Der Bergbau zur Zeit Kaiser Maximilians I. 150000 Gulden jährlich - wissenschaft.de
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Der Bergbau zur Zeit Kaiser Maximilians I.

150000 Gulden jährlich

Kaiser Maximilian I. war sich der Bedeutung des Montanwesens als einer Basis seiner politischen Macht wohl bewußt. Er verfügte über die Einkommen aus einer Reihe von Bergwerken und pflegte ein enges Verhältnis zum Bergbau.

In seiner Lebensbeschreibung „Weißkunig“ ließ sich Maximilian als ein „besonderer Liebhaber der Bergwerke“ kennzeichnen. So habe er eines bei Schwaz (im Inntal) besessen, das ihm jährlich 150000 Gulden einbrachte. J. v. Sperges erzählt 1765 in seiner „Tyrolischen Bergwerksgeschichte“: „Im Jahr 1490 hat Kaiser Maximilian das Bergwerk am Falkenstein bei Schwatz selbst befahren, und den Erbstollen eingesetzt, auch die Grube bey St. Sigmund am Fürstenbau genannt, aufschlagen laßen.“ Nach seiner Ernennung zum Erzherzog von Tirol sei er umgehend nach Schwaz geeilt, „wo die Gewerken und Bergleute, an der Zahl 7400 im Gewehr, und unter fliegender Fahne ihn herrlich empfiengen, und etliche goldene Schüßeln voll neuer Münzen, und bey hundert pfund ungemünztes Silber ihm zum Geschenke darboten“. Der Silberbergbau stellte in einem scheinbar unerschöpflichen Umfang das so wichtige Münzmetall bereit; und er lieferte dem Herrscher mit Kupfer ein unverzichtbares Ausgangsmaterial für die Ausrüstung seiner Truppen. An der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert erzielte man im Bronzeguß, vor allem bei der Fertigung von Kanonen, große Fortschritte. Zum Ausgang von Maximilians Feldzügen trug eine moderne Artillerie nicht wenig bei. Der Bedarf an Kupfer für ihre Ausrüstung war enorm.

Eine Hochkonjunktur des Montanwesens zwischen ca.1450 und 1550 zählt zu den glücklichen äußeren Umständen, die den Aufstieg des Hauses Habsburg und speziell Maximilians I. erleichterten, vielleicht sogar erst möglich machten. Als ihm 1490 mit Tirol ein wichtiger Teil der habsburgischen Erblande zufiel, gelangte Maximilian damit auch in den Besitz der Region um Schwaz, die schon 1476 ein Chronist „die gemeine und unerschöpfliche Geldquelle ganz Oberdeutschlands“ genannt hatte. Bayerische Erbstreitigkeiten 1504/05 hatten zur Folge, daß Tirol weitere wichtige Montanreviere zugeschlagen wurden. Um 1510 waren in Nordtirol sieben Berggerichtsbezirke (Hall, Imst, Schwaz, Zillertal, Rattenberg und Kitzbühel) Zentren der Montanproduktion, in Südtirol acht. Bei unterschiedlicher Bedeutung im einzelnen machten sie die Grafschaft zum wichtigsten Zentrum der Montanproduktion in Europa; zwischen 1470 und 1530 bestritt allein der Distrikt um Schwaz 64–85 Prozent der mitteleuropäischen Silberproduktion; hinzu kamen etwa 40 Prozent der Kupfererzeugung.

Heute assoziiert man mit Bergbau gewöhnlich Kohle und Eisen. Vor dem Industriezeitalter stand jedoch die Gewinnung der Edelmetalle Gold und Silber im Zentrum, auch wenn das Eisen (etwa aus der Steiermark, der Oberpfalz und dem Siegerland) ebensowenig vergessen werden darf wie die Steinkohle (Lüttich, Aachen, Ruhrrevier, Erzgebirgsvorland).

In seinen Wurzeln vielerorts bis in die Bronzezeit zurück reichend, erlebte der Erzbergbau Tirols an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit seine wohl glänzendste Periode. Seine Anfänge gaben oft den Stoff für Legenden ab. Für Schwaz wird erzählt, die Magd Gertraud Kandlerin habe beim Viehhüten beobachtet, wie ein Stier mit den Hörnern einen Steinbrocken mit Silbererz freigelegt habe. Bald zog Schwaz Bergleute aus Ungarn, Böhmen, Meißen, Sachsen, Bayern, Schwaben, Thüringen und anderen Ländern an, wie 1439 der Abt des Klosters Georgenberg in Schwaz berichtete. Aus der Zeit um 1440 sind erste Nachrichten über Produktion und finanzielle Transaktionen der Bergbautreibenden überliefert. Der Grubenbesitz lag seinerzeit in der Hand örtlicher Teilhaber (Gewerken). Dem Landesfürsten mußten die Abgaben „Fron“ (eine Art Bergwerkssteuer) und „Wechsel“ (Abgabe auf das erzeugte Silber) entrichtet werden.

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1456 hatte Herzog Sigmund – wie so oft in Geldnöten – die Silberproduktion von Schwaz für ein Darlehen von 40000 Gulden an die Handelsgesellschaft Ludwig Meutting in Augsburg verpfändet. Damit wurde Augsburger Gesellschaften die Tür zu einer Beteiligung an Montanunternehmungen in Tirol geöffnet; vorläufig dominierten aber Gewerken aus der Region, Familien aus Schwaz, Innsbruck und Kufstein, zu denen sich bald Teilhaber aus Salzburg und Nürnberg gesellten. 1470 wurden von insgesamt 38 Gewerken des Falkensteins bei Schwaz rund 3437 Kilogramm Silber bei der landesherrlichen Münzverwaltung abgeliefert, sieben Jahre später schon etwa 8694 Kilogramm – von nur noch 30 Firmen. Als 1486 die Jahresproduktion an Silber mit rund 14800 Kilogramm ihren Höhepunkt erreichte, betrug die Zahl der einliefernden Gewerken nur noch 15. Sie waren allerdings keineswegs die einzigen Bergbautreibenden. Vielmehr handelte es sich um besonders finanzstarke Unternehmer, die nicht nur lukrative eigene Gruben bearbeiten ließen, sondern auch vielen kleinen und mittleren Bergbaubetrieben ihre Erze abkauften, um sie mit denen der eigenen Bergwerke zu verhütten. Nach 1486 pendelte der Ertrag an Silber aus dem Schwazer Falkenstein zwischen 11000 und 14000 Kilogramm jährlich, die Zahl der einliefernden Großgewerken lag bei acht bis zehn.

Schwaz war nicht der einzige Bereich mit ergiebigem Bergbau. Im Revier von Kitzbühel etwa wurden zwischen 1481 und 1509 an 264 verschiedenen Orten 1742 Gruben durch den Bergrichter verliehen, wobei das dortige Hauptprodukt Kupfer war. Bedeutenden Bergbau gab es auch im Südtiroler Revier Sterzing-Gossensass; zwischen 1481 und 1514 wurden an 244 Orten über 3100 Grubenbelehnungen erteilt.

Durch die Rückeroberung der verloren gegangenen österreichischen Gebiete nach dem Tod von König Matthias Corvinus von Ungarn sicherte sich Maximilian im Frieden von Preßburg 1491 auch bedeutende Bergbaureviere. Vor allem im (heute slowakischen) Schemnitzer und Kremnitzer Gebirge gab es seit Jahrhunderten einen ergiebigen Bergbau auf Silber und Gold, das für den Levantehandel der italienischen Städte hohe Bedeutung hatte. In Neusohl in Oberungarn mit seinen reichen Kupfervorkommen war seit 1475 einer der bedeutendsten Metallhändler tätig, Johannes Thurzo aus Krakau, ein Hüttenbesitzer mit Beziehungen zu den Metallhandels-Zentren Venedig und Nürnberg. Sein Kupferhandel nahm bald eine bedeutende Stellung ein. Eine von Thurzo zusammen mit Jacob Fugger 1494 gegründete Handelsgesellschaft erlangte ein Monopol im Handel mit ungarischem Kupfer…

Dr. Christoph Bartels

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