnahmen: Unsere Handflächen und Fußsohlen sind tatsächlich völlig nackt. Das verbindet uns mit vielen Säugetieren: Obwohl einige ausgesprochen haarig sind, wachsen auch bei ihnen auf der Haut der Fußsohlen keine Haare.

Man kann sich in diesem Zusammenhang fragen: Woher „weiß“ denn die Haut an den Fußsohlen, dass sie keine Kopfhaut ist und dementsprechend haarlos zu sein hat? Grundsätzlich „weiß“ die Haut dies seit ihrer Entstehung im Rahmen der Embryonalentwicklung. In dieser Phase bekommen die Körperzellen ihre Identitäten verpasst. Verantwortlich dafür sind Schaltermoleküle auf der DNA jeder einzelnen Körperzelle. Bei einer Herzmuskelzelle werden während der Embryonalentwicklung beispielsweise Gene für die Herzfunktion aktiviert – Ähnliches gilt für die Hautzellen. Je nachdem an welcher Körperstelle sie sitzen, sind in diesen Hautzellen allerdings noch spezielle Programme an oder ab-geschaltet. So sind in den Zellen der Kopfhaut andere Systeme aktiviert als in den Zellen der Beinhaut oder aber der Fußsohlen. Diese Programme bestimmen letztlich auch, ob und welche Art Haar gebildet wird.

An diesem Punkt setzt nun die Studie der Forscher um Sarah Millar von der University of Pennsylvania in Philadelphia an. Sie haben sich mit den Programmen, beziehungsweise mit den Substanzen beschäftigt, die in den unterschiedlichen Hauttypen für die verschiedenen Behaarungs-Merkmale verantwortlich sind. Als Modell haben sie sich die nackten Fußsohlen von Mäusen ausgesucht – die Nagerhaut an dieser Stelle ist mit der unserer Haut an den Fuß- oder Handflächen vergleichbar.

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„Dickkopf 2“ hemmt

Im Visier ihrer Untersuchungen stand zunächst eine Substanz mit der Bezeichnung WNT, von der bekannt ist, dass sie Haarwachstum hervorrufen kann. So lag die Vermutung nahe, dass WNT in der Haut der Fußsohlen kaum gebildet wird. Doch wie die Wissenschaftler feststellten, ist dies nicht der Fall – WNT wird wie üblich produziert. Allerdings ist in den Fußsohlen noch eine weitere Substanz im Spiel: WNT wird dort von einem Protein namens „Dickkopf 2“ (DKK2) ausgeschaltet. „Wir haben gezeigt, dass die Haut in haarlosen Regionen einen Inhibitor produziert, der WNT daran hindert, seine Arbeit zu erledigen“, resümiert Millar.

Den Nachweis dieses Effekts erbrachten die Wissenschaftler durch genetisch veränderte Mäuse, die kein DKK2 mehr in der Haut ihrer Fußsohlen bilden können: Ohne den unterdrückenden Effekt dieser Substanz begannen die Haare in dieser normalerweise haarlosen Hautregion zu wachsen. Interessanterweise kommt dies auch natürlicherweise in der Tierwelt vor: Eisbären und manche Kaninchenarten besitzen beispielsweise Haare auf ihren Fußsohlen. Entsprechend konnten die Forscher zeigen, dass DKK2 in deren haarigen Fußsohlen tatsächlich kaum gebildet wird. Ihnen zufolge deutet dies darauf hin, dass die Produktion von DKK2 in bestimmten Hautregionen während der Evolution verändert wurde, um unterschiedliche Muster haarloser oder haariger Haut je nach den Bedürfnissen des Tieres hervorzubringen.

Welche Rolle DKK2 beim Menschen spielt, sollen nun weitere Untersuchungen genau zeigen. Den Forschern zufolge haben sie allerdings bereits Hinweise gefunden, wonach die Substanz auch mit problematischer Haarlosigkeit beim Menschen verknüpft ist. „Wir hoffen, dass unsere Forschung dazu beitragen kann, das Haarwachstum zu verbessern – beispielsweise bei Narbengewebe oder bei verschiedenen Formen des Verlusts der Kopfbehaarung“, sagt Millar.

Quelle: University of Pennsylvania School of Medicine, Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2018.11.017

Wenn Sie  eine Frage oder einen Themavorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

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