Benediktinische Klosterkultur im Barock Damit in allem Gott verherrlicht werde - wissenschaft.de
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Benediktinische Klosterkultur im Barock

Damit in allem Gott verherrlicht werde

In den Benediktinerklöstern des Barock erlebten Kultur und Wissenschaft eine einzigartige Blüte. Zahlreiche Klosterbauten künden bis heute von dieser Glanzzeit, die durch die Säkularisation ein jähes Ende fand.

Der Vers aus der Ordensregel des heiligen Benedikt bringt das Lebensgefühl und den Anspruch barocker Benediktiner auf den Punkt: Ut in omnibus glorificetur Deus („Damit in allem Gott verherrlicht werde“). Noch heute zieren diese lateinischen Worte das Chorgewölbe der Stiftskirche zu den Schotten in Wien. Die Benediktinerabtei gründete der Babenbergerherzog Heinrich II. Jasomirgott um 1155 und holte zur Besiedlung iro-schottische Mönche aus dem Kloster St. Jakob in Regensburg. Bereits sehr früh, schon in der Mitte der 30er Jahre des 17. Jahrhunderts, begannen die barocken Um- und Neubauarbeiten von Kirche und Kloster. Allgemein lässt sich seit dem Sieg der Katholischen Liga in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag 1620 ein „klösterlicher Bauboom“ in den habsburgischen Erblanden feststellen, der auch zur Zeit der Schwedeneinfälle kaum stagnierte und sich nach dem Entsatz von Wien bei der Türkenbelagerung 1683 noch steigerte. Während die Klostergebäude der Wiener Schottenabtei nur Adaptierungen und Modernisierungen erfuhren, wurde die Stiftskirche gänzlich neu errichtet, 1648 wurde der Bau geweiht. Die Innengestaltung oblag dem aus dem Kloster Brauweiler bei Köln kommenden Abt Petrus Heister. Das von ihm verantwortete Gesamtprogramm der Kirchenausstattung lässt sich heute nur schwer rekonstruieren, da nahezu alle stuckumrahmten Deckenfresken bei der Neugestaltung im 19. Jahrhundert verlorengingen und bloß die Seitenaltarblätter vor Ort erhalten blieben.

Das theologische Bildkonzept für die noch tradierten Szenen aus dem Neuen Testament, aus der Ordens- und aus der Gründungsgeschichte des Klosters geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Universalgelehrten Gabriel Bucelinus, Benediktiner im oberschwäbischen Weingarten, zurück. Eines der Seitenaltarbilder zeigt den heiligen Benedikt als Patriarchen des abendländischen Mönchtums. Ihn umgeben Vertreter jener Orden, die nach seiner Regel leben: Links empfängt ein Benediktiner in schwarzer Kukulle (einem Überwurf mit Kapuze) das Regelwerk von seinem Ordensvater, hinter ihm der heilige Bernhard von Clairvaux und ein weiterer Zisterzienser in weißem Habit. Benedikts Schwester, die heilige Scholastika, blickt, fast gänzlich verdeckt, als Exponentin der Frauenorden hervor. Rechts kniet ein Mitglied des Ritterordens von Calatrava.

Bereits in der Regel des heiligen Benedikt wurde die Autonomie der einzelnen Klöster festgeschrieben. Die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545–1563) akzeptierend, schlossen sich die meisten Abteien zu losen, oftmals den Bistumsgrenzen folgenden Kongregationsverbänden zusammen, um gemeinsame Interessen besser vertreten zu können. Alle Versuche zur Gründung einer übergreifenden Benediktinerkongregation im deutschsprachigen Raum scheiterten jedoch. Zahlreiche deutsche Benediktinerabteien genossen als Reichsklöster den Sonderstatus der Reichsunmittelbarkeit, woraus sich eine Reihe von Privilegien und Freiheiten ergab: Die Fürstäbte waren im Reichstag vertreten. In zwei Kollegien – der rheinischen und der schwäbischen Prälatenbank – konnten sie mit ihrer Stimme die Reichspolitik mitgestalten.

Besonders österreichische Abteien waren stolz auf das seit dem Mittelalter vom päpstlichen Stuhl verliehene Recht der Exemtion (Herausnahme aus der Gerichtsbarkeit der zunächst zuständigen kirchlichen Amtsträger), was die theoretische Unabhängigkeit vom Diözesanbischof bedeutete und die Altehrwürdigkeit der Klosterstiftung unterstrich. Die Abteien waren landständig und nur den österreichischen Erzherzögen rechtlich verantwortlich. Der Landesherr war in Personalunion Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Immer wieder saßen Benediktineräbte als Vertreter des Prälatenstands im Landtag.

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Die ordensspezifische Unabhängigkeit, das religiöse Selbstbewusstsein, politische Standesrepräsentation und wirtschaftliche Leistungskraft wurden durch ambitionierte Neubauprojekte und deren Ausstattung mit benediktinischen, lokalhistorischen, mariani‧schen, hagiographischen (Heiligenviten illustrierenden) oder endzeitlichen Themen nach außen hin sichtbar gemacht. Angestrebt wurde fast immer eine gleichmäßig-symmetrische Klosteranlage in der Art einer Herrschaftsresidenz mit festlichem Marmor- oder Kaisersaal, Bibliothek, Stallungen und Wirtschaftsgebäuden sowie Gartenparterre um die Konventkirche im Zentrum. Diese Idealvorstellung ging auf das formale Schema des spani‧schen Escorial zurück, doch konnten nur sehr wenig Benediktinerkonvente die hochgesteckten Bauvorhaben vollständig umsetzen. Ausschlaggebend waren die Initiative und Durchsetzungskraft der verantwortlichen Äbte, aber auch das über Jahre geforderte Durchhaltevermögen der betroffenen Gemeinschaften im Tragen der Baulast…

Literatur: Germania Benedictina 2 (Bayern). Bearbeitet von Josef Hemmerle. Augsburg 1970.

Germania Benedictina 3. Bände 1–3 (Österreich und Südtirol). Bearbeitet von Ulrich Faust und Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2000  – 2002.

Roberto Cassanelli/Eduardo López-Tello García (Hrsg.), Benediktinische Kunst. Kultur und Geschichte eines europäischen Erbes. Regensburg 2007.

Hellmut Lorenz (Hrsg.), Geschichte der bildenden Kunst in Österreich 4: Barock. München 1999.

Frank Büttner u. a. (Hrsg.), Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland 5: Barock und Rokoko. München 2008.

Klösterreich – Bibliotheken öffnen ihre Pforten Stifte und Klöster zählen seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Kulturträgern Österreichs. Der Plattform „Klösterreich“ gehören mittlerweile 20 Klöster und Stifte an. Durch gemeinsame Werbung und vielfältige Aktionen wollen sie auf ihre Angebote aufmerksam machen.

Im Jahr 2009 öffnen die Klösterreich-Klöster ihre Bibliotheken und zeigen in Sonderausstellungen wertvolle Kodizes, Handschriften und Inkunabeln. Die Bibliotheken in den Klöstern waren einst die ersten Schreibschulen, in denen großartige Handschriften entstanden. Dort wurden sie jahrhundertelang genutzt, aber auch bewahrt.

Viele der Bibliotheken erstrahlen in barocker Pracht. In den Klosterbibliotheken des Mittelalters wurde der Grundstock der vernetzten Welt gebildet. Bei Bibliotheksführungen können die Besucher in die Welt des überlieferten Wissens eintauchen. Aber auch zahlreiche musikalische Veranstaltungen werden in den Bibliotheken stattfinden.

Detaillierte Informationen finden sich in der Broschüre „Klösterreich liest. Offene Klosterbibliotheken“, die kostenlos erhältlich ist bei:

Klösterreich c/o ITA, Hermann Paschinger Prof. Kaserer Weg 333, 3491 Straß (A) Tel. +43 / (0) 27 35 / 55 35 - 0, Fax -14 E-Mail: info@kloesterreich.at, Internet:

http://www.kloesterreich.at

Mag. Michael Grünwald

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