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Gesundheit|Medizin

Weniger Medizin ist besser

Sodbrennen ist eine typische Zivilisationskrankheit: Stress, Übergewicht, Kaffee, Nikotin und zu viel Alkohol gehören zu den häufigsten Auslösern. Kein Wunder, dass viele Menschen gerade in der Weihnachtszeit von saurem Aufstoßen und Brennen in der Speiseröhre geplagt werden. Frei verkäufliche Antisäure-Mittel (Antazida) versprechen zwar, schnell „den Magen aufzuräumen“, aber ihre Wirkung ist medizinisch sehr umstritten. Dennoch gehen unter den rezeptfreien Medikamenten nur noch Schmerz- und Erkältungsmittel häufiger über den Apothekentisch.

Beim Sodbrennen (medizinisch: Reflux) flutet Magensäure in die Speiseröhre zurück und reizt deren empfindliche Schleimhaut. Prädestiniert dafür sind Patienten, bei denen sich der Mageneingang nicht richtig schließt. Aber bei vielen treten die Schmerzen erst auf, wenn die oben genannten Faktoren die Produktion von Magensäure richtig ankurbeln. Die in den Antazida enthaltenen Aluminium- oder Kalziumsalze binden die Magensäure und sollen so die Speiseröhre vor den ätzenden Attacken schützen. Gastroenterologe Siegbert Faiss, Chefarzt am Allgemeinen Krankenhaus Barmbek in Hamburg bezweifelt solche Werbebehauptungen: „Die Patienten verspüren lediglich eine kurzfristige Besserung.“ Denn die Antazida werden schnell in den Darm weiter transportiert. Eine ähnlich kurzfristige Linderung lässt sich auch mit einem trockenen Brötchen erreichen. „Die einzigen Medikamente, die wirklich langfristig helfen, sind die Protonenpumpeninhibitoren“, sagt Siegbert Faiss. Die PPI sind seit etwa 15 Jahren auf dem Markt und stoppen die Produktion der Magensäure. Mit 25 Milliarden US-Dollar stehen sie weltweit auf Platz zwei der Umsatz-Hitliste mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Nur die Cholesterinsenker bringen mehr Geld.

Die Mittel sind zum Dauereinsatz gedacht, was die hohen Umsätze sicherlich begünstigt. Aber unter den Medizinern setzt sich mehr und mehr die „On-Demand“-Therapie durch, die sich am tatsächlichen Bedarf der Patienten orientiert. Siegbert Faiss: „ Unsere Erfahrung zeigt, dass die meisten Reflux-Patienten die PPI nicht unbedingt täglich nehmen müssen.“ Am sinnvollsten sei es, zunächst mit einer hohen Dosis zu beginnen, bis die Beschwerden zurückgehen. Danach könne die Tagesdosis langsam abgesenkt werden. Oft genüge es sogar, die Medikamente nur alle zwei bis drei Tage zu nehmen. „Im Prinzip dürfte das eigentlich gar nicht funktionieren, denn die Wirkstoffe hemmen die Säureproduktion lediglich über 24 Stunden“, sagt der Hamburger Magenspezialist. Aber sie geben der Schleimhaut in der Speiseröhre offensichtlich genügend Zeit, um sich zu regenerieren und weiteren Säureattacken besser standzuhalten. Nicht selten können die Patienten irgendwann ganz auf die Säurehemmer verzichten. Allgemein rät Siegbert Faiss allen Reflux-Patienten am Beginn der Therapie zu einer Spiegelung der Speiseröhre und des Magens. Zwar entstehen Speiseröhrentumore bei häufigem Sodbrennen seltener, als noch vor wenigen Jahren gedacht, aber ausschließen sollte man sie doch. Dr. Ulrich Fricke

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Links und Quellenangaben zu allen medinfo-Themen:

www.wissenschaft.de/bdw

PD Dr. med. Siegbert Faiss:

www.ak-barmbek.lbk-hh.de

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