Biopolitische Praxis im 20. Jahrhundert Der Theorie folgt die Tat - wissenschaft.de
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Biopolitische Praxis im 20. Jahrhundert

Der Theorie folgt die Tat

Welche Menschen sind besonders wertvoll, welche erscheinen als entbehrlich? Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde weltweit rassistisches Gedankengut Schritt für Schritt in Gesetze gegossen, aus denen praktische Politik folgte – von Zwangssterilisierungen über Antiziganismus bis hin zu den „Nürnberger Gesetzen“.

Nach der Wende zum 20. Jahrhundert entwickelten sich die verschiedenen Spielarten des Biologismus weiter. Die Eugenik etablierte sich sowohl als wissenschaftliche Disziplin als auch als biopolitische Praxis. Beispiel USA: Dort legte das „Eugenics Record Office“ von 1910 bis 1939 eine Sammlung von einer Million Karten mit Erbmerkmalen amerikanischer Familien an. 1925 entstand die „American Eugenics Society“. Sie betrieb unter anderem eine Ausstellung über Vererbung und Kosten der „Degeneration“, die auf Jahrmärkten gezeigt wurde, und veranstaltete „Fitter Family Contests“, bei denen Familien von Ärzten und Psychologen erbbiologisch evaluiert wurden. Zwischen 1914 und 1928 stieg die Zahl der Colleges und Universitäten, die Kurse in Eugenik anboten, von 44 auf 376.

Parallel dazu expandierte die gesetzlich sanktionierte eugenische Praxis. Über 30 Bundesstaaten erließen Zwangssterilisationsgesetze. Bis in die 1970er Jahre wurden etwa 70.000 Menschen zwangssterilisiert, darunter viele afroamerikanische Häftlinge. Während der Kriegsverbrecherprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die Angeklagten bezeichnenderweise, die Massensterilisationen im „Dritten Reich“ mit dem Verweis auf das US-Vorbild zu rechtfertigen…

Autor: Prof. Dr. Christian Koller

Den vollständigen Artikel lesen Sie in DAMALS 06/2018.

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