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Heinrich II. und die Kirche seiner Zeit

Bruder der Bischöfe, Vater der Mönche

Das Mönchtum schätzte er mehr als jede andere Lebensform, als frommer Kaiser ist Heinrich II. in die Geschichte eingegangen. Doch bei aller persönlichen Religiosität, war die Reichskirche auch Mittel zum Zweck: der Sicherung und dem Ausbau der eigenen Macht.

Er sei „bei Lebzeiten der beste Trost der heiligen Kirche gewesen und ewig zu betrauern“. Mit diesen ehrenvollen Worten wurde in den Quedlinburger Annalen des am 13. Juli 1024 verstorbenen Kaiser Heinrichs II. gedacht. Vielfältig war das Echo der zeitgenössischen Geschichtsschreibung auf den Tod dieses Herrschers. Wipo und Hermann von Reichenau, zwei Autoren der frühen Salierzeit, rühmten ihn als frommen Stifter des Bistums Bamberg, „das er errichtet und als Erben all seiner Güter und Schätze hinterlassen“ habe. Der Chronist des oberitalienischen Klosters Novalese erinnerte daran, Heinrich sei zeitlebens nicht nur mit dem Adel, sondern auch den Bischöfen und Äbten hart ins Gericht gegangen und habe diese wieder auf den rechten Weg zurückgeführt.

Grundtenor all dieser Nachrufe ist die Würdigung von Heinrichs großer Gottesfürchtigkeit und seines rastlosen Einsatzes für Kirche und Religion. Diese erscheinen geradezu als charakteristische Muster zum Verständnis seines Königtums. Hat Heinrich II. somit als besonders frommer und kirchennaher Herrscher zu gelten? Worauf gründeten sich die zeitgenössischen Vorstellungen? Welche Bedeutung kam der Kirche für seine Königsherrschaft und das Ordnungsgefüge des Reiches zu? Eine erste Antwort darauf liefern uns Heinrichs Kindheit und Erziehung.

Die reformreligiöse Haltung seines Vaters, Herzog Heinrichs „des Zänkers“ von Bayern, der enge Kontakte zu führenden Kirchenmännern pflegte, prägte Heinrich nachdrücklich. Seinen Sohn vertraute „der Zänker“ zunächst Bischof Abraham von Freising, dann Bischof Wolfgang von Regensburg zur Erziehung an, die ihre Mit-Bischöfe auf je eigene Weise überragten: Abraham als Organisator seiner Diözese und Seelsorger unter den Slawen, Wolfgang als Erneuerer religiöser Disziplin und Lebensordnung. Durch seinen Vater lernte Heinrich auch das erneuerte, der vorbildlichen Lebensweise von Einsiedeln und St. Maximin bei Trier verpflichtete Mönchtum kennen und schätzen. Weitere wichtige religiöse und wissenschaftliche Erfahrungen sammelte Heinrich in Hildesheim. 977 hatte Kaiser Otto II. – zur Ausschaltung künftiger Thronansprüche seiner bayerischen Verwandten – angeordnet, daß der vierjährige Sohn „des Zänkers“ der angesehenen Hildesheimer Domschule zur Ausbildung für die geistliche Laufbahn übergeben wurde.

Wie nachhaltig diese in Freising, Hildesheim und Regensburg erfahrenen Eindrücke und Einflüsse auf Heinrichs Verhältnis zu Religion und Kirche einwirkten, zeigt sich bereits in seiner Herrschaft als Herzog von Bayern. Das hier ab 995 vielfach erprobte Modell einer engen Aktionsgemeinschaft mit den Bischöfen und Äbten übertrug Heinrich seit 1002 auf die Königsebene – zur Einbindung der Reichskirche in seine Herrschaft.

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Seinen Zugriff auf diese legitimierte erst die von Erzbischof Willigis von Mainz im Juni 1002 vollzogene Herrscherweihe. Sie begründete die Sakralität der königlichen Autorität und verlieh dem Herrscher eine daraus abgeleitete umfassende Hoheitsgewalt über die 45 bischöflichen und 52 klösterlichen, in unmittelbarem Besitz von König und Reich stehenden Kirchen. Diese bildeten den Verband der Reichskirche. Die den Königen seit der Karolingerzeit eignende Kirchenhoheit war – herrschaftlich gesehen – keineswegs eine Einbahnstraße. Faktisch auf Gegenseitigkeit angelegt, wies sie beiden Seiten, König und Reichskirche, unterschiedliche Funktionen und Rechte zu.

Die Bestellung der Vorsteher der Reichskirchen zählte seit jeher zu den elementarsten, von den Herrschern stets beanspruchten Vorrechten. Auch Heinrich II. forderte diese Recht nachdrücklich ein, galt es doch wichtige Positionen mit loyalen Parteigängern aus Bayern und dem Reich zu besetzen. Bei insgesamt 55 Bischofserhebungen in seiner Regierungszeit läßt sich immerhin in 31 Fällen eine königliche Einflußnahme nachweisen. Als 1023 gleich mehrere Bischofssitze vakant wurden, kamen – so berichten die Quedlinburger Annalen – „die ihrer Bischöfe beraubten Scharen haufenweise… zu ihm, jede durch den Tod ihres Hirten im Herzen verwundet. Alle warteten in ängstlichen Zweifeln und Sorgen gespannt, wessen Fürsorge sie durch das Gebot des Kaisers zur Leitung anvertraut würden“…

Dr. Hubertus Seibert

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