Das Kriegswesen unter Maximilian I. Der Kaiser und der Konfektionsharnisch - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Das Kriegswesen unter Maximilian I.

Der Kaiser und der Konfektionsharnisch

Maximilian führte nahezu unaufhörlich Krieg. Dabei stand er am Übergang von mittelalterlichen Formen des Heerwesens zu neuzeitlichen: Der „letzte Ritter“ war mit der Notwendigkeit von Massenaufgeboten konfrontiert, die durch den Lehensdienst längst nicht mehr gedeckt werden konnten.

Das Bild, das er bot, war ungewöhnlich und gewöhnlich zugleich: Den Knechtharnisch angelegt, ein federgeschmücktes Barett auf dem Kopf, den Degen in der Faust, dann wieder einen Spieß in den Händen, vorneweg stürmend, die Seinen mitreißend, verschwitzt, stinkend, ermüdet, triumphierend, geschlagen – und das sollte ein Kaiser sein? Zugegeben: Als Kaiser war er seltener so anzutreffen, als in früheren Jahren, als er nur Erzherzog und dann König war. Vielleicht auch, weil er es müde geworden war, immer vorneweg den Raufbold zu mimen, blieb er zurück, kümmerte sich um die „Arkelei“, ließ feuern und war es schließlich zufrieden, daß sein Weg durch die Zeiten mit immer wiederkehrenden Zeichen seiner persönlichen Tapferkeit im „Weißkunig“ und im „Theuerdanck“ verewigt wurden. Da ließen sich auch Anspruch und Ergebnis miteinander vergleichen.

Da war zum einen der zwölfjährige Erbfolgekrieg, den Maximilian auszukämpfen hatte, um das Erbe seiner Frau Maria, Burgund, antreten zu können. Die Schlachtfelder Burgunds und Flanderns formten ihn. Sie lehrten ihn auch, daß man zum Kriegführen – wie es sein Zeitgenosse Trivulzio ausdrückte – Geld, Geld und nochmals Geld brauchte. Denn für Geld bekam man Soldaten. Und die brauchte er. Also versuchte Maximilian ein „Geschäft“ mit den Reichsständen. Aber dazu mußte auch er etwas anbieten.

Am Reichstag von Nürnberg, 1491, fand sich der König unter dem Eindruck drohender Kriegsgefahren in Frankreich und Ungarn zu einigen der von den Ständen geforderten Reformen bereit. Er nahm den Gedanken einer Kreiseinteilung auf. Im Reich sollten sechs Friedenskreise errichtet werden, in denen je zwei Hauptleute für Ruhe und Ordnung sorgen sollten. Zur Reichsverteidigung aber schlug er eine Art stehendes Heer vor, wobei jeweils 49 Einwohner den 50. ausrüsten sollten. Der Vorschlag wurde von den Ständen abgelehnt. Doch das war erst der Anfang eines jahrzehntelangen Ringens zwischen Kaiser und Reich.

Kaum hatte Maximilian die Lage in Burgund unter Kontrolle gebracht und die Rückeroberung der österreichischen. Erblande nach der kurzen Herrschaft des Matthias Corvinus erledigt, setzte mit dem Vorstoß des französischen Königs Karl VIII. nach Neapel 1494/95 der Kampf um Italien ein. Der Habsburger erkannte, daß der Besitz der Halbinsel für die Stellung des römisch-deutschen Kaisertums und für die Vorherrschaft über Europa von entscheidender Bedeutung war. Also unternahm er einen Italienzug. Der drohte mehr als einmal zum Debakel zu werden. Wieder versuchte es Maximilian mit einem Reichstag.

Anzeige

Karl VIII. war in Rom eingezogen und hatte das Königreich Neapel erobert. Bei der Eröffnung des Reichstags in Worms forderte Maximilian daher „eilende“ Hilfe zur Verteidigung des Reiches. Die Reichsstände aber obstruierten. Auch ein Feldzug gegen die Osmanen wurde verschoben. 1499/1500 eroberten die Franzosen Mailand. Maximilian konnte es nicht hindern. Er versuchte nach wie vor, die Interessen des Reichs mit seinen eigenen in Einklang zu bringen.

Am 10. April 1500 begann der Augsburger Reichstag. Herzog Albrecht von Bayern, Schwager des Kaisers, wurde zum „gemeinen Hauptmann deß Heiligen Reichs“ bestellt und eine Reichskriegsordnung beschlossen. Der Hauptmann sollte ohne Zustimmung seiner sechs Kriegsräte keinen Krieg führen. Keine Verträge oder Waffenstillstände durften ohne Wissen des Hauptmanns geschlossen werden. Den Sold bekam er vom Reichsregiment. Auch alle anderen Regelungen zielten auf eine bessere Organisation des Reichskriegswesens ab. Die Höhe des Solds für Reisige (schwerbewaffnete, meist berittene Krieger) und Fußknechte wurde festgelegt, ebenso der zu leistende Eid und die Strafen, wenn sich Dienstleute von der Truppe entfernten. Der Kaiser schien zweitrangig zu sein. Dennoch meinte er, den Durchbruch geschafft zu haben, denn es wurde auch eine „Reichshilfsordnung“ erlassen: eine Steuer, die von allen Reichsangehörigen direkt aufgebracht werden mußte. So schön das aber alles war, hatte es zwei Haken: Die Reichskriegsordnung entzog Maximilian die Kriegshoheit, und die Reichssteuer ging nicht ein, so daß das nötige Fußvolk nicht aufgestellt werden konnte.

Doch es sollte auch wieder anders kommen. Im Februar 1508 brach der große Venezianerkrieg aus, der acht Jahre dauerte und in den fast alle europäischen Mächte verwickelt waren. Der äußere Anlaß war der Wunsch Maximilians gewesen, zur Kaiserkrönung nach Rom zu ziehen. Venedig verwehrte ihm mit Waffengewalt den Durchzug, worauf der Kaiser der Liga vom Cambrai beitrat, dem vom Papst gegen Venedig ins Leben gerufenen Bündnis. Frankreich, Spanien und die Schweizer Eidgenossen suchten in den folgenden Jahren Eroberungen in Italien zu machen, während das Reich in diesen europäischen Machtkampf kaum eingriff…

Literatur: Gerhard Kurzmann, Kaiser Maximilian I. und das Kriegswesen der österreichischen Länder und des Reiches. Wien 1985.

Dr. Manfried Rauchensteiner

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Zeitpunkte

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Bot|net  〈n. 15; IT〉 Netzwerk aus automatisierten Computerprogrammen (Bots), die als schädliche Software illegal auf Computern installiert werden, um Daten von deren Nutzern sammeln zu können [<Bot2 ... mehr

Web|de|sign  〈[–dızn] n. 15; IT〉 werbewirksame Gestaltung von Websites [<Web ... mehr

Di|dge|ri|doo  auch:  Did|ge|ri|doo  〈[dıdrıdu] n. 15; Mus.〉 vom Aussehen her dem Alphorn ähnliches, aus Holz od. Bambus gefertigtes, rohrartiges Blasinstrument der austral. Ureinwohner ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige