Faszinierende Figuren: Paul Nolte über Martin Luther King „Der Mut, weiter zu gehen als andere“ - wissenschaft.de
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Faszinierende Figuren: Paul Nolte über Martin Luther King

„Der Mut, weiter zu gehen als andere“

Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft sprechen über historische Gestalten, die sie beeindruckt haben. In dieser Ausgabe: der Historiker Paul Nolte über den Bürgerrechtler Martin Luther King.

Wie sind Sie auf Martin Luther King gekommen?

Paul Nolte: Das hat sicher mit meiner eigenen Biographie als Sohn eines Pfarrers zu tun; das verbindet mich mit ihm. Dann auch mit meiner großen Nähe zu den Vereinigten Staaten, einem Land, das mich sehr geprägt hat, seit ich als Student 1986 zum ersten Mal dort war. Drittens mit meinem Interesse an der Dynamik von Demokratie in sozialen Bewegungen und Protesten, die mich immer fasziniert hat. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ist bis heute das Urmeter solcher Protestbewegungen.

Was beeindruckt Sie an seiner Person?

Seine große Entschiedenheit, die damals bedeutete, weiter zu gehen als andere. Sein Mut, auch persönliche Risiken auf sich zu nehmen. Er ist Dutzende Male verhaftet worden, hat ein frühes Attentat überlebt, ist dann ja auch einem Anschlag zum Opfer gefallen.

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Er sah sich in der Nachfolge Gandhis – war er damit repräsentativ für die Bürgerrechtsbewegung?

Die Bürgerrechtsbewegung war 1955, als King erstmals in Erscheinung trat, etwas anderes als 1968 bei seinem Tod. Zu dieser rasanten Dynamisierung hat er selbst beigetragen. Zugespitzt formuliert, gab es die Bürgerrechtsbewegung, wie wir sie heute verstehen, vorher gar nicht. Was es gab, waren Organisationen, die viel moderatere Strategien verfolgten. Man
klagte vor Gericht. Das war seit dem frühen 20. Jahrhundert die Hauptstrategie der Afroamerikaner. Boykott, Demonstration, ziviler Ungehorsam, das war für diese ältere Generation zunächst sehr gewöhnungsbedürftig.

Ohne King also keine Bürgerrechtsbewegung?

Als Protestbewegung des zivilen Ungehorsams hätte es sie ohne ihn kaum gegeben. Das heißt nicht, dass er nicht später von anderen gewissermaßen links überholt worden wäre, von einem Teil der Bewegung, der stärker auf Abgrenzung von den Weißen setzte und weniger auf absolute Gewaltfreiheit. Aber er hat diese Bewegung mit seinem persönlichen Charisma ebenso geprägt wie mit seinen Ideen und seiner Tatkraft als Organisator.

Waren die Jahre seines Wirkens für die Afroamerikaner eine Zeitenwende?

Auf jeden Fall, was nicht heißt, dass dieser schwierige Prozess, die Entwicklung hin zu seiner Vision der Gleichheit, schon abgeschlossen wäre – bis heute nicht. Aber zumindest in ihrer rechtlichen Grundstruktur ist die Rassentrennung in den Südstaaten der USA bis zur Mitte der 1960er Jahre weithin beseitigt worden: mit den großen Gesetzen der Johnson-Zeit, die die Bürgerrechte und das Wahlrecht der Afroamerikaner sicherstellen sollten.

Interview: Dr. Winfried Dolderer

Prof. Dr. Paul Nolte geb. 1963, deutscher Historiker und Publizist, Präsident der Evangelischen Akademie Berlin. Studien- und Forschungsaufenthalte in Baltimore und Harvard. Seit 2005 lehrt Nolte Geschichte an der Freien Universität Berlin. Publikationen unter anderem über transatlantische Beziehungen und die Historiographie im 20. Jahrhundert.

Martin Luther King (1929 – 1968), Baptistenpastor, Wortführer der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner. Propagierte zivilen Ungehorsam gegen die Rassentrennung in den US-Südstaaten. Friedensnobelpreisträger 1964. Am 4. April 1968 in Memphis, Tennessee, von einem weißen Rassisten erschossen.

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