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Was man von Mäuse-akupunktur nicht lernen kann

Auf diese Nachricht hatten viele gewartet: Endlich wisse man, wie die Akupunktur Schmerzen lindert, behauptete ein US-Forscherteam um die Neurowissenschaftlerin Maiken Nedergaard von der University of Rochester. Die Meldung basiert auf einer Studie an Mäusen mit entzündeten Hinterpfoten, denen die Wissenschaftler feine Nadeln in die Beine gestochen hatten. Wurden diese Nadeln regelmäßig gedreht, begann der Körper der Tiere, verstärkt einen Botenstoff namens Adenosin zu produzieren, der die Schmerzempfindlichkeit messbar dämpfte – der lang gesuchte biochemische Mechanismus schien identifiziert.

Das sah auch das renommierte Wissenschaftsmagazin „Nature“ so und adelte die Arbeit, indem es sie in seinem Ableger „Nature Neuroscience“ veröffentlichte. Doch das Echo war zwiegespalten: Zwar stürzte sich die Publikumspresse auf die Ergebnisse und pries die Entdeckung als ultimativen Beweis für die Wirksamkeit der Akupunktur in der Schmerztherapie an. Aber viele Fachleute zeigten sich irritiert, darunter auch der Neurologe Steven Novella von der Yale University, der sich seit Jahren kritisch mit derartigen „Durchbrüchen“ auseinandersetzt. Das Team habe lediglich gezeigt, dass die Nadelstiche in den winzigen Mäusebeinen lokal eine Reaktion des verletzten Gewebes hervorrufen, monierte er. Ob diese Reaktion beim deutlich größeren Menschen, bei dem die Nadeln sehr viel weniger Schaden anrichten, ebenfalls stattfinde, sei sehr zweifelhaft. Und so spannend die Entdeckung einer neuen schmerzlindernden Reaktion des Körpers sei – das Konzept der klassischen Akupunktur, bei der eine geheimnisvolle Lebensenergie namens Qi in einem Netz von Leitungsbahnen, den Meridianen, durch den Körper fließt, sei in der Arbeit überhaupt nicht untersucht und damit auch nicht bestätigt worden.

Novella sieht zudem ein grundsätzliches Problem, genauso wie der bekannte Alternativmediziner Edzard Ernst, der sich an der University of Exeter vor allem mit der wissenschaftlichen Basis komplementärer Therapien beschäftigt: Die Voraussetzung, dass Akupunktur nachgewiesenermaßen Schmerzen lindert, sei falsch, betonen beide Experten. Denn praktisch alle gut kontrollierten klinischen Studien deuten darauf hin, dass die Nadelstiche keine schmerzstillende Wirkung haben, die über einen Placebo-Effekt hinausgeht. „Dann ist der jetzt gefundene Mechanismus irrelevant, und der tatsächliche Mechanismus ist die Placebo-Wirkung“, kommentiert Ernst.

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