Alexanders Begegnung mit dem Orient Die Faszination des Fremden - wissenschaft.de
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Alexanders Begegnung mit dem Orient

Die Faszination des Fremden

Im Lauf seines Kriegszugs gegen die Achämeniden erhielt Alexander der Große immer tiefere Einblicke in eine fremde Welt, der er anfänglich feindlich gegenüberstand.

Je weiter Alexander nach Osten gelangte, umso differenzierter wurde sein Bild derjenigen, die er zunächst vor allem als Feinde und Besitzer großen Reichtums kennen-gelernt hatte. Dann aber führte die Auseinandersetzung mit dem Fremden zu einer Faszination, die nicht nur der enormen Pracht, sondern auch dem ausgeklügelten Wirtschafts- und Verwaltungssystem galt, das er bei der Gestaltung seines eigenen Reiches größtenteils übernahm. Schließlich stellte er sich selbst in die Reihe der achämenidischen Herrscher.

Eine entscheidende Rolle spielte dabei seine Begegnung mit Babylon, der ersten altorientalischen Metropole, die er im Herbst 331 kennenlernte. Der Einzug in diese lebendige Stadt mit ihren prachtvollen Bauten gehörte zu den größten Eindrücken seines Lebens. Zudem wurde Babylon für ihn eine „Schule“ in altorientalischer Lebens- und Politikform, deren Lehren er offenbar annahm.

Seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. war Babylon die Hauptstadt des Babylonischen Reichs gewesen, nach der Eroberung durch Kyros den Großen 539 war es die hochgeschätzte Königsresidenz der Achämeniden geworden. Möglicherweise erkannte Alexander erst hier, auf welchen Traditionen das persische Großreich gründete – und dass die Achämeniden diese nicht nur tolerierten, sondern in ihren eigenen Herrschaftsentwurf integriert hatten. Erst diese Konfrontation, so der Alt‧historiker Siegfried Lauffer, machte Alexander zum „Herrscher des Orients“.

Eine wichtige Rolle spielten dabei die dortigen Wissenschaftstraditionen, vor allem die Kunde von den Sternen und deren Deutung (Astro-nomie und Astrologie), sowie die altorientalische Königsideologie. Antiken Berichten zufolge gaben „Chaldäer“ Alexander Einblick in die babylonische Sternenkunde. Arrian, der römische Geschichtsschreiber des 2. Jahrhunderts n. Chr., berichtet, von nun an habe Alexander in religiös-rituellen Fragen die Chaldäer um Rat gefragt (die Bezeichnung ist allerdings missverständlich, denn die Chaldäer waren eine Dynastie, die 625 bis 539 in Babylon herrschte; dass ihr Name auf die Sternkundigen Babylons übertragen wurde –, so erstmals bei Herodot – mag mit einer besonderen Wertschätzung für diese Gelehrten zusammenhängen).

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In astronomischen Tagebüchern brachten die Astronomen die Sternkonstellationen sowie Sonnen- und Mondfinsternisse mit besonderen Ereignissen – dem Wasserstand des Euphrat, der Zerstörung des Tempels, dem Tod eines Angehörigen des Königshauses … – in Verbindung. Zu-dem erstellten sie Listen historischer Ereignisse, die nur die Fakten (die Dauer einer Königsherrschaft, Erfolge, Niederlagen usw.) aufführten. Die Babylonier entwickelten zudem eine umfassende Omen-Literatur, etwa lange Listen mit Sterndeutungen sowie Leber-Omina: Die Leberschau war ein zentrales Element des babylonischen Orakelwesens.

Experten für Omina (Zeichen, die der Voraussage künftiger Ereignisse dienten) hatte es an allen babylonischen und assyrischen Königshäusern gegeben, auch die achämenidischen Herrscher ließen sich von ihnen beraten – und nun auch Alexander (sowie später seine Nachfolger). Spätestens seit achämenidischer Zeit waren sie in den Tempeln beheimatet. Gemeinsam mit den Priestern nahmen sie eine mächtige Position ein, denn ihre Voraussagen konnten die Handlungen der Herrscher beeinflussen. Ihr Ansehen war so groß und über die Grenzen des alten Orients hinaus verbreitet, dass selbst Aristoteles, Alexanders ehemaliger Lehrer, bat, ihm die astronomischen Beobachtungen nach Alexanders Einzug in Babylon zu übermitteln…

Dr. Nicola Crüßemann

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