Elisabeth Förster-Nietzsche Den Bruder neu erfunden - wissenschaft.de
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Elisabeth Förster-Nietzsche

Den Bruder neu erfunden

Elisabeth Förster-Nietzsche (1846 –1935), die jüngere Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, war seine Nachlassverwalterin. Gezielt prägte und steuerte sie den Kult um ihren Bruder und sein Werk. Sie sorgte dafür, dass er als zentraler Denker des „Dritten Reichs“ angesehen wurde.

Man ist in der Welt Hammer oder Amboß, nun gut, ich bedanke mich für den Amboß, ich will lieber Hammer sein.“ Das sind ungewöhnliche Worte für eine Frau im 19. Jahrhundert. Mit ihnen sprach sich Elisabeth Förster im April 1890 selbst Mut zu, als sie nach dem Tod ihres Mannes Bernhard Förster vor den Trümmern des Kolonieprojekts „Nueva Germania“ in Paraguay stand. Mit fadenscheinigen Versprechungen hatten beide sächsische Auswanderer in eine abgelegene Region des südamerikanischen Landes gelockt, ohne den dortigen Landbesitz, der den Siedlern in Aussicht gestellt worden war, garantieren zu können. Angesichts dieser Lage passte es gut, dass ihr Bruder Friedrich Nietzsche (1844 –1900) Hilfe brauchte. Der Philosoph war in Turin zusammengebrochen und lag in einer Nervenheilanstalt. Nach dem Scheitern letzter Rettungsversuche in Südamerika ergriff sie die Gelegenheit, verkaufte ihr Anwesen und schiffte sich nach Deutschland ein.

Wer über Elisabeth Förster-Nietzsche schreiben will, braucht ein dickes Fell. In der akademischen Welt gilt es als sicher, dass die Beschäftigung mit ihr nicht lohnt. Ihre Betrügereien seien sattsam bekannt, und intellektuell sei bei ihr nichts zu holen. Dem widerspricht allerdings ihre zeitgenössische Berühmtheit: Nietzsches Schwester schlug zahllose Intellektuelle in den Bann und wurde viermal für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Ihr Nachlass ist umfangreicher als der Goethes und spiegelt das einstige Renommee. Unter den mehr als 1000 Korrespondenzpartnern sind Abenteurer wie der Asien-Forscher Sven Hedin oder Graf Zeppelin ebenso zu finden wie mächtige Politiker, bekannte Künstler und Gelehrte. In den 1920er Jahren wurde sie als „erste Frau Europas“ bewundert. Während der Weimarer Republik erhielt sie in Anerkennung ihres Lebenswerks eine stattliche Pension…


Autor: Prof. Dr. Ulrich Sieg

Den vollständigen Artikel lesen Sie in DAMALS 08/2020

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