Attalos III. von Pergamon Der König der Giftmischer - wissenschaft.de
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Attalos III. von Pergamon

Der König der Giftmischer

Attalos III. war der letzte König von Pergamon. In die politische Geschichte der Antike ist er mit einer ungewöhnlichen Maßnahme eingegangen: Per Testament vermachte er 133 v.Chr. sein Königreich den Römern.

Es war ein klügerer Schachzug, als dies auf den ersten Blick erscheinen mag. Über kurz oder lang hätten sich die neuen Beherrscher der Mittelmeerwelt ohnehin die Kontrolle über diese reiche und bedeutende Landschaft im westlichen Kleinasien gesichert. So aber konnte Attalos, selbst ohne Nachkommen, den Römern noch einige wesentliche Zugeständnisse diktieren. Insbesondere hatten sich diese mit der testamentarischen Bestimmung abzufinden, daß, neben einigen Griechenstädten, auch die Residenzstadt Pergamon von der Erbmasse ausgenommen sein sollte. Als sie bald nach dem Tod des Attalos dessen Königreich einkassierten und sie in die römische Provinz Asia umwandelten, blieben die Bewohner der Metropole frei von den sonst üblichen Steuern und Tributen. Abgesehen von dieser weisen Tat hat Attalos allerdings eine bemerkenswert schlechte Presse in den antiken Quellen. Gemeinhin gilt er als der traurige Spross einer einst ruhmreichen Dynastie. In den Machtkämpfen nach dem Tod Alexanders des Großen (323 v.Chr.) war es seinen großen Vorfahren gelungen, den dominierenden Burgberg von Pergamon in ihren Besitz zu bringen. Den Grundstein zur Macht hatte Attalos I. gelegt. 44 Jahre lang, von 241 bis 197 v.Chr., hatte er regiert und als erster in der nach ihm benannten Dynastie der Attaliden den Königstitel angenommen. Durch eine geschickte Diplomatie und beachtliche militärische Erfolge nahm der Einfluß der Pergamener beständig zu. Man vertrieb die Kelten aus Kleinasien und feierte diesen Erfolg mit der Errichtung des berühmten Pergamon-Altars, der sich heute auf der Museumsinsel in Berlin befindet. Seine Glanzzeit erlebte Pergamon zu Beginn des 2. Jahrhunderts v.Chr. Den Römern, die zu dieser Zeit den Osten der Mittelmeerwelt zu erobern begannen, diente man sich als willfähriger Helfer an und wurde dafür mit riesigen Landgewinnen in Kleinasien belohnt. Die Stadt Pergamon wurde zu einer prächtigen Metropole ausgebaut, berühmte Gelehrte und Künstler gingen hier ein und aus. Dem letzten Attaliden soll es an den herausragenden staatsmännischen Qualitäten seiner Vorgänger völlig gefehlt haben. Jedoch trat er 138 v.Chr. ein schwieriges Erbe an: Unter seinen Vorgängern, dem Vater Eumenes II. und dem Onkel Attalos II., war Pergamon mehr und mehr zu einem Spielball der Römer geworden. War es da verwunderlich, daß, wie die antiken Quellen übereinstimmend klagen, Attalos III. sich nicht um Regierungsgeschäfte kümmern wollte? Freilich spricht man auch davon, daß der letzte Herrscher von Pergamon ein so mißtrauischer Mensch war, daß er überall Verrat und Sabotage witterte. Auf sein Konto sollen zahlreiche Morde in der nächsten Verwandtschaft gegangen sein – manche sprechen davon, er habe Mutter und Braut töten lassen, andere schreiben diese Untaten einem Komplott von Gegnern zu, an denen sich Attalos dann grausam gerächt haben soll. Als die exzentrische Laune eines Sonderlings wird seit der Antike auch der Umstand angesehen, daß der anscheinend so politikmüde König Attalos ein um so regeres Interesse an allem zeigte, was mit Pflanzen zu tun hatte. Der römische Historiker Iustin schreibt, daß der Herrscher gerade wegen all der Tragödien und Dramen in seiner Familie die Lust an den Staatsgeschäften verloren habe. Stattdessen „grub er seine Gärten mit dem Spaten um, streute Samen aus, und zwar Kraut und Unkraut kunterbunt durcheinander, und all das tränkte er dann in einer Giftbrühe und sandte es seinen Freunden als Ehrengabe ins Haus.“ Von einer Schwäche für Giftpflanzen weiß auch der griechische Schriftsteller Plutarch: „Er züchtete in seinem Garten Arzneipflanzen, nicht nur Bilsenkraut und Nieswurz, sondern auch Schierling, Fingerhut und Doryknion. Er säte und pflanzte sie selbst im königlichen Palast und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Früchte und Säfte kennenzulernen und zur rechten Zeit zu gewinnen.“ Offenkundig hielt Plutarch die botanischen Studien des Attalos für seriöser als sein Kollege Iustin, der den König in deutlich polemischer Absicht als einen grausamen Giftmischer zu porträtieren bestrebt war. Unterstrichen wird dies durch Nachrichten, die davon sprechen, daß Attalos die von ihm entwickelten Gifte an verurteilten Verbrechern ausprobiert habe…

Prof. Dr. Holger Sonnabend

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