Der lange Weg zur Heiligen Postum zum Popstar - wissenschaft.de
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Der lange Weg zur Heiligen

Postum zum Popstar

Der erste Versuch, Hildegard zur Heiligen zu machen, scheiterte im 13. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert vereinnahmte die Volksfrömmigkeit die Äbtissin. Erst 2012 sprach der Vatikan Hildegard heilig. Weltbekannt machte sie ihr medizinisches Wissen.

Als Hildegard von Bingen am 17. September 1179 in ihrem Kloster bei Bingen verstarb, schien es für die Zeitgenossen offenbar keineswegs ausgemacht, dass nun in aller Form einer neuen Heiligen zu gedenken war. Zwar berichtet die bald nach ihrem Tod entstandene Vita von wundersamen Lichtzeichen am Himmel zum Todeszeitpunkt Hildegards, auch von süßem Duft, der von ihr ausgegangen sei – und damit von Erscheinungen, die in keiner Heiligenvita fehlen durften. Aber dann fährt der Bericht weniger spektakulär fort, indem er über Hildegards Bestattung lediglich vermerkt, sie sei „an ehrbarem Ort begraben“ worden.

Tatsächlich besteht bis heute Unklarheit darüber, wo sich Hildegards ursprüngliche Grabstätte befunden hatte. Anders als bei anderen Heiligen der Zeit erfährt man auch kaum etwas von Wundern an Hildegards Grab: Die Mirakel, von denen in der Vita berichtet wird, hatten sich meist noch zu Lebzeiten der Prophetin ereignet.

Vermutlich hatte die Verblichene auch nur wenig Aussicht auf eine schnelle Heiligenkarriere, weil Hildegards Leben und Werk nicht unbedingt der damals vorherrschenden Vorstellung von Heiligkeit entsprach. Als heilig wurde im 12. und 13. Jahrhundert zunächst einmal angesehen, wer ein asketisches, entbehrungsreiches Leben führte und sich im Dienst an den Armen in der Nachfolge Christi aufgeopfert hatte.

Bei Hildegard aber, der Seherin vom Rupertsberg, lagen die Dinge anders: Um ihr Leben wertschätzen zu können, muss man sich mit dem nicht immer leicht konsumierbaren Werk beschäftigen. Daher machte sich um 1220 der Eberbacher Zisterzienserprior Gebeno daran, Hildegards Schriften in Form einer knappen Zusammenfassung dem breiteren Publikum zu präsentieren. Denn – so Gebeno – es sei ja nun einmal das Schicksal der Propheten, „dass ihre Schriften nicht mehr gelesen werden, weil sie eine so obskure und ungewöhnliche Sprache sprechen.“…

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Autor: Dr. Matthias Schmandt

Den vollständigen Artikel lesen Sie in DAMALS 06/2020

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