Die Freigebigkeit des Pharao ist ohnegleichen - wissenschaft.de
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Die Freigebigkeit des Pharao ist ohnegleichen

Die Pharaonen zeigten sich gerne freigebig. Doch das konnten sie nur tun, wenn sie über die nötigen Mittel verfügten. Und so erhoben sie Steuern …

Das königliche Schatzhaus untersteht dem „Vorsteher des Königshauses“. Der Staatsschatz dient der Unterhaltung des Hofstaats und den Geschenken, die der Herrscher verteilt: mit Gold und Silber beschlagene Wagen, Statuen aus Elfenbein und Edelholz, Kunstgegenstände, Geschmeide, Waffen … Das Schatzamt wacht über den Schmuck und die Kleidung des Königs und zieht die Erträge der königlichen Werkstätten und Bergwerke ein. Seit dem Neuen Reich kontrolliert der Siegelvorsteher, der auch den Finanzen des Palastes vorsteht, die Steuer- und Zahlungseingänge. Er untersteht dem Wesir, den er täglich über den Stand des Staatsschatzes informiert.

Auf regionaler Ebene besitzt jeder Gau seine eigene Schatzkammer, die von den Steuern und den verschiedenen Einkünften der Provinz gespeist wird. Um Mißbrauch zu vermeiden, sind die Steuerabgaben klar definiert. Doch die Einziehung gibt oft Anlaß zu Konflikten bezüglich der Zuständigkeit. Unter Ramses II. fordert zum Beispiel ein Beamter der Verwaltung der staatlichen Domänen von den Bauern eine Steuer, die bereits durch den von der Regierung entsandten Schatzhausschreiber Inene eingetrieben wurde.

Dieser Schreiber wohnt der Szene bei und berichtet seinem Vorgesetzten: „Er sagt: ‚Nun bringt die Abgaben der Leibeigenen herbei‘. Und ich hatte doch dem Schatzmeister bereits die Abgaben der Leibeigenen abgeliefert, und man hatte im zweiten Monat des Sommers – vor über fünf Monaten! – in der Tat die Lieferung entgegengenommen.“ Da die Steuern in Form von Naturalien gezahlt werden, besitzt jede Stadt ihre Speicher, in denen Korn, Mehl, Datteln, Leder, geschnitztes Holz und alle möglichen Gegenstände abgeliefert werden. Diese Lagerhäuser müssen den Zeitgenossen wie wahre Schatzkammern vorgekommen sein.

Das Wort baku bedeutet nicht nur „Abgaben“ oder „Steuern“, sondern auch „Arbeit“, denn es gibt keine wirkliche Steuer in Ägypten. Im Prinzip arbeitet jeder Ägypter für den Staat, da der Boden dem Pharao gehört, der auch das Monopol der Bergwerke und der Steinbrüche besitzt. Er beauftragt Verwandte oder verdiente Beamte mit der Verwaltung riesiger landwirtschaftlicher Güter. Doch auch die Tempel besitzen ihre Ländereien, die im Lauf der Jahrhunderte immer größer werden. Alle sind sie verpflichtet, dem Staat einen Teil ihrer Einnahmen zu entrichten. Die Höhe der Abgaben wird zunächst anhand des Standes des Nilhochwassers geschätzt. Ist der Wasserstand zu niedrig, dann wird die Ernte schlecht werden, ist er zu hoch, dann müssen die Dämme aufgestockt werden, um eine Überschwemmung zu vermeiden. Die äußerst wichtige Beobachtung des Stroms fällt Beamten zu, die die am ganzen Nil verteilten „Nilmesser“ oder „Nilometer“ überprüfen: Dies können etwa Brunnen mit Maßeinteilungen sein, an denen der Wasserstand regelmäßig gemessen werden kann. Die Annalen des Alten Reichs geben den Stand des Nils seit der I. Dynastie Jahr für Jahr an. Anhand dieser Informationen kann die Verwaltung den Ertrag der kommenden Ernte abschätzen.

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Im großen und ganzen geht der Staat bei den Veranschlagungen sehr gewissenhaft vor: Beamte sind damit beauftragt, die Ernte auf dem Halm und das Vieh zu schätzen. Es ist ein wichtiger Moment, bei dem die Bauern und die Rinderhirten ihre Erträge oder Verluste rechtfertigen müssen. Die Darstellungen in den Gräbern zeugen davon, daß sie nicht selten mit Stockschlägen bestraft werden … Die Tempel sammeln die Abgaben zunächst für sich selbst ein, um dem Staat dann den Teil zu überlassen, der ihm zukommt. Manche sind von der Steuerpflicht befreit, andere bezahlen ihre Abgaben nur widerwillig: So erinnert die Liste der Einkünfte des Amun-Tempels daran, daß man dem Fiskus von Ramses III. immer noch 744 Gänse schuldet.

Diesen Beitrag haben wir mit freundlicher Genehmigung dem Band „Leben im alten Ägypten“, erschienen im Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, entnommen.

Die Autoren erzählen, wie die alten Ägypter gewohnt und gegessen, gearbeitet und gehandelt haben … Aber auch Themenfelder wie „Armee und Krieg“ oder „Religion und Volksglaube“ werden ausführlich behandelt. Es macht Spaß, in diesem prächtig illustrierten und ansprechend aufgemachten Band zu lesen und zu blättern.

François Trassard/Dominique Antérion/Renaud Thomazo

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