Ziegelei Lage Arbeit in der Fremde - wissenschaft.de
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Ziegelei Lage

Arbeit in der Fremde

Im Ziegelei-Museum Lage kann man nicht nur selbst Ziegel herstellen, sondern erfährt auch alles über den harten Alltag der Ziegler, die zumeist als Wanderarbeiter ihren Lohn in der Fremde verdienen mußten.

Kaum zu glauben, daß ein so unscheinbarer Gegenstand wie der Ziegel (oder Backstein, wie er auch genannt wird) eine so interessante Geschichte haben kann! Verbreitet in zahlreichen Regionen und bereits in den frühen Kulturen wie Mesopotamien verwendet, gehört der Ziegel zu den universellsten Baustoffen. In Deutschland seit dem Mittelalter hergestellt, stieg die Nachfrage nach dem Ziegel im 19. und 20. Jahrhundert mit Städtewachstum und Industrialisierung gewaltig an.

Die Ziegelherstellung und die Lebensbedingungen der Ziegeleiarbeiter und ihrer Familien stehen im Mittelpunkt des im letzten Sommer als sechstes westfälisches Industriemuseum eröffneten Ziegeleimuseums in der Stadt Lage (Westfalen-Lippe). Kern des Museums ist die komplette, 1909 von den Unternehmern Gustav Beermann und Friedrich Bobe gegründeten Ziegelei, die bis 1979 existierte und deren Maschinen wieder funktionstüchtig gemacht wurden. Doch die Ziegelherstellung beginnt nicht bei den Maschinen.

Noch bis um 1900, als die Mechanisierung in anderen Gewerbezweigen schon voll eingesetzt hatte, wurden Ziegel im „Handstrichverfahren“ hergestellt. Die Aufbereitung des Grundstoffes Lehm, ein eisenhaltiges, aus Lehmgruben gewonnenes Gemisch aus Ton und Sand, ist außerordentlich mühsam. Am Streichtisch wurde der Lehm geformt, nach dem Trocknungsprozeß dann gebrannt, anfänglich in Feldbrandöfen, später in großen Ringöfen, die ein Vielfaches an Rohlingen aufnehmen konnten und vor allem eine gleichmäßige Qualität der Ziegel gewährleisteten. Auf dem Rundweg „Handstrichherstellung“ können die Besucher selbst einen Ziegel herstellen – ein besonders bei Kindern sehr beliebter Programmpunkt des Museumsbesuchs – und den Brand im Ringofen zu bestimmten Terminen miterleben.

Mit der Mechanisierung der Ziegelherstellung wurde die Arbeit zwar körperlich weniger anstrengend, dafür aber um so lauter. Davon kann sich jeder überzeugen, der den Rundweg „Maschinenziegelei“ absolviert: Ohrenbetäubender Lärm herrscht in den Produktionsräumen. Der Lehm wurde nun mit der Feldbahn zur Produktionsstätte gebracht, eine Ziegelpresse stellte den Rohling maschinell her. Mit der Mechanisierung wuchsen einerseits die Gefahr der Arbeitsunfälle, andererseits die Anforderungen an den Zieglerberuf; Spezialisierung und Fachausbildung setzten ein. All diese Aspekte thematisiert die Ausstellung im Hauptgebäude, die auch die Berufsorganisationen der Ziegler vorstellt. Diese und die kirchliche Fürsorge bemühten sich seit etwa dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts um die Verbesserung der schlechten Arbeitsbedingungen der Ziegelarbeiter…

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Westfälisches Industriemuseum Ziegelei Lage Sprikernheide 77 32791 Lage Tel.: 05232/94900 Fax: 05232/949038 Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr

Dr. Heike Talkenberger

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