Das Selbsttötungsritual "seppuku" Der ehrenhafte Tod - wissenschaft.de
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Das Selbsttötungsritual "seppuku"

Der ehrenhafte Tod

Nach verlorener Schlacht, als Eingeständnis eines Fehlers oder auch als privilegierte Form der Hinrichtung: Die Selbsttötung ist ein wesentlicher Bestandteil der Samurai-Tradition in Japan.

„Ich habe herausgefunden: bushido, der Weg des Kriegers, liegt im Sterben“, schrieb Yamamoto Tsunetomo (1659–1719) in seinem 1716 veröffentlichten Buch „Versteckt hinter Blättern“, mit dem er eine in der Edo-Zeit (1600/1603–1867) in dieser Form schon nicht mehr existente Kriegerethik wiederzubeleben versuchte. Zentraler Gesichtspunkt dieser Ethik war die ständige Bereitschaft des Kriegers zur Selbsttötung. Während in Japan hierfür der Terminus seppuku gebräuchlicher ist, hat sich in Europa die eher vulgäre Vokabel harakiri durchgesetzt.

Das Phänomen des Kriegersuizids ist ungeachtet einiger früherer Einzelfälle vor allem seit dem 12. Jahrhundert mit dem Aufstieg des Krieger-adels in den Kämpfen verbunden, die der Machtübernahme durch Minamoto no Yoritomo (1147–1199) und seiner Militärregierung in Kamakura vorausgingen. Krieger, die in einer Entscheidungsschlacht unterlagen, wählten den Freitod, um nicht in die Hände ihrer Feinde zu fallen und um zugleich die Verantwortung für die Niederlage zu übernehmen. Das Selbsttötungsritual des seppuku wurde einzeln oder in Gruppen ausgeführt. Als ein erschreckendes Beispiel für diese Form der Massenselbsttötung gilt der Suizid des Gouverneurs von Kyoto, Hojo Nakatoki (1306–1333), der sich mit 432 Vasallen das Leben nahm, als sich die Niederlage seiner Familie im Kampf um die Macht am Ende der Kamakura-Zeit abzeichnete.

Innerhalb der verschiedenen Erscheinungsformen des seppuku in der japanischen Geschichte ist zunächst zwischen der freiwilligen Selbsttötung und, vor allem für die Edo-Zeit, des Suizids als privilegierter Todesstrafe zu unterscheiden. Motive der Freiwilligkeit lagen in der bereits erwähnten Anerkennung einer militärischen Niederlage, der Sühne für einen Fehler, der Selbstopferung zum Wohl einer Gruppe, in der individuellen Loyalitätsverpflichtung, der Wahrung des eigenen Standpunkts, der finanziellen Absicherung der Familie sowie, als besonders ehrenhafte Form, im Totengeleit. Als Todesstrafe fand der Suizid Anwendung, wenn ein Samurai beim Erreichen wichtiger Ziele versagte, ferner bei der moralischen oder juristischen Übertragung von Verantwortung sowie als Strafe für ein Verbrechen…

Dr. Maik Hendrik Sprotte

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