James Cook - ein Porträt Der Entdecker der Weltmeere - wissenschaft.de
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James Cook - ein Porträt

Der Entdecker der Weltmeere

Der Ruhm James Cooks als Entdeckerpersönlichkeit ersten Ranges ist bis heute lebendig geblieben. Mit ihm verschwand der sagenumwobene imaginäre Südkontinent von den Landkarten und bestätigte sich die Existenz einer Meeresstraße zwischen Asien und Amerika.

Seine Beschreibung der australischen Ostküste wurde Ausgangspunkt der britischen Besiedlung des Kontinents.James Cook war wütend: Bei seinem zweiten Aufenthalt auf Hawaii war ihm ein großes Beiboot seines Begleitschiffs „Discovery“ gestohlen worden. Es war der 14. Februar 1779. Um die Rückgabe des Bootes zu erreichen, wollte Cook den örtlichen Häuptling als Geisel an Bord seines Schiffes „Resolution“ nehmen. In Begleitung einer bewaffneten kleinen Abteilung begab er sich zum Dorf. Der Häuptling war auch dazu bereit, mit an Bord zu gehen, doch hatte sich inzwischen am Strand eine größere Menschenmenge versammelt, die ihn von seinem Vorhaben abhalten wollte. Ein Mann stellte sich Cook entgegen und bedrohte ihn mit einem Dolch. Daraufhin schoß Cook eine Schrotladung ab, die aber keine Wirkung zeigte. Es kam zu einem Handgemenge, und Cook wurde nach einem Keulenschlag auf den Kopf durch Dolchstöße getötet.

Mit dem Kapitän blieben vier Matrosen tot am Strand. An einem Folgeabend näherte sich ein Auslegerkanu den Schiffen, und ein Hawaiianer schwenkte Cooks Dreispitz. Er brachte ein in ein Tuch gewickeltes Stück Fleisch und berichtete, daß Cooks Körper unter den Siegern des Gemetzels am Strand der Bucht Kealakekua aufgeteilt und verspeist worden sei, um sich mit ihm zu vereinen. Später wurden weitere Überreste des getöteten Kapitäns an Bord gebracht und in einer Kiste unter militärischen Ehren der See übergeben. Geboren wurde James Cook am 27. Oktober 1728 in Marton-in-Cleveland, einem Dorf südöstlich von Middlesbrough in Yorkshire, als Sohn des gleichnamigen Tagelöhners und von dessen Frau Grace. 1736 zog die Familie in das vier Meilen entfernte Ayton, wo James Cook erstmals geregelten Unterricht erhielt. Mit 17 Jahren ging er bei William Sanderson, einem Gemischt- und Kurzwarenhändler in dem Fischereihafen Staithes, in die Lehre. Dieser unterstützte den Jungen in seinem Traum, zur See zu fahren. 1746 fand er in dem angesehenen Reeder John Walker aus Whitby dafür den geeigneten Lehrmeister.

Von der Stadt mit ihren etwa 10 000 Einwohnern fuhren die Schiffe nicht nur zum Fischfang aus, sondern betrieben Handel bis nach Amerika und Ostindien. In der Reederei der Brüder Walker wurde vor allem sehr erfolgreich Kohle aus Yorkshire bis nach London verschifft. Cook wurde Lehrbursche auf einem solchen Kohlenschiff. Während winterlicher Zwangspausen befaßte sich der wißbegierige Autodidakt unter Anleitung seines Lehrherrn mit den theoretischen Grundlagen der Navigation.

Am 17. Juni 1755 trat Cook, inzwischen erfahrener Steuermann, als Freiwilliger in die Royal Navy ein. Er wurde auf dem 60-Kanonen-Schiff „Eagle“ eingesetzt, das in Portsmouth vor Anker lag. Das Schiff hatte den Auftrag, im Rahmen der kolonialen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England, den französischen Nachschub über den Atlantik nach Nordamerika zu behindern. Am 1. Oktober 1755 wurde der aus niederem Adel stammende Hugh Palliser neuer Kapitän der „Eagle“. Er war fünf Jahre älter als Cook und stammte wie dieser aus Yorkshire. Cook war inzwischen zum Bootsmann aufgestiegen, und Palliser stellte zufrieden fest, daß er bei den Logbucheintragungen großen Wert auf meteorologische Angaben legte, die Symbole dafür korrekt einzeichnete und bei Landsicht Kü-stenaufrisse und Kartenskizzen anfertigte. Palliser schlug daher vor, Cook zum für die Navigation verantwortlichen master zu befördern.

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Vor dem Hintergrund der kolonialen Auseinandersetzungen mit Frankreich vermaß Cook von 1758 an den nordamerikanischen St.-Lorenz-Strom. Erst im November 1762 kehrte er zurück nach England. Am 21. Dezember 1762 heiratete er die 21jährige Kaufmannstochter Elizabeth Batt. Im April 1763 reiste Cook wieder nach Nordamerika, um die Insel Neufundland zu kartieren, immer wohlwollend unterstützt durch Palliser, der inzwischen in Kanada ein Regierungsamt innehatte. Im August 1766 lieferte Cook zudem äußerst präzise Meßdaten einer Sonnenfinsternis für die Bestimmung geographischer Längenverhältnisse. Als er 40jährig Neufundland letztmalig verließ, war er ein ebenso erfahrener Schiffsbefehlshaber wie gefragter Navigator und Kartograph.

Dieser Erfahrungsschatz war es, dem Cook seine erste eigene Expedition zu verdanken hatte. Weltweit wurden damals Vorbereitungen getroffen, um den Durchgang des Planeten Venus vor der Sonne am 3. Juni 1769 zu beobachten, um Rückschlüsse auf die Ermittlung der Entfernungen im Sonnensystem zu erhalten. England sah hierzu die Entsendung einer Expedition in den Südpazifik vor, wobei die Admiralität Schiff und Mannschaft stellen sollte und die Royal Society, die führende wissenschaftliche Gesellschaft Europas, die entsprechenden Gelehrten.

Die Admiralität wollte das Ereignis zudem dazu nutzen, neue Rohstoffquellen und Absatzmärkte zu erschließen. Zur Aufgabe der Expedition gehörte daher auch die Suche nach dem letzten, auf der Südhalbkugel vermuteten Kontinent – der terra australis incognita.

Das war in der Vorstellung der damaligen Zeit eine große Landmasse, die den Indischen Ozean begrenzte und sich bis zum Südpol erstrecken sollte. Nachdem das heutige Australien bereits 1642 umsegelt worden war, konnte es nicht mehr damit identifiziert werden. So ging die (vergebliche) Suche auch im 18. Jahrhundert weiter. Über längere Zeit war der schottische Hydrograph, ehemalige britische Vizegouverneur in Manila und glühende Verfechter der Südland-Theorie Alexander Dalrymple Favorit der Royal Society als Kommandeur der Expedition. Als Zivilist war er für die Admiralität jedoch unannehmbar. Am 12. April 1768 übertrug sie daher James Cook das Kommando.

Ungewöhnlich war der Proviant, den die Schiffe für die Expedition an Bord nahmen: Darunter waren neben dem traditionellen Zwieback und Pökelfleisch auch Fässer mit Sauerkraut und ein Destilliergerät für die Trinkwassergewinnung aus Salzwasser. Ob Cook selbst die Mitnahme von Skorbut verhindernden Nahrungsmitteln anordnete, läßt sich nicht belegen, wohl aber, daß er für deren Einsatz mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Akribie sorgte: Er ließ seinen Offizieren ebenfalls demonstrativ Sauerkraut auftischen, so daß die Matrosen annahmen, daß die ungewöhnliche Kost etwas besonders Außergewöhnliches darstellte … Ein rund 30 Meter langer Dreimastsegler aus Whitby, der bis dahin Kohlen transportiert hatte, wurde für die Reise umgebaut. Die Bark erhielt den Namen „Endeavour“.

Neben der 85köpfigen Mannschaft einschließlich einem Dutzend Marinesoldaten zählten der Astronom Charles Green, der vermögende und botanisch interessierte Edelmann Joseph Banks, Mitglied der Royal Society, der schwedische Botaniker Daniel Carl Solander sowie die Zeichner Sydney Parkinson und Alexander Buchan zu den Teilnehmern der Reise. Erste Aufgabe der Expedition war die Beobachtung der Venus-Passage auf Tahiti. Danach sollte Cook nach dem Südkontinent suchen, diesen erforschen und für den britischen König in Besitz nehmen. Sollte die begehrte Landmasse nicht auffindbar sein, stand die Erforschung und Inbesitznahme von Neuseeland an, das 1642 von dem Holländer Abel Tasman entdeckt worden war.

Am 26. August 1768 stach die Expedition in Plymouth in See. Über Madeira, die Kanarischen Inseln und Rio de Janeiro erreichte Cook im Januar 1769 Feuerland. Bei schwieriger Witterung umsegelte er am 24. des Monats Kap Hoorn und nahm dann im Pazifik Kurs nach Westen. Den Südkontinent fand Cook nicht, dafür aber mehrere Inseln im Pazifik, die er zu Ehren der Royal Society „Gesellschaftsinseln“ nannte. Für die Landgänge stellte Cook einen Regelkatalog für den Umgang mit den Inselbewohnern auf; insbesondere sollte ein wilder Tauschhandel vermieden werden, damit dem Schiff nicht wertvolle Metallerzeugnisse verlorengingen…

Rolf Siemon

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