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Die entscheidenden Jahre

Des Königs große Sache

Der dringende Wunsch Heinrichs VIII., die Ehe mit Katharina von Aragón annullieren zu lassen, führt zur Trennung der englischen Kirche von Rom. Auf der Strecke bleiben auch sein treuer Lordkanzler Thomas More und des Königs skrupelloser Helfer Thomas Cromwell.

Spätestens im Winter 1526/27 traf Heinrich VIII. die folgenreichste Entscheidung seines Lebens: Er beschloss, sich von seiner Ehefrau Katharina scheiden bzw. diese Ehe annullieren zu lassen. Drei Motive stehen hinter diesem Annullierungswunsch des Königs: echte Gewissensskrupel, in einer wider göttliches Gebot geschlossenen Ehe zu leben, der Wunsch nach einem männlichen Nachfolger und die Liebe zu Anne Boleyn. Die Fehl- und Totgeburten Katharinas, waren sie nicht allesamt Fingerzeige Gottes? So mag der König gegrübelt haben, dass er mit dieser Ehe gegen Gottes Gebot gehandelt hatte. Ein männlicher Nachkomme, der von Katharina nicht mehr zu erwarten war, wäre in jedem Fall die am schwierigsten anzufechtende Nachfolgeregelung gewesen, die den Fortbestand der Dynastie gesichert hätte; dass auch eine Frau lange und erfolgreich regieren konnte wie später seine Tochter Elisabeth (1558 –1603), lag für Heinrich jenseits aller Vorstellungskraft. Die Erfahrungen der Vergangenheit ließen ihn das Schlimmste befürchten: So hatte es in England nach dem Tod Heinrichs I. einen Bürgerkrieg gegeben, in dessen Mittelpunkt die von Heinrich noch zu Lebzeiten als Nachfolgerin designierte Tochter Matilda stand. 17 eigenhändig geschriebene Liebesbriefe Heinrichs an Anne Boleyn, wohl auch nur ein Bruchteil der tatsächlich geschriebenen Briefe, dokumentieren die Gefühle des Königs nachdrücklich. Alle drei Motive für Heinrichs Entschluss, die Ehe mit Katharina annullieren zu lassen, sind in sich stimmig. Welches Motiv jedoch das ausschlaggebende war, wissen wir nicht, und vielleicht wusste dies der König selbst auch nicht.

Mit welchem Argument ließ sich die Ungültigkeit der 1509 geschlossenen Ehe rechtfertigen? Nach vielen Diskussionen entschied sich Heinrich gegen den Rat seines Lordkanzlers Thomas Wolsey für eine Argumentation, die er offensichtlich selbst bei seinen Bibelstudien entwickelt hatte: Wenn Gottes eigene Worte die Eheschließung mit der Witwe des Bruders verboten (Leviticus 18, 16 und 20, 21), dann konnte davon auch kein Papst dispensieren. Mit dieser Argumentation hatte sich Heinrich – ob von vornherein kalkuliert oder zunächst unbewusst – für die Möglichkeit entschieden, die es ihm erlauben sollte, sich mit der Autorität des göttlichen Wortes gegen Kirche und Papst zu stellen und die Annullierung schließlich auch unabhängig von der römischen Kurie durchzusetzen. …

Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 10/2012.

Prof. Dr. Uwe Baumann

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