Siedlungsgeschichte einer altsyrischen Stadt 2000 Jahre Qatna - wissenschaft.de
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Siedlungsgeschichte einer altsyrischen Stadt

2000 Jahre Qatna

Die ersten Belege für eine Besiedlung Qatnas datieren in die Mitte des 3. Jahrtausends, die letzten in die Zeit um 720 v. Chr. Während dieses Zeitraums vollzog sich ein deutlicher Strukturwandel.

Um 2600 /2400 v. Chr. (Frühe Bronzezeit III) begann in Westsyrien eine erste urbane Entwicklung. Städte und Dörfer wurden neu- oder wiedergegründet. Sie lagen vor allem an den großen Verkehrswegen, die die Hafenanlagen an der Mittelmeer‧küste mit den Zentren am mittleren Euphrat bzw. die Zentren im Norden Syriens mit Mittelsyrien verbanden. In Verbindung mit dem Erscheinen der Amurriter erfolgte dann im 2. Jahrtausend eine radikale Umgestaltung der Städte: Sie wurden nun planmäßig im Karree angelegt und besaßen eine Oberstadt.

Die vom Autor geleiteten syrischen Grabungskampagnen konzentrierten sich auf 15 Abschnitte. Ihr Ziel war, die Phase der aramäischen Besiedlung freizulegen und die gesamte Chronologie für den Ort zu erarbeiten. Danach lassen sich die großen Linien der urbanen Entwicklung wie folgt zusammenfassen:

(1) Eine Sondierungsgrabung im nördlichen Teil des Thronsaals des Königspalasts belegt erste menschliche Siedlungen um 2600. Auf der darüberliegenden Schicht lassen sich Wohnhäuser aus der Frühen Bronzezeit IV B nachweisen. Die erste Besiedlung und die erste Phase städtischer Entwicklung lassen sich also in der Oberstadt lokalisieren. Es zeigte sich ferner, dass die Stadt – wie andere Gründungen am Rand der syrischen Steppe auch – kreisförmig angelegt war.

(2) Hinterlassenschaften aus der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends (Mittlere Bronzezeit) sind rar. Grabungen beim Nord- und beim Westtor zeigen, dass die Siedlung zu Beginn des 2. Jahrtausends – wohl als Folge des Zustroms von Amurriter-Stämmen – wiedergegründet wurde. Jetzt erhielt Qatna seine Form als Karree mit einer Fläche von ungefähr 100 Hektar. Eine zentrale Oberstadt, eine Unterstadt und ein Befestigungssystem mit vier Haupttoren prägten das Stadtbild. Weitere Grabungen unter anderem im Thronsaal ergaben eine Schichtenfolge, die von der Mittleren Bronzezeit I bis zur Späten Bronzezeit I reicht.

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Im Osten des Königspalasts lässt sich eine große Residenz während praktisch des gesamten 2. Jahrtausends nachweisen. Aus Texten aus Mari wissen wir, dass es sich um die Hauptstadt des amurritischen Königreichs Qatna handelte. Wir sind allerdings der Ansicht, dass aus dieser Zeit archäologisch erst wenig freigelegt ist.

(3) In der Späten Bronzezeit beobachten wir eine intensive Stadtentwicklung. Sie folgt einer Konzeption, die wir aus anderen Orten dieser Zeit kennen. Im wichtigsten Stadtgebiet war eine Reihe offizieller Gebäude rund um den Königspalast angesiedelt. Der Süd- und der Ostpalast waren Wohngebäude. In der Unterstadt, gegenüber dem Nordtor, stand ein Palast, in dem vielleicht ein hoher Würdenträger wohnte, der den Personen- und Warenverkehr durch das Tor zu kontrollieren hatte. Die Unterstadt war Wohngebäuden vorbehalten. Untersuchungen der Schichten zeigen eine gewaltsame Zerstörung um 1350: dem Zeitpunkt, als der Hethiter Schuppiluliuma Qatna eroberte. Eine erneute Besiedlung lässt sich unter anderem im Palastbereich nachweisen, doch wissen wir darüber kaum etwas. Keramikfunde erlauben es, ihr Ende um 1200 zu datieren.

(4) In die Eisenzeit II gehören Strukturen der aramäischen Stadt, die auf der Akropolis und in der Unterstadt freigelegt wurden. Am Westhang der Akropolis gegenüber dem Westtor etwa ein Palastkomplex, der aus einem Hauptgebäude und weiteren wichtigen Bauten besteht; ein großer freier Raum zwischen ihnen könnte der Kommunikation gedient haben. Ein Häuserblock am Fuß des Osthangs der Akropolis wird von einem sehr großen, gewerblich genutzten Gebäude beherrscht, das im Süden an die auf die Akropolis führende Straße grenzt. Es enthält eine Ölpresse sowie ein damit verbundenes Ladengeschäft. Die Existenz derartigen produzierenden Gewerbes zeigt, dass man in der aramäischen Stadt verschiedenen landwirtschaftlichen Tätigkeiten nachging, wobei die Produktion für den lokalen Verbrauch wie für den Export bestimmt war. Wie die Grabungen ergaben, handelte es sich um eine größere Ansiedlung. An mehreren Stellen zeigt sich, dass sie gewaltsam zerstört worden sein muss, teilweise durch Feuer – ein klares Indiz für den Durchzug des neuassyrischen Königs Sargon II., der die Region um 720 annektierte…

Dr. Michel al-Maqdissi (Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Marlene P. Hiller)

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