Die Forschungsreisen des Freiherrn von Langsdorff Auf der „Hoffnung“ um die Welt - wissenschaft.de
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Die Forschungsreisen des Freiherrn von Langsdorff

Auf der „Hoffnung“ um die Welt

Mit dem Entschluss, an einer russischen Forschungsreise teilzunehmen, gab Georg Heinrich von Langsdorff seiner Karriere die entscheidende Wendung. Immer wieder lenkte er in der Folge die Aufmerksamkeit auf die Probleme der indigenen Bevölkerung in einer der „entferntesten Ecken der Welt“.

Im 18. Jahrhundert hatte der russische Staat zahlreiche Forschungsreisen und Expeditionen in den asiatischen Teilen des Reiches oder den Grenzgebieten zwischen Europa und Asien durchgeführt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte man daher auf ausgezeichnete Erfolge in der Erforschung von Natur, Geographie und der Kultur der indigenen Bevölkerung zurückblicken. Zudem waren viele Seereisen vor allem im Pazifik unternommen worden. Politisch galt es, trotz der napoleonischen Kriege und innenpolitischer Turbulenzen, nicht nur den Status unter den europäischen Mächten zu halten, sondern, den Beispielen der erfolgreichen Weltumsegelungen der Engländer und Franzosen folgend, als emporstrebende Seemacht gleichzuziehen und dabei zugleich neue Forschungsergebnisse vorzulegen.

Mit derartigen Weltumsegelungen setzten die russische Regierung, die Admiralität und die St. Petersburger Akademie der Wissenschaften die Praxis des 18. Jahrhunderts fort. Zu den damaligen Expeditionen und Forschungsreisen waren ausländische Gelehrte aus ganz Europa angeworben worden. Die erste Weltumsegelung unter russischer Flagge fand zwischen 1803 und 1806 unter der Leitung des Deutschbalten Adam Johann von Krusenstern statt. An dieser Expedition nahm ein weiterer deutscher Gelehrter teil, der Arzt und Naturforscher Georg Heinrich Freiherr von Langsdorff (1774–1852), den die Russen Grigori Iwanowitsch Langsdorf nennen.

Langsdorff stammte aus dem Nassauischen und brachte zusammen mit einer außergewöhnlichen wissenschaftlichen Neugier und Tüchtigkeit auch eine hervorragende humanistisch geprägte Ausbildung in Medizin und den Naturwissenschaften mit, die er während seines Stu-diums in Göttingen erworben hatte. Die Universität Göttingen war damals ein Zentrum der aufklärerischen Wissenschaft im deutschsprachigen Raum. Langsdorff gehörte zu den Studenten des bekannten Naturforschers, Anthropologen und Ethnologen Johann Friedrich Blumenbach. Dieser bemühte sich, seinen Schülern neben allem Fachwissen beizubringen, nicht nur akribisch Kultur, Sprache und Sitten eines Landes zu erforschen, sondern auch den Blickwinkel der Einheimischen zu berücksichtigen, ihre Mentalität, alltäglichen Schwierigkeiten und Freuden zu begreifen oder sogar mitzuerleben.

1803 wurde Langsdorff Korrespondierendes Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften. Zugleich erfuhr er von der Vorbereitung der Weltumsegelung unter Krusenstern. Er bewarb sich als Naturforscher, erhielt jedoch eine Absage, da die Expeditionsschiffe „Newa“ und „Nadeschda“ („Hoffnung“) den Kronstädter Hafen bereits verlassen hatten. Dies hinderte ihn nicht, sofort nach Kopenhagen aufzubrechen, wo er die Expedition gerade noch einholte. Zuerst wandte sich Langsdorff an den Diplomaten N. P. Resanow, der zusammen mit Krusenstern auf der „Nadeschda“ fuhr und den Auftrag hatte, bei der Rückführung japanischer Schiffbrüchiger Handelsbeziehungen zwischen dem Russischen Reich und Japan anzubahnen. Wie Resanow in seinem Reisetagebuch vermerkte, blieb ihnen aufgrund von Langsdorffs wissenschaftlichem Eifer, seiner überzeugenden, aber höflichen Art sowie seiner Mitgliedschaft in der St. Petersburger Akademie gar keine andere Wahl, als ihn mitzunehmen, obwohl sich bereits Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau als Naturforscher an Bord befand…

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Literatur: Georg Heinrich Freiherr von Langsdorff, Bemerkungen auf einer Reise um die Welt in den Jahren 1803–1807. 2 Bände. Frankfurt am Main 1812, stark gekürzte Ausgabe Leipzig 1951.

Diana Ordubadi/Prof. Dr. Dittmar Dahlmann

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