Die Eisenzeit im östlichen Jordanien Der Königsweg entlang des Jordans - wissenschaft.de
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Die Eisenzeit im östlichen Jordanien

Der Königsweg entlang des Jordans

Das Land jenseits des Jordans spielt im Alten Testament eine bedeutende Rolle: Aus Ägypten kommend, soll Moses hier dem Volk Israel den Weg ins verheißene Land gewiesen haben. Auch die ostjordanischen Staaten Ammon, Moab und Edom hinterließen in der alttestamentlichen Berichterstattung deutliche Spuren.

Die Eisenzeit Palästinas ist dem christlichen Abendland unter anderem Namen gut vertraut: Es ist die Epoche des Alten Testaments. Meist verbindet man die Eisenzeit I (1200–1000 v. Chr.) mit der Seßhaftwerdung Israels und die Eisenzeit II (1000–520 v. Chr.) mit der klassischen Königszeit in Juda und Israel. Die Israeliten beherrschten auch Gebiete jenseits des Jordans, wo sie respektable Königtümer zu Nachbarn hatten: Ammon, Moab, später auch Edom. Mit diesen teilten sie nicht nur die Herkunft. In der Eisenzeit II entstanden beiderseits des Jordans zum erstenmal Flächenstaaten – ein Phänomen, das diese Zeit von allen vorangegangenen Kulturepochen abhebt.

Israeliten, Ammoniter und Moabiter waren Nomaden, bevor sie als Folge des rapiden Zerfalls der bronzezeitlichen Stadtstaatengesellschaft seßhaft wurden. Die Lebensbedingungen änderten sich in Palästina während der Eisenzeit I grundsätzlich: Die über Jahrhunderte dominante ägyptische Macht verfiel zusehends. Weder die Kriegszüge von Ramses II. (1279–1213) noch die des Merenptah konnten daran letztlich etwas ändern (siehe DAMALS 6-2004). Zudem stießen die sogenannten Seevölker – unter ihnen die später im Alten Testament Philister genannte Gruppe – auf dem Land- und Seeweg vom Balkan und dem Ägäischen Meer herkommend bis nach Ägypten vor. In einer dramatischen Schlacht im östlichen Nildelta rettete Ramses III. (1184–1153) das ägyptische Reich. Überdimensional dargestellt, den Bogen auf die Feinde gerichtet, rühmte er sich an den Wänden seines „Millionenjahrhauses“ in Medinet Habu: „Ich bin wie Re als König erschienen in Ägypten; ich schützte es, indem ich für es abwehrte die Neun Bogen. Die Fremdländer – sie machten ein Bündnis auf ihren Inseln; … nicht hielt irgendein Land vor ihren Armeen stand; [und die Länder von] Hatti, Qadi, Karkemisch, Arzawa und Alasa [Zypern] waren [nun] entwurzelt auf [einen Schlag]. … sie kamen heran, obwohl die Flamme vor ihnen bereitet war, vorwärts nach Ägypten …“ Den Verlust der palästinischen Küstenebene konnte Ramses allerdings nicht verhindern. Die Seevölker wurden auf lange Zeit im Bereich ungefähr des heutigen Gaza-Streifens heimisch. Die nördliche Küstenebene kontrollierten fortan die Phöniker, die während der Eisenzeit II handelspolitischen Weltruhm erwarben (siehe DAMALS 9-2004). Erste Ansiedlungsbestrebungen im Gebiet jenseits des Jordans gab es seit etwa 1200. Waren während der späten Bronzezeit nur das Jordantal und das ostjordanische Plateau nördlich des Wadi ez-Zerqa besiedelt, so wurden lokale Stammesgruppen nun auch südlich dieses Gebiets seßhaft. Sie hatten dort bisher als Hirtennomaden gelebt. Die später Ammo?niter genannten Stämme übernahmen vor allem das weite Umfeld des heutigen Amman.

Das Buch Exodus erzählt im Alten Testament von der Flucht der Israeliten aus Ägypten: „Da sprach Moses zum Volk: Gedenket dieses Tages, da ihr aus Ägypten gezogen, aus dem Land der Sklaven. Denn mit starker Hand hat euch der Herr von dort herausgeführt.“ Meist datiert man dieses Ereignis in die Zeit von Ramses II., doch gibt es archäologisch dafür keine Anhaltspunkte. In der Folge seien, so die Vermutung, die mit Moses aus Ägypten fliehenden Israeliten über das Ostjordanland bis an die Grenzen des „Gelobten Landes“ gelangt.

Die besterhaltenen Reste einer frühen eisenzeitlichen Stadt östlich des Jordans wurden in Tell el-Umeiri (etwa zehn Kilometer südwestlich von Amman) ausgegraben. Sie besaß eine Stadtmauer mit Glacis, den Fuß der Siedlung umlief ein Trockengraben. Innerhalb der Siedlung wurde auch ein Vierraumhaus ausgegraben – ein Wohngebäudetypus, der während der gesamten Eisenzeit üblich war. Im allgemeinen bestand ein Vierraumhaus aus drei parallelen Zonen. Der Hauseingang lag meist in der Mitte der schmalen Hofseite. Schwellen und Türangelsteine weisen darauf hin, daß es Türen gab (der untere Zapfen drehte sich im Loch eines Angelsteins, der obere war in die Oberschwelle eingelassen).

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Die beiden parallel zum Hof liegenden Räume dienten als Vorrats-räume, aber auch als Viehstall. Fenster (eher kleine Öffnungen) konnten nur selten nachgewiesen werden. Der Hof in der Mitte des Gebäudes, in dem man sich tagsüber aufhielt, besaß Kochgruben, manchmal auch Silos; er war durch Pfeiler, mas?sive Mauern oder in einer kombinierten Bauweise unterteilt. Der Fußboden bestand üblicherweise aus gestampftem Lehm und wurde mit Strohmatten, in reicher ausgestatteten Häusern auch mit Teppichen belegt. Hinter dem Hof befanden sich meist in zwei Etagen die Wohn- und Schlafräume. Die flachen Dächer eigneten sich zum Schlafen sowie zur Lagerung und Trocknung von Nahrungsmitteln. Das Leben spielte sich weitgehend im Freien ab. Daher konnte das Haus klein gehalten werden. Auch zwang der geringe zur Verfügung stehende Platz in ummauerten Städten zur Beschränkung. Im äußersten Fall genügte ein Raum zum Schlafen. Zum Bau verwandte man nur lokale Materialien: Steine, Lehmerde und in sehr beschränktem Maß Holz.

Die Sockel vieler Hauswände bestanden aus übereinandergeschichteten unbehauenen Feldsteinen, deren Zwischenräume mit Steinsplittern ausgefüllt wurden. Dann wurden die Wände mit Lehm weiter aufgebaut und dabei mit Holz stabilisiert. Mit dem Bleilot war es möglich, die Wände senkrecht zu bauen. Die aus Steinen bestehende Außenmauer war an der Basis bis zu 80 Zentimeter dick. Größere Vierraumhäuser finden sich innerhalb einer Stadt häufig an topographisch herausgehobenen Stellen und sind dann als Verwaltungsgebäude oder als Wohnhäuser höhergestellter Personen zu interpretieren.

Die Gesichter Jordaniens „10000 Jahre Geschichte und Kultur aus Jordanien“ verspricht die Ausstellung, die vom 8. Oktober 2004 bis zum 9. Januar 2005 im Alten Museum in Berlin und vom 29. April bis zum 21. August 2005 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen ist. Und in der Tat: Die ältesten Fundstücke, die Archäologen im heutigen Jordanien entdeckten, reichen ins 9. Jahrtausend v. Chr. zurück!

Bei der Ausstellung steht der Mensch als Gestalter seiner Umwelt über die Jahrtausende im Mittelpunkt. Sie spannt einen kulturhistorischen Bogen von der Jungsteinzeit bis zum frühislamischen Kalifat. Zu den Höhepunkten zählen die spektakulären Büsten aus Ain Ghazal, die weltweit früheste Menschendarstellung in Lebensgröße, oder Ausstellungsstücke aus der legendären Nabatäerstadt Petra.

Die Forschung der letzten Jahre – ein Zusammenspiel von Archäologen und Naturwissenschaftlern – hat unser Bild von dieser Drehscheibe der Ideen, Güter und Menschen nachhaltig verändert. So kann die Ausstellung Themen wie Wohnen, Wirtschaften, Bauen ebenso ansprechen wie Fragen des Kults und der Ästhetik. Der Umgang mit der knappen Ressource Wasser wird ebenso thematisiert wie die Nutzung von Bodenschätzen und die Ausbeutung der Umwelt.

Zur Ausstellung erscheint im Verlag Philipp von Zabern ein reichbebildertes Begleitbuch; im Buchhandel ist der Katalog bis 31. Dezember 2004 zum Subskriptionspreis von ca. € 37,90 (danach ca. e 44,90) erhältlich.

Prof. Dr. Dr. Dieter Vieweger

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