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Ortstermin Auschwitz

Im Zweifel für die Zeugen

Kann das alles so gewesen sein? Diese Frage kam im Auschwitz-Prozess immer wieder auf. Und so reiste mitten im Kalten Krieg eine Delegation im Auftrag des Gerichts zum Ortstermin nach Polen – in ein Land, mit dem die Bundesrepublik damals keine diplomatischen Beziehungen pflegte.

Das Frankfurter Gericht verhandelte die gegen die Angeklagten erhobenen Tatvorwürfe, ohne den Tatort zu kennen. Die von den Zeugen gemachten Aussagen ließen sich aber zum Teil nur überprüfen, wenn man über Ortskenntnisse verfügte. Der Nebenklagevertreter Henry Ormond stellte deshalb den Antrag, Auschwitz und Birkenau „in Augenschein“ zu nehmen, das heißt, zu einem Lokaltermin nach Polen zu reisen.

Einige Verteidiger sprachen sich gegen den Antrag aus. Eines ihrer Argumente lautete, dass eine Reise hinter den „Eisernen Vorhang“ unzumutbar sei und dass die Örtlichkeit durch die Einrichtung eines Museums längst so umgestaltet worden sei, dass dem Komplex jegliche Authentizität fehle. Auch das Gericht hatte große Bedenken, zumal es zwischen der Bundesrepublik und der Volksrepublik Polen keine diplomatischen Beziehungen gab.

Ormond blieb jedoch hartnäckig und nahm Gespräche mit polnischen Stellen auf. Er erreichte, dass Polen seine Bereitschaft bekundete, eine „Augenscheinseinnahme“, wie es im Juristendeutsch heißt, zuzulassen. Das Gericht verhandelte daraufhin mit der Bundesregierung. Nach der Überwindung aller Schwierigkeiten reiste Anfang Dezember 1964 der beisitzende Richter Walter Hotz im Auftrag des Gerichts mit einer vielköpfigen Delegation nach Auschwitz…


Autor: Werner Renz

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in DAMALS 07/2020

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