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Frühkeltische Zivilisation

An der Schwelle zur Hochkultur

Für Römer und Griechen waren die Kelten vor allem stolze Krieger. Die archäologischen Untersuchungen der vergangenen Jahre haben aber noch etwas ganz anderes gezeigt: Die Kelten waren die ersten Städtegründer nördlich der Alpen.

Unser Bild der Kelten ist maßgeblich geprägt durch die griechischen und römischen Schriftquellen der Jahrhunderte um Christi Geburt. Den Griechen und Römern galten sie als „Barbaren“, als rohe, ungebildete Völker mit einer unverständlichen Sprache. Rom sah in den Kelten (lateinisch celtae oder auch galli) vor allem eine martialische Bedrohung für sich und Italien. Diesem Bild liegt die von den Römern als traumatisch erlebte Tatsache zugrunde, dass ihre Stadt während der Antike nur ein einziges Mal nahezu vollständig erobert wurde: Im Jahr 387 v. Chr. unterlag das römische Heer in der Schlacht an der Allia den keltischen Senonen, die daraufhin die Stadt Rom einnahmen. Legendär ist die von T. Livius (59 v. Chr. – 17 n. Chr.) überlieferte Episode, wonach es den römischen Verteidigern, gewarnt vom Geschnatter der heiligen Gänse der Iuno, nur mit Not gelang, wenigstens das Kapitol gegen die siegreichen Angreifer zu halten. Beim anschließenden Abwiegen des Goldtributs, den die Römer zu zahlen hatten, soll der keltische Heerführer Brennus mit den höhnenden Worten „Vae victis“ (Wehe den Besiegten!) sein Schwert noch zusätzlich in die Waagschale geworfen haben.

Auch die Griechen lernten jene Menschen, die sie als keltoi bezeichneten, als streitbare und stolze Krieger kennen. Als Alexander der Große 335 eine keltische Gesandtschaft im Bereich der unteren Donau empfing und diese – in Erwartung, seinen eigenen Namen als Antwort zu hören – fragte, wovor sie sich am meisten fürchteten, antworteten diese, sie hätten vor nichts Angst, lediglich davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf falle.

Unabhängig davon, ob diese Erzählungen den historischen Tatsachen entsprechen, lassen die antiken Schriftquellen keine Zweifel daran, dass keltische Völker bzw. Gruppen seit dem frühen 4. Jahrhundert v. Chr. als kriegerische Eroberer im Süden und Südosten Europas vermehrt in Erscheinung traten und dort zu einer ernsthaften militärischen Bedrohung für die vermeintlich überlegenen „Hochkulturen“ der Etrusker, Römer und Griechen wurden. In Oberitalien, von den Römern auch als Gallia cisalpina (diesseits der Alpen gelegenes Gallien) bezeichnet, und im Picenum (Mittelitalien) siedelten sich keltische Völker spätestens seit etwa 400 v. Chr. dauerhaft an. Von den Römern konnten sie erst rund 200 Jahre später vertrieben bzw. ins römische Herrschaftsgebiet integriert werden. Andere keltische Stämme eroberten weite Teile des Karpatenbeckens und an der unteren Donau, von wo aus sie bis ins griechische Kernland vorstießen und 277 v. Chr. sogar nach Kleinasien übersetzten, wo sie sich in der Umgebung des heutigen Ankara als „Galater“ dauerhaft ansiedelten. Diese Expansionsphase im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. lässt sich auch archäologisch gut nachweisen und wird von der Forschung als „keltische Wanderung“ bezeichnet.

Aber woher kamen diese Völker? Wie lebten sie vor der Zeit der keltischen Wanderung? Handelte es sich tatsächlich um rohe, martialische Kriegerkulturen, oder zeichnen die griechischen und römischen Schriftquellen ein einseitiges Bild? Schriftquellen, die vor die Zeit der keltischen Wanderung zurückreichen und eine Antwort auf diese Fragen geben könnten, fehlen nahezu völlig. Immerhin erwähnt Hekataois von Milet gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr., dass nördlich der griechischen Kolonie Massalia (heute Marseille) keltoi lebten. Etwas präzisere Informationen vermittelt uns Herodot (um 484–425 v. Chr.), der schrieb, der Istros (griechisch für Donau) entspringe im Land der Kelten bei der polis (griechisch für Stadtstaat) Pyrene. Damit ist historisch überliefert, dass an der oberen Donau, also im heutigen Südwest- und Süddeutschland, im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. Menschen lebten, die von den Griechen als Kelten bezeichnet wurden. Archäologisch gehört die Heuneburg, wie der gesamte Raum zwischen Zentralfrankreich und Südwestdeutschland, im 6. und frühen 5. Jahrhundert v. Chr. der Hallstattkultur an, deren westlicher Zweig somit als „frühkeltisch“ bezeichnet werden darf…

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Dr. Dirk Krausse

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