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Wie Schlafentzug Depressionen lindert

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Credit: Thinkstock
Traurig, antriebslos und müde – doch sich mal richtig auszuschlafen hilft den meisten depressiven Menschen nicht, sondern erstaunlicherweise das Gegenteil: Kontrollierter Schlafentzug wird seit Jahrzehnten zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, denn bei etwa der Hälfte der Patienten lässt sich die Stimmung durch Schlafmangel kurzfristig aufhellen. Wie diese Therapieform allerdings wirkt, ist allerdings noch weitgehend unklar. Eine Studie zeigt nun, dass sich bei Schlafentzug bestimmte Netzwerke im Gehirn umstrukturieren. Resultat: Mehr geistige Kontrolle mit antidepressivem Effekt. Der Nachweis könnte nun auch als Biomarker dienen, ob bei einem Patienten eine Wachtherapie Sinn macht.

Von früheren Studien war bereits bekannt, dass Veränderungen in zwei Hirnregionen mit Depressionssymptomen einhergehen können: einerseits einer Unteraktivität in Hirnbereichen, die an geistiger Kontrolle beteiligt sind, andererseits einer Überaktivität in für die Verarbeitung von emotionalen Prozessen zuständigen Regionen. Zudem legten Studienergebnisse bereits nahe, dass bei manchen depressiven Patienten eine übersteigerte Verknüpfung bestimmter Hirnregionen vorliegt. Erich Seifritz vom Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und seine Kollegen konnten nun zeigen, dass Schlafentzug sich genau auf diese Aspekte auswirkt.

 

Schlafentzug strukturiert Netzwerke um

 

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Die Forscher führten ihre Untersuchungen mit zwölf gesunden Probandinnen durch. Ihre Hirnaktivität wurde mittels funktioneller Magnetresonanztomographie und Hirnstromableitungen (Elektroenzephalogramm, EEG) untersucht – einmal, nachdem sie normal geschlafen hatten und ein weiteres Mal nach Schlafentzug. Dabei durften sie jeweils nur von etwa drei Uhr bis sieben Uhr morgens schlafen. Diese verkürzte Schlaf am frühen Tag hat sich im Rahmen von Wachtherapien bereits als günstig herausgestellt.

 

Die Vergleiche zeigten: Der Schlafentzug führte zu einer Veränderung der Verbindungen im Gehirn. Das führte dazu, dass Hirnareale weniger eingebunden waren waren,, die vor allem für emotionale Prozesse zuständig sind. Gleichzeitig wurden hingegen Areale verstärkt eingebunden, die kognitive Kontrollvorgänge vermitteln.

 

Die Erforschung der neurobiologischen Mechanismen von Schlafentzug ist deshalb so interessant, weil damit schnell wirkende Therapien erforscht werden können, sagen die Forscher. Denn ein großes Problem bei der Behandlung von Depressionen ist, dass viele Medikamente erst nach Wochen der Einnahme zu wirken beginnen. In diesem Zusammenhang bieten die aktuellen Ergebnisse wichtige Hinweise, meinen Seifritz und seine Kollegen . Vor allem könne man die Ergebnisse aber zur Entwicklung von Tests nutzen, die darüber Aufschluss geben, welche Therapieform zur Behandlung eines bestimmten Patienten geeignet ist.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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