DAMALS 04/2013 Täter im weißen Kittel - wissenschaft.de
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DAMALS 04/2013

Täter im weißen Kittel

Wie konnte es geschehen, dass Ärzte Tausende Behinderte und Kranke töteten, statt ihnen zu helfen? Auch mit der Distanz von gut 70 Jahren gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Diese und andere Verbrechen, von Ärzten begangen, die dem Wohl ihrer Patienten verpflichtet sein sollten, bleiben monströs: Die massenhaften Zwangssterilisierungen griffen zutiefst in das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen ein. Das „Euthanasie“-Programm, als „Gnadentod“ etikettiert, war schlicht Mord. Und die Menschenversuche zeugen davon, dass die Täter im weißen Kittel in einer Mischung aus Allmacht-Gefühl und Pflichtvergessenheit Wehrlosen Unvorstellbares zufügten. Wie sich bei Medizinern die Maßstäbe verschoben hatten, belegt eine Aussage von Hitlers Begleitarzt Karl Brandt im Nürnberger Ärzteprozess. Kohlenmonoxyd sei die „humanste“ Methode, um Kranke zu töten, erklärte Brandt. Dies sei ein Beispiel dafür, was passiere, „wenn in der Geschichte der Medizin größere Fortschritte gemacht werden“.

Beiträge in dieser Ausgabe

Malthus, Darwin und die Folgen

Der Nährboden des Rassenwahns

Die Überzeugung, dass manche Rassen wertvoller seien als andere, und die Idee, „unwertes Leben“ einfach auszulöschen, ist keine Erfindung der Nationalsozialisten. Schon im 19. Jahrhundert entstanden radikale biopolitische Theorien, keineswegs nur in Deutschland. Sie... mehr

Hitlers Arzt Karl Brandt

Ohne Ehrfurcht vor dem Leben

Karl Brandt war Begleitarzt Adolf Hitlers und Leiter des NS-Gesundheitswesens, also hauptverantwortlich für die Medizinverbrechen. Als ihm in Nürnberg der Prozess gemacht wurde, war er überzeugt, nur „das Beste für die Menschheit“ gewollt zu haben.... mehr

Medizinverbrechen

Töten statt heilen

Im Dienst der biopolitischen Diktatur des Nationalsozialismus verübten Ärzte schreckliche Verbrechen – von Zwangssterilisationen über die gezielte Tötung vermeintlich wertloser Menschen im Rahmen der „Euthanasie“ bis hin zu grausamen Experimenten an Wehrlosen.... mehr

Verfolgung jüdischer Ärzte

Berufsverbot für die Besten ihres Fachs

Bis 1933 hatten jüdische Mediziner, die in Deutschland in diesem Berufsstand überproportional vertreten waren, gerade in der Forschung Herausragendes geleistet. Nach der „Machtergreifung“ wurden sie schrittweise aus dem Gesundheitssystem vertrieben.... mehr

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Aufarbeitung in der Nachkriegszeit

Viele Täter blieben unbehelligt

Nach 1945 wurden nur die wenigsten NS-Ärzte für ihre Verbrechen bestraft. Viele machten in der Nachkriegszeit sogar weiter Karriere. Die Ärzteschaft brauchte lange, um die dunkle Vergangenheit aufzuarbeiten.... mehr

Interview

„Mediziner müssen lernen, Hierarchien zu hinterfragen“

Die Erkenntnis, dass Ärzte in besonderem Maße in die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes verstrickt waren, hat sich unter den heutigen Medizinern durchgesetzt. Seit einigen Jahren beschäftigt sich die organisierte Ärzteschaft intensiv mit diesem Kapitel ihrer Geschichte. Mit Prof... mehr

Johnnes R. Becher wird Akademie-Präsident

Kunst im Dienst der Partei

Die DDR-Führung wollte nach 1949 auch die Künstler auf Linie bringen. Doch die eigens dafür gegründete Deutsche Akademie der Künste erfüllte die Erwartungen nicht. Daher sollte 1953 der regimetreue Dichter Johannes R. Becher den Schriftsteller Arnold Zweig als deren... mehr

Friedrich II. und die Osmanen

Halbherziges Werben um die Gunst des Sultans

Ein wahrer Freund des Osmanischen Reichs ist Friedrich II. niemals geworden. Aber zeitweise setzte der Preußenkönig darauf, die Türken als Trumpfkarte gegen den Erzrivalen Habsburg auszuspielen.... mehr

Alexander Schnütgen

Ein Sammler vor dem Herrn

Der Kölner Domkapitular Alexander Schnütgen machte sich Ende des 19. Jahrhunderts als Pionier im Sammeln mittelalterlicher Kunst über Deutschland hinaus einen Namen. Sein Lebenswerk bildete den Grundstock des heutigen Museums Schnütgen in Köln.... mehr

Museum Tucherschloss mit Hirsvogelsaal

Italien in Nürnberg

Im reizvollen Tucherschloss kann man die beeindruckende Lebenswelt des Nürnberger Patriziats kennenlernen. Ergänzt durch den spektakulären „Hirsvogelsaal“ und eine neue Gartenanlage, hat die Stadt hier eine „Renaissance-Insel“ geschaffen.... mehr

Römer jenseits des Limes

Feldzug ins Herz Germaniens

Die Zeugnisse der „Schlacht am Harzhorn“, eines Gefechts zwischen Römern und Germanen um 235 n. Chr. am Westrand des Harz, machen deutlich, dass die Römer über 200 Jahre nach der verlorenen Varusschlacht noch mit einer großen Armee weit ins germanische Hinterland... mehr

Forschung

Aufstände in Konstantinopel

Im 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. häuften sich Massenproteste gegen den Herrscher in der Stadt. Sie können als spezifische Art der Kommunikation mit dem Kaiser gedeutet werden, wie eine neue Forschungsarbeit zeigt.... mehr

Forschung

Konflikte beim Bau

In vielen Städten beeindrucken noch heute die großen mittelalterlichen Kirchen. Ein Forschungsprojekt befasst sich mit der oft wechselvollen Baugeschichte dieser Großprojekte.... mehr


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