Der reisende Kaiser Der Wissensdurst des "Grafen Falkenstein" - wissenschaft.de
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Der reisende Kaiser

Der Wissensdurst des „Grafen Falkenstein“

Zehntausende von Kilometern hat Joseph II. auf zahlreichen Reisen durch sein Reich zurückgelegt. Inkognito wollte er sich selbst ein Bild von den Umständen vor Ort machen und seine Erkenntnisse für Reformprojekte nutzen.

Der mährische Knecht Jan Kartoš dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als am 19. August des Jahres 1769 der Wagen eines edlen Herrn auf der Straße, neben der er gerade pflügte, einen Achsenschaden erlitt. Noch mehr erstaunt dürfte den Knecht jedoch haben, dass der offensichtliche Kopf der Reisegruppe ausstieg, zu ihm auf das Feld kam, den Pflug ergriff und mit diesem einige Furchen zog. Das Erstaunen mag sich wohl in schiere Verblüffung verwandelt haben, als Jan Kartoš erfuhr, wer der adlige Herr war, der den Acker seines Bauern Andreas Trnka bestellte – niemand Geringeres als Kaiser Joseph II. selbst.

Das Pflügen des Feldes im mährischen Slawikowitz (Slavíkovice) bei Neu-Raußnitz (Rousínov) wurde schon zeitnah gezielt als Ausweis der Volksnähe des Kaisers vermarktet. Gerade Maria Theresia war daran interessiert, dass die Tat ihres Sohnes bekanntgemacht wurde – ein Kupferstich des Ereignisses von Johann Baptist Bergmüller fand weite Verbreitung –, zeigte Joseph dadurch doch Sympathie für die bäuerlichen Schichten, die den weitaus größten Bevölkerungsteil der Monarchie stellten. Für die Gebildeten bot sich damit einerseits ein Hinweis auf physiokratische Gedanken, die Josephs Regierung prägten, sowie andererseits eine Anknüpfung an die China-Begeisterung des 18. Jahrhunderts – war doch in Europa der Brauch bekannt, dass der chinesische Kaiser zu Beginn der Aussaat symbolisch selbst ein Stück den Pflug führt. Dieses Motiv wurde künstlerisch beispielsweise von dem Maler Bernhard Rode oder auch von Friedrich Schiller in seinem „Turandot“ verarbeitet. Wie tief sich Joseph damit in das Gedächtnis in Mähren, ja der ganzen Habsburgermonarchie und darüber hinaus, einschrieb, darauf verweisen mehrere Denkmäler, die seitdem errichtet wurden – erstmals schon 1770 durch die mährischen Stände.

Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 01/2013.

Dennis Schmidt

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