Deutsches Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek - wissenschaft.de
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DAMALS-Kooperationen

Deutsches Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek

Das Deutsche Exilarchiv 1933 –1945 zeigt in der Deutschen Nationalbibliothek neuerdings eine Dauerausstellung: Briefe, Pässe, Bücher und persönliche Gegenstände von Exilanten werfen Schlaglichter auf die Situation der Flüchtlinge, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland verlassen mussten. Das Exilarchiv ist Kooperationspartner des Titelthemas in DAMALS 2-2019.

Einen einzigen dürren Satz hatte Albert Einstein für das Land seiner Herkunft noch übrig. „Nach dem, was die Deutschen getan und nicht bereut haben, will ich nicht, dass noch irgend etwas von mir in Deutschland erscheint“, schrieb der Physiker im Januar 1950 aus Princeton an einen Berliner Verleger, der offenbar gehofft hatte, mit dem berühmten Mann geschäftlich wieder anbandeln zu können. Dem katholischen Publizisten und späteren FDP-Politiker Hubertus Prinz zu Löwenstein konnte es dagegen gar nicht schnell genug gehen: Am 8. Mai 1945, die Tinte auf der deutschen Kapitula­tionsurkunde war kaum trocken, erkundigte er sich bei den US-Behörden nach Möglichkeiten der Heimkehr.

Einsteins lakonischer Absagebrief ebenso wie ein Schreiben, mit dem das US-Außenministerium den Prinzen wissen ließ, an eine Reise nach Deutschland sei unter obwaltenden Umständen leider nicht zu denken, und die Regierung werde sich zu gegebener Zeit mit der Repatriierung der Emigranten befassen, finden sich heute in einer Vitrine in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. „Exil. Erfahrung und Zeugnis“, heißt die Dauerausstellung, die hier seit März 2018 in der Verantwortung des Deutschen Exilarchivs 1933 –1945 auf zwei Etagen präsentiert wird. Auf 380 Quadratmetern sind 250 Exponate arrangiert: Druckwerke und Archivalien, Briefe, Tagebücher, Pässe, Meldeformulare, auch persönliche Erinnerungsstücke.

Auf der Zugfahrkarte steht „Fahrt in die Freiheit“

Der Publizist und Fotograf Walter Zadek hatte eine Zugfahrkarte von Köln nach Aachen aufgehoben. „Fahrt in die Freiheit“, hatte er auf der Rückseite notiert. Von Aachen aus schlich sich Zadek über die grüne Grenze in die Niederlande. Von Hubertus zu Löwenstein ist ein verblichener Wimpel des demokratischen „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ zu sehen, den der Prinz schon vor 1933 an seinem Auto mitgeführt und dessentwegen er bereits damals Anfeindungen erfahren hatte. Die österreichische Juristin Clementine Bloch ist mit einem Kästchen voller persönlicher Papiere vertreten (Fahrkarten, Eintrittskarten zu den Salzburger Festspielen, Briefe), das sie als einzige Erinnerung an die Heimat in die USA mitgenommen und ihr Leben lang aufbewahrt hatte. Ausgestellt ist auch der Koffer, der den damals 15-jährigen jüdischen Krefelder Ernst Loewy auf der Reise nach Palästina begleitet hat.

Etwa 500 000 Menschen sind zwischen 1933 und 1945 aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten in Europa geflohen. Ihr Schicksal zu dokumentieren war bald nach Kriegs­ende Gegenstand von Überlegungen im „Schutzverband deutscher Schriftsteller“ in der Schweiz. Der Verband konnte 1949 den damaligen Leiter der Deutschen Bibliothek in Frankfurt Hanns Wilhelm Eppelsheimer dafür gewinnen, in seinem Haus eine Sammlung der Werke deutscher Emi­granten aufzubauen.

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Das Deutsche Exilarchiv 1933 –1945 beherbergt heute 20 000 Monographien, die von Flüchtlingen zwischen 1933 und 1950 im Ausland veröffentlicht wurden, etwa die gleiche Anzahl Zeitschriften sowie mittlerweile 300 persönliche Nachlässe und Archive von Organisationen. So werden in Frankfurt die Unterlagen des deutschen Exil-Ablegers des Autorenverbands PEN aufbewahrt, die Papiere des 1940 in New York gegründeten „Emergency Rescue Committee“, das sich nach der Niederlage Frankreichs um Hilfe für bedrohte deutsche Intellektuelle bemühte, sowie der von 1935 bis 1940 ebenfalls in New York tätigen und vom Prinzen Löwenstein geleiteten „American Guild for German Cultural Freedom“, die Emi­granten finanziell unterstützte. In einer der Vitrinen sind das schlichte Türschild und eine Schreibmaschine aus dem Büro dieser Organisation zu sehen.

Exponate beschreiben Alltag der Emigration

Wechselnde Ausstellungen veranstaltete das Exilarchiv schon seit 1965. Mit der Entscheidung, markante Stücke der Sammlung dauerhaft zu zeigen, wurde eine Lücke geschlossen. Ein vergleichbares öffentliches Mu­seum der deutschen Emigration gab es bislang nicht. Der Besucher wandert durch drei Abteilungen, von denen die erste dem Thema Flucht, Fluchtwege, Initiativen zur Flüchtlingshilfe gewidmet ist. Zadeks Fahrkarte ist hier zu sehen, das letzte Foto des jungen Ernst Loewy mit seinen Eltern vor der Abreise nach Palästina, auch ein Stapel von Briefen der Journalistin Maria Leitner an das „Emergency Rescue Committee“, die nach 1940 vergeblich versuchte, aus Marseille ins rettende Exil zu gelangen.

Die zweite Abteilung dokumentiert den Alltag in der Emigration. Zu den augenfälligen Exponaten zählt hier ein von der Wirtschaftswissenschaftlerin Erna Meyer verfasster Leitfaden: „Wie kocht man in Erez Israel“, der nicht zuletzt dem Anliegen diente, den an gutbürgerliche Küche Gewöhnten so exotische Lebensmittel wie Olivenöl, Okraschoten oder Auberginen schmackhaft zu machen. In der letzten Abteilung geht es um die Zeit nach dem Exil. Unter anderem der Einstein-Brief ist hier zu sehen.

Die Gestalter der Ausstellung haben auch dem Umstand, dass ein Großteil der Exponate aus Schriftgut besteht, Rechnung getragen. Besucher finden Schubladen in den Vitrinen, die Transkriptionen der unter Glas liegenden Dokumente enthalten.

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