Auf den Spuren der Wikinger Burgen, Schiffe und mehr - wissenschaft.de
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Auf den Spuren der Wikinger

Burgen, Schiffe und mehr

Wer sich über die Wikinger „vor Ort“ informieren möchte, hat dazu in ganz Nordeuropa reichlich Gelegenheit. Der folgende Beitrag gibt dazu einige Tips.

Der erste Ort der Spurensuche liegt noch in Deutschland: das Wikinger Museum Haithabu in Haddeby bei Schleswig (siehe DAMALS 4/2001). Im frühen Mittelalter befand sich hier ein bedeutender Handelsplatz mit rund 1000 Einwohnern. Bis heute wird der Ort von einem mächtigen Halbkreiswall umschlossen. In dem auch architektonisch reizvoll gestalteten Museum sind Funde aus über 1500 untersuchten Gräbern zu sehen. Dazu kommen Rekonstruktionen und Modelle, die das Leben in dieser Wikingersiedlung anschaulich machen. Auch im einstigen Hafenbecken wurden die Archäologen fündig: Dort wurde ein Langschiff ausgegraben, das seit seiner aufwendigen Restaurierung im Museum zu sehen ist.

Wikinger Museum Haithabu Haddeby bei Schleswig Telefon 04621/813222 Fax 04621/35343 http://www.schloss-gottorf.de

Rund 60 Kilometer nordwestlich von Flensburg in Westjütland befindet sich „Dänemarks älteste Stadt“ Ribe, die auch wegen ihres schönen mittelalterlichen Stadtkerns mit zahlreichen Fachwerkhäusern und dem das Stadtbild prägenden Dom den Besuch lohnt. In der Wikingerzeit war Ribe ein bedeutender Handelsplatz. Im Museum for Vikingetid sind zahlreiche Fundstücke aus dieser Zeit, didaktisch ansprechend aufbereitet, zu sehen. Besonders anschaulich ist die Rekonstruktion eines Markttages im Ribe des Jahres 800: Gerade hat ein Schiff angelegt. Es ist mit Waren aus dem Norden beladen, mit Pelzen, Eisenäxten und Schleifsteinen.

Museum for Vikingetid Odins Plads 1 6760 Ribe http://www.ribetourist.dk

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Zwei Kilometer südlich von Ribe befindet sich das Ribe Vikingecenter. Hier wurde eine ganze Straße aus der Wikingerzeit nicht nur wiederaufgebaut, sondern auch mit Leben erfüllt. Über 200 Menschen arbeiten im Sommer hier – vor den neugierigen Augen der Besucher: Töpfer und Schmiede, Bernsteinschleifer und Korbflechter, Schneider und Gerber… Einblicke gibt es darüber hinaus in einen „typischen Wikingerhaushalt“ und in das Langhaus eines Gutshofs aus dem Jahr 980. Und natürlich gibt es auch hier „echte“ Bauern und Tiere aus der Wikingerzeit zu sehen.

Ribe Vikingecenter Lustrupvej 4 6760 Ribe http://www.ribetourist.dk

In die Anfänge der dänischen Geschichte führen zwei wikingerzeitliche Grabhügel neben der Kirche von Jelling in Ostjütland. Auch dieser Ort ist von Flensburg aus noch gut im Rahmen eines Tagesausflugs zu erreichen; er liegt ganz in der Nähe eines der Hauptziele des Tourismus in Dänemark: Legoland. Zumindest historisch läuft die kleine Dorfkirche dem Besuchermagneten leicht den Rang ab. Dies vor allem wegen der beiden Runensteine, die hier zu sehen sind. Der größere der beiden Steine wurde von Harald Blauzahn zum Gedenken an seine Eltern aufgestellt, vor allem aber rühmte sich der König darauf selbst: Er habe ganz Dänemark und Norwegen unterworfen und die Dänen für den christlichen Glauben gewonnen. Auf einer Seite des Steins ist denn auch Christus als Weltenherrscher dargestellt. Die Grabhügel waren ursprünglich für die Eltern Haralds errichtet worden.

Turistinformation Banegårdspladsen 6 7100 Vejle http://www.visitvejle.com/

Jelling Turistinformation c/o „Kongernes Jelling“ Gormsgade 23 7300 Jelling http://www.jelling.dk

Eine der für die Wikinger typischen Rundburgen gibt es in Fyrkat – auf halbem Weg zwischen den Großstädten Arhus und Aalborg am Mariager Fjord – zu sehen. Die Anlage aus dem 10. Jahrhundert ist von einem vier Meter hohen und acht Meter breiten Erdwall umgeben. Die Grundrisse der hölzernen Langhäuser, die sich einst innerhalb der Burg befanden, sind im Gras noch gut zu erkennen. Außerhalb der ursprünglichen Anlage wurde ein Wikingerhaus rekonstruiert.

Vikingecenter Fyrkat Fyrkatvej 37b 9500 Hobro http://www.vikingecenter-fyrkat.dk

Von Jütland geht die Reise auf den Spuren der Wikinger weiter über Fünen nach Seeland (mit der Hauptstadt Kopenhagen). Hat man die rund 13 Kilometer lange Brücke über den Großen Belt überquert, die Fünen und Seeland miteinander verbindet, ist es nur noch eine kurze Wegstrecke bis Trelleborg. Auch hier sind die Überrreste einer großen Rundburg zu sehen. Die streng geometrisch ausgerichtete Anlage wurde um 980 von König Harald Blauzahn angelegt. Der Ringwall hat einen Durchmesser von 128 Metern. Das angeschlossene Museum präsentiert die bei der Ausgrabung geborgenen Funde und informiert über Geschichte und Funktion der Festung. Wie in Fyrkat ist von den urprünglichen hölzernen Bauten nichts erhalten, doch wurde ebenfalls außerhalb der Anlage ein Langhaus rekonstruiert, wie es in der Burg selbst gestanden haben könnte.

Museet ved Trelleborg Trelleborg Allé 4, Hejninge 4200 Slagelse http://www.vikingeborg.dk

Bei Skuldelev im Roskildefjord wurden 1962 fünf Schiffe aus der Wikingerzeit geborgen. Heute sind diese Schiffe (zwei Kriegsschiffe, ein Handelsschiff und ein Fischerboot) im Vikingeskibsmuseet in Roskilde (Seeland) zu sehen. Die Stadt ist von Kopenhagen aus in einer halben Stunde über die Autobahn zu erreichen. In dem Museum wird die Geschichte der Bergung und Restaurierung der Schiffe anhand von Modellen und Fotografien erzählt. Darüber hinaus können die Besucher den Archäologen bei der Rekonstruktion eines 30 Meter langen Kriegsschiffes zuschauen. Im Sommer werden Fahrten mit einem nachgebauten Wikingerschiff angeboten. Wer in Roskilde ist, sollte aber nicht versäumen, auch den gewaltigen Dom zu besuchen, die Grablege der dänischen Könige.

Vikingeskibsmuseet Vindeboder 12 4000 Roskilde http://www.vikingeskibsmuseet.dk

Von Dänemark nach Schweden, genauer auf die Insel Björkö (=Birkeninsel) im Mälarsee, zu der man von Stockholm aus mit dem Schiff fahren kann. In einer geschützten Bucht wurde hier im 9. Jahrhundert das wikingische Handelszentrum Birka gegründet. Bei Ausgrabungen wurden allein über 60000 Münzen aus dem arabischen Raum gefunden! Diese und viele andere Funde gibt es im Museum von Birka zu sehen. Auf archäologischen Ausgrabungen basierende Modelle von Stadt und Hafen lassen darüber hinaus den Alltag der Wikinger lebendig werden. Alljährlich kommen Sonderausstellungen zu Einzelaspekten hinzu. Noch immer wird in Birka ausgegraben. So kam 2001 beispielsweise eine Gießerei zutage. Um die Siedlung, die im Osten noch von einem 450 Meter langen Wall umgeben ist, gruppieren sich 2500 Grabhügel. Nichts erhalten hat sich dagegen von den hölzernen Bauten der Stadt selbst.

Birkamuseet c/o Riksantikvarieämbetet Box 5405 11484 Stockholm http://www.raa.se/birka/

Eines der bedeutendsten heidnischen Kultzentren der Wikingerzeit war Gamla Uppsala, wenige Kilometer vor den Toren des heutigen Uppsala gelegen. Noch im 11. Jahrhundert, als weite Teile Skandinaviens bereits christianisiert waren, wurde hier Odin, Freya und Thor geopfert. Gamla Uppsala war die Hauptstadt des Svea-Reiches, von dem Schweden seinen Namen hat. Statt eines heidnischen Tempels dominiert in Gamla Uppsala heute jedoch der um 1130 erbaute Dom, die diesen umgebenden Königsgrabhügel stammen aus dem 5. und 6. Jahrhundert. Auch ein Thinghügel hat sich erhalten. Wer in Gamla Uppsala ist, sollte dem heutigen Uppsala ebenfalls einen Besuch abstatten. Auch hier finden sich Wikingerspuren: An der Südseite des gewaltigen Doms wurden einige sehr schöne Runensteine aufgestellt. In der Universitätsbibliothek werden neben zahlreichen anderen Schätzen die berühmte Wulfilabibel aus dem 6. Jahrhundert und die Uppsala-Edda, eine isländische Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, aufbewahrt.

Gamla Uppsala Historiskt Centrum Disavägen 75440 Uppsala http://www.raa.se/gamlauppsala/ http://res.till.uppland.nu/turist/

Bygdøy ist die Museumsinsel der norwegischen Hauptstadt Oslo. Im Vikingskipshuset gibt es die beiden wohl berühmtesten Schiffsfunde aus der Wikingerzeit zu sehen: das Oseberg- und das Gokstad-Schiff (siehe Seite 14), die sich beide vollständig erhalten haben und nun perfekt restauriert scheinbar darauf warten, sofort wieder zu Wasser gelassen zu werden. Das im Museum ebenfalls ausgestellte Tune-Schiff hat sich im Original zwar nicht komplett erhalten, zeugt aber ebenfalls von der großen Schiffsbaukunst der Wikinger. Darüber sind in dem Musem Funde aus dem Häuptlingsgrab von Borre zu sehen.

Vikingskipshuset Huk Aveny 35 0287 Oslo Norwegen http://www.ukm.uio.no/vikingskipshuset

In schöner Umgebung, zwischen Stavanger und Bergen, liegt die kleine Stadt Haugesund. Etwas außerhalb des Zentrums stößt der Besucher auf einen zentralen Ort der Landesgeschichte, den Haraldshügel (norwegisch Haraldshaugen). Darin ist König Harald Schönhaar beigesetzt, der Norwegen unter seiner Herrschaft vereint hat. 1872 wurde die Grabstätte zu einem Nationaldenkmal umgestaltet. Seither wird der Haraldshügel von einem 36 Meter hohen Obelisken überragt, der die wiedergewonnene nationale Einheit und Unabhängigkeit symbolisieren soll.

Haugesund Turistinformasjon Kaigaten 1 5527 Haugesund http://www.haugesund.kommune.no/

Um 860 kamen die ersten Wikinger aus Norwegen und Schweden nach Island. Es folgten wikingische Siedler vor allem aus Norwegen und den britischen Inseln. Die zentrale Thingstätte (Allthing) der Isländer war der Thingvellir im Südwesten der Insel, ein insgesamt über 50 Quadratkilometer großes Areal, das seit 1928 Nationalpark ist. Hier beschlossen die Isländer im Jahr 1000 die Annahme des Christentums, hier unterwarfen sie sich 1262 bis 1264 der Herrschaft des norwegischen Königs. Die einzelnen Bereiche der Thingstätte sind ausgewiesen, in der Kirche von Thingvöllr hängt noch heute die Glocke, die König Olaf von Norwegen den Isländern 1018 geschenkt hat.

Thingvellir National Park 801 Selfoss http://www.thingvellir.is/

Uwe A. Oster

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