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DAMALS 11/2020

Atatürk – Gründer der modernen Türkei

Auch dank des militärischen Geschicks Mustafa Kemals (hier bei der Inspek - tion seiner Truppen) gelang 1922 der Sieg über die Griechen. (Bild: Getty Images / Hulton Archive / General Photographic Agency)

Die von Mustafa Kemal, dem späteren Atatürk, 1923 gegründete türkische Republik war kein geschrumpftes Osmanisches Reich, es war ein komplett neuer Staat. Mustafa Kemal wollte aus der Türkei ein modernes Land machen, in dem Staat und Religion streng getrennt sind, Bildung einen hohen Stellenwert hat und Frauen emanzipiert leben dürfen. Zu den Schattenseiten seiner Visionen zählten sein Anspruch auf Alleinherrschaft und ein Nationalismus, der Minderheiten unterdrückte. Zudem zeigte sich, dass seine Kulturrevolution tiefe Gräben in der türkischen Gesellschaft aufriss. Die Folgen sind bis heute zu spüren.

 

Beiträge in dieser Ausgabe

Frühe Biographie

Mustafa Kemal und der „kranke Mann am Bosporus“

Der später als Atatürk bekannte Gründer der modernen Türkei erlebte in seiner frühen Biographie mit, wie das Osmanische Reich auseinanderfiel. Im Militär fand Mustafa Kemal Gleichgesinnte, die eine Modernisierung des Staats anstrebten.... mehr

Die Folgen des Ersten Weltkriegs

Der Weg zur Republik

Für die Osmanen, die im Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands standen, brachte das Jahr 1915 eine Reihe von militärischen und politischen Ereignissen mit sich, die das Schicksal der Türkei prägen sollten. Mustafa Kemal ebneten sie den Weg, Atatürk – Vater der Türken – zu werden.... mehr

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Umfangreiche Reformprojekte

Bruch mit der Vergangenheit

Atatürk forcierte in der jungen Republik einen Komplettumbau des Staates, der Gesellschaft und der Kultur. Viele der bis 1934 umgesetzten Maßnahmen – etwa die Abkehr vom Islam als Staatsreligion – sind so tiefgreifend, dass man eher von „Revolutionen“ sprechen sollte.... mehr

Menschen um Atatürk

Weggefährten und Gegner

Eine so dominante Figur wie Atatürk überstrahlt natürlich sein Umfeld. Doch es lohnt sich, einige seiner Zeitgenossen näher zu betrachten.... mehr

Essay

Das Erbe Atatürks

Die Visionen Atatürks lebten nach seinem Tod im Kemalismus weiter. Aus Sicht des Turkologen Prof. Dr. Yavuz Köse zeigten sich bald die Folgen der politischen und gesellschaftlichen Konflikte, die in diesem radikalen Programm angelegt waren. Der aktuelle Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan... mehr


Es geschah vor 50 Jahren: Assad ergreift die Macht

Stiller Putsch in Syrien

Vor 50 Jahren wurde das sozialistische Experiment in Syrien durch einen Staatsstreich beendet. Verantwortlich dafür war Verteidigungsminister Hafis al-Assad. Mit seiner Machtübernahme endete ein jahrelanger Machtkampf. Assads Herrschaft sollte Syrien langfristig formen.... mehr

Forschung

Meninx – antike Metropole auf der Insel Djerba

Vor 2000 Jahren war die Stadt Meninx auf der tunesischen Insel Djerba eines der wichtigsten Zentren für den Purpurhandel im Mittelmeerraum. Die bislang kaum bekannte antike Stadt und ihren Hafen erforscht ein deutsch-tunesisches Archäologenteam.... mehr

Forschung

Söldner, Landarbeiter, Häftling

Das Schicksal des Söldners Hans Rudolf Wäber zeigt, wie prekär das Leben eines einfachen Mannes in der frühneuzeitlichen Schweiz sein konnte.... mehr

Medienwandel im Mittelalter

Der leise Siegeszug des Papiers

Papier ist in Europa bereits seit dem 12. Jahrhundert belegt. Seit dem 14. Jahrhundert setzte sich das Schreibmedium zunehmend gegen Pergament aus Tierhäuten durch – sein Durchbruch begann damit schon deutlich vor dem Buchdruck.... mehr

Die erste Weltumseglung

Magellan und die Gier nach Gewürzen

Im August 1519 verließen fünf Schiffe unter dem Befehl Ferdinand Magellans den Hafen von Sevilla. Ihr Ziel: die legendären Gewürzinseln. Nur wenige der Männer an Bord sollten 1522 ihre Heimat wiedersehen. Sie wurden als Helden gefeiert. Denn nie zuvor hatte ein Mensch die Erde umrundet.... mehr

Fuggerei Augsburg

Seit 1521 Hort für Bedürftige

Die Fuggerei in Augsburg vereint Historie und Gegenwart miteinander: Drei kleine Museen spiegeln die Geschichte der ältesten Sozialsiedlung der Welt wider, während diese weiterhin eine Heimstatt für Bedürftige bietet.... mehr

Der US-Milliardär Henry E. Huntington

Von Bahnen, Büchern und Bildern

Henry E. Huntington war ein Mann von der Art, wie ihn vor allem die USA hervorgebracht haben: reich geworden als Eisenbahn-Tycoon und visionärer Entwickler des Nahverkehrs, in späteren Jahren ein geradezu manischer Bücher- und Kunstsammler – und durch die Stiftung der „Henry E. Huntington... mehr

Faszinierende Figuren: Helga Glaesener über Theodor Wonja Michael

„Durchhalten war sein wichtigstes Talent“

Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft sprechen über historische Gestalten, die sie beeindruckt haben. In dieser Ausgabe: die Schriftstellerin Helga Glaesener über den Schauspieler, Journalisten und BND-Beamten Theodor Wonja Michael.... mehr

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DAMALS | Aktuelles Heft

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Der Podcast zur Geschichte.

Geschichten von Alexander dem Großen bis ins 21. Jahrhundert. 2x im Monat reden zwei Historiker über ein Thema aus der Geschichte. In Kooperation mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte.

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Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Corona-Philosophie

In der Süddeutschen Zeitung hat heute die philosophische Verdauung der Coronakrise begonnen. René Schlott warnt in einem Zwischenruf, die offene Gesellschaft würde „erwürgt, um sie zu retten“. Das Dilemma zwischen Freiheit und Sicherheit, das auch die Debatte um den richtigen Umgang mit dem Terrorismus prägt, hatten wir hier auf Gesundheits-Check ebenfalls kurz angerissen. Zwar folgt René Schlott nach meinem Geschmack zu sehr dem Alarmismus 2. Art, also der übertriebenen Warnung davor, dass die Regierungen gerade in Sachen Gesundheitsdiktatur üben – das Pendant zum Alarmismus 1. Art, dass wir alle am Virus sterben und die Regierung am besten alle Kranken in Lager stecken sollte, aber die von René Schlott aufgerufene Frage danach, was die Coronakrise von unserem Verständnis von Liberalität übrig lässt, ist natürlich trotzdem berechtigt. Etwas unbehaglich darf einem schon werden, wenn mit dem Rechtsinstrument der „Allgemeinverfügung“, einer Form des Verwaltungsakts nach § 35 VerwVfG, im Vollzug des Infektionsschutzgesetzes, etwa § 28 IfSG, so weitreichende Einschränkungen der Grundrechte in Gang gesetzt werden, wie wir das zurzeit erleben.

Ein zweiter Artikel, von Alexander Menden, beschäftigt sich der Strategie oder der fehlenden Strategie zum Umgang mit dem Virus in Großbritannien. So ganz klar ist ja nicht, was man dort plant. Alexander Menden geht davon aus, die britische Regierung folge einem utilitaristischen Ansatz. Er stützt sich dabei auf eine Äußerung des Regierungsberaters Patrick Vallance, mit einer Durchseuchungsrate von 60 % würde man gezielt eine Herdenimmunität aufbauen. Proteste weltweit haben daraufhin den britischen Gesundheitsminister Matt Hancock veranlasst, zu sagen, das sei ja so gar nicht geplant – was eben die Frage aufwirft, was denn dann geplant ist. Nach den „Planungen“ von Boris Johnson zum Brexit befürchte ich Schlimmstes.

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Die Proteste gegen die Herdenimmunitäts-Strategie von Vallance haben vor allem ins Feld geführt, dass damit viele tausend Tote aus den vulnerablen Gruppen in Kauf genommen würden. Alexander Menden zitiert dazu Johnson mit einer unfreiwillig komischen Aussage: „Ich muss zur britischen Bevölkerung ehrlich sein: mehr Familien, viel mehr Familien werden geliebte Angehörige früher verlieren als erhofft.“ Nun, hoffen wir mal, dass das ein Übersetzungsfehler war und kein Freudscher Fehler der Erbengeneration.

Utilitarismus ist kein Rechenfehler

Aber ist, wie Alexander Menden schreibt, aus utilitaristischer Sicht „der Fall klar“? Wäre aus utilitaristischer Sicht die Durchseuchung wirklich „nicht nur sinnvoll, sondern geradezu ethisch geboten“? Seine Begründung: „Selbst bei einer hohen Sterberate wie jener in Italien wäre der weit überwiegende Teil der Bevölkerung dann vor dem Virus sicher. Der größte Nutzen für die größte Menge wäre gewährleistet.“

Das ist nun in jeder Hinsicht grober Unfug. Wenn 60 % der Bevölkerung infiziert werden müssen, um eine Herdenimmunität herzustellen, ist nicht der „weit überwiegende Teil der Bevölkerung“ vor dem Virus sicher, es sei denn, in Großbritannien sind 40 % mehr als 60 %. Wie gesagt, beim Brexit hat man vielleicht auch so gerechnet und wenn man die Meinungsfreiheit in der Mathematik hochhält, mag das irgendwie o.k. sein. Des Weiteren würde die Überlastung des Gesundheitswesens während einer schnellen Durchseuchung mehr und nicht weniger Sterbefälle kosten als bei einer „Flatten the curve“-Strategie, wie sie Deutschland verfolgt. Man würde zudem auch noch darauf verzichten, dass man eventuell schon vor einer Durchseuchung von 60 % der Bevölkerung eine Impfung hat, wenn man die nötige Zeit durch eine „Flatten the curve“-Strategie gewinnen kann.

Es mag also sein, dass Großbritannien eine andere politische Kultur hat als Kontinentaleuropa, so das Fazit Alexander Mendens, aber gut begründet ist das in dem Fall mit dem Stichwort Utilitarismus nicht. Eher hat man es hier mit einer pathologischen Deformationen des Trolley-Problems zu tun: Darf ich mehr Menschen opfern, um weniger Menschen zu retten, wenn ich glaube, mehr Menschen zu retten?

Menden kommt des Weiteren darauf zu sprechen, dass vielleicht auch bei uns noch utilitaristische Abwägungen anstehen, etwa wenn es darum geht, sich zwischen der Beatmung eines alten „Rauchers mit Diabetes“ und einer jungen, bisher gesunden „Unternehmerin und Mutter zweier Kinder“ zu entscheiden. In der Tat wäre das die Denkwelt utilitaristischer Strategien, wie sie in der Gesundheitsökonomie auch sonst gang und gäbe sind. Genau diese Logik ist z.B. der Evaluation von Maßnahmen anhand des Outcomes „QUALYs“, der qualitiätsadjustierten Lebensjahre, inhärent. Dass Menden eine „Unternehmerin“ für sein Beispiel anführt, zeigt, wie heikel die dabei zum Tragen gebrachten Nützlichkeitsbewertungen eines Menschenlebens sein können.

Au|gen|in|nen|druck  〈m. 1u; unz.; Med.〉 Augenwasserdruck in der Augenkammer auf die Innenwand des Auges, wird als routinemäßige Früherkennung od. bei Verdacht auf Erkrankung (z. B. grünem Star) gemessen

Hor|nist  〈m. 16; Mus.〉 Musiker, der das Horn bläst

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