Der Samurai und sein Schwert Die Seele des Samurai - wissenschaft.de
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Der Samurai und sein Schwert

Die Seele des Samurai

Ein Schwert mit juwelenbesetzter Goldlackscheide gehört in Japan zu den kaiserlichen Insignien. Es zeugt von der hohen Kunstfertigkeit der japanischen Schwertschmiede und zugleich von der großen symbolischen Bedeutung, die dieser Waffe zukommt.

Vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Ende der Edo-Zeit galt bushido, der „Weg des Kriegers“, als ausschließliche moralische und juristische Instanz des Kriegeradels. Nur den bushi und ihren Bediensteten war der Waffenbesitz gestattet. Die Regeln und Ordnungen, die für jeden „Gefolgsmann“ in der gesellschaftlichen Hierarchie bedingungslos galten, lassen sowohl die konfuzianistische Überlieferung des chinesischen Beamtenstaats als auch die animistische Religionsstruktur der shintoistischen japanischen Gesellschaft als ideelle Wurzeln erkennen.

„Für den Freund des Teetrinkens, des Bogenschießens, für die verschiedensten [Samurai-]Künste gibt es den Weg. Jedermann übe sich in dem, der seinen Neigungen entspricht … Mache dich vertraut mit allen Techniken und Künsten. Lerne an allen Dingen Gewinn und Verlust zu unterscheiden“ – so wird es vom berühmten Schwertschmiedemeister Miyamoto Musashi (1584 –1645) überliefert. Das Handwerkszeug, die Waffen des Kriegerstands, die Insignien und Embleme für Rang und Machtbefugnis spiegeln bis in kleinste Details und hervorragend aufeinander abgestimmt die geschichtliche Bedeutung und die sozialen Werte der Samurai-Gesellschaft wider. Der Bogenschütze (zu Fuß oder beritten) war durch einen beweglichen Körperpanzer mit Bein- und Armschutz aus in sich verschiebbaren Eisen- und Lederplättchen geschützt, ferner durch einen Helm mit Nackenschutz und eiserner Gesichtsmaske. Schwerter, Messer und Dolche saßen im Gürtelband.

Im traditionellen Knabenfest tango no sekku, das als „Schwertlilienfest“ auch heute noch begangen wird, werden die Ideale der Gefolgschaftstreue, der Selbstdisziplin und des Respekts gegenüber Vorfahren der Familie wie der Gesellschaft vorgestellt. Im zentralen Raum der Familie werden kleine Modell-Rüstungen, Waffenständer und Puppen aufgebaut, die mythische Helden darstellen; und es werden Heldengeschichten vorgetragen. Von Geburt an sind solche Rituale in die Kindererziehung eingebunden. Zum Festbrauch gehört auch der Besuch des Sengakuji-Tempels in Tokio. Hier befindet sich auch ein Holzschrein sowie der Friedhof für den daimyo (Fürst) Asano und dessen Familie, um‧‧geben von den Gedenksteinen für die 47 Ronin. Die Familien kommen mit ihren Kindern und brennen hier Räucherstäbchen ab. Souvenir-Votivgabe sind Reliquien der Ronin: kleine Schwerter, Trommeln und bedruckte Taschentücher, die im Stil einer traditionellen Jacke gefaltet sind.

Die im „Choushingura“ überlieferte Geschichte von den 47 Ronin gilt als vollendet gegangener bushido. Erzählt wird, wie Herr Asano Naganori von Ako an den Hof des Shogun in Kyoto eingeladen wurde. Dafür suchte er Rat bei dem älteren, in Hofangelegenheiten erfahrenen Kira Yoshinaka. Dieser erwartete dafür eine angemessene Bezahlung. Als er sie nicht erhielt, stellte er Asano bei Hof beleidigend bloß, bis Herr Asano schließ-lich blankzog und den Kira mit dem Schwert niederschlug. Er wusste, dass er damit die Samurai-Gesetze bei Hofe gröblichst verletzt hatte, und richtete sich unter den Augen des Shogun selbst durch seppuku (siehe Seite 30). Sein Land wurde konfisziert, seine 47 Gefolgsleute wurden als Ronin vertrieben. Sie kannten aber denjenigen, der am Tod ihres Herrn schuld war, und stellten sich ihrer Samurai-Pflicht zur Blutrache. 22 Monate verfolgten sie insgeheim den Kira Yoshinaka, der seinerseits die Vogelfreien ängstlich ausspionieren ließ. Am 30. Januar 1703 kam die Gelegenheit zur Rache. Die 47 Ronin schlugen dem Kira den Kopf ab und legten diesen am Grab des Asano Naganori beim Sengakuji-Tempel nieder. Sie stellten sich dem Gericht und starben danach gemeinschaftlich durch seppuku…

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Dr. Lydia Icke-Schwalbe

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an|ti|sta|tisch  〈Adj.; El.〉 sich elektrisch nicht aufladend

Hy|po|krit  〈m. 16; veraltet〉 Heuchler [→ Hypokrisie ... mehr

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