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Die Spielbank in Baden-Baden

Die Sommerhauptstadt Europas

Mit Baden-Baden verbindet man untrennbar seine Spielbank. Seit 200 Jahren prägt sie das Image der Stadt. Vor allem im 19. Jahrhundert verlieh sie dem Ort am Schwarzwaldrand eine nie gekannte Anziehungskraft.

Baden-Badens Spielbankgeschichte beginnt mit einem Verbot: 1767 stellte Markgraf August Georg in seinem Land jegliches Spiel um Geld unter Strafe. Nur Baden-Baden blieb während der Kursaison davon ausgenommen. Dies war die Grundlage für das Aufblühen des Glücksspiels in der Kurstadt. Doch erst die nach der Französischen Revolution in die Stadt strömenden französischen Flüchtlinge und insbesondere die Soldaten des Condé’schen Regiments, eines Emigrantenheers, das auf Seiten Österreichs gegen die Revolutionstruppen kämpfte und in Baden-Baden stationiert war, verhalfen dem Hasard zum Durchbruch.

Danach nahm das Glücksspiel eine rasante Entwicklung. Einige Wirte gingen dazu über, das Spiel in ihren Häusern (seit jeher spielte man vor allem in den Gaststuben) an Bankiers zu verpachten. Deren Kredite machten es möglich, um höhere Summen zu spielen, das Spiel wurde dadurch professioneller und risikoreicher. 1801 wurde das Glücksspiel an eine staatliche Konzession gebunden und eine Pacht erhoben, 1807 wurde es monopolisiert. Zwei Jahre später folgte ein Spielverbot in den Wirtschaften. Öffentliches Spiel um Geld war jetzt nur noch im sogenannten Konversationshaus gestattet, wozu man das ehemalige Jesuitenkolleg (das heutige Rathaus) umgebaut hatte. Die dortigen Räumlichkeiten waren jedoch dem wachsenden Andrang und den steigenden Ansprüchen des Publikums bereits nach wenigen Jahren nicht mehr gewachsen. 1824 trat an seine Stelle das nach Plänen des badischen Hofbaudirektors Friedrich Weinbrenner erbaute neue Konversationshaus, das heutige Kurhaus, in dem alle Einrichtungen zur Unterhaltung der Kurgäste – und damit auch die Spielbank – Platz fanden. In kürzester Zeit wurde es zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Die seit den Römern genutzten Thermalquellen, die einst Baden-Badens Ruhm als Kurort begründet hatten, gerieten nahezu in Vergessenheit. Im Vordergrund eines Aufenthalts in Baden-Baden stand nicht mehr die Badekur, sondern an ihre Stelle traten Unterhaltung und Vergnügung.

1837 wurde in Frankreich das Glücksspiel verboten. Das führte zu einer Hochkonjunktur der deutschen Spielbanken. Als der vormalige Pächter des Pariser Kasinos, Jacques Bénazet, 1838 den Zuschlag für die Baden-Badener Spielbank erhielt, begann für die Kurstadt eine neue Ära. Jacques Bénazet und nach ihm sein Sohn Édouard, der die Spielpacht 1848 übernahm, setzten ihr ganzes unternehmerisches Geschick ein, um Baden-Baden endgültig zum mondänen Weltbad zu machen. Mit hochkarätigen kulturellen Veranstaltungen schufen sie neben der Spielbank weitere Attraktionen; das prominenteste Beispiel sind die Pferderennen in Iffezheim, die seit 1858 von Jacques Bénazet organisiert und finanziert wurden. Gleichzeitig forcierten die Bénazets die Werbung in einem bis dahin nicht gekannten Maß. Nicht selten auf ihre Initiative hin und oftmals dank ihrer finanziellen Unterstützung wurde die Infrastruktur der Stadt ausgebaut und den Bedürfnissen des gehobenen Publikums angepasst. Viele öffentliche und private Bauten, die in diesen Jahren entstanden, wurden aus Einnahmen aus dem Glücksspiel finanziert oder bezuschusst.

Durch die Spielbank und die vielen mit ihr in direktem oder indirektem Zusammenhang stehenden Annehmlichkeiten des Kurorts wurde Baden-Baden zum pulsierenden Treffpunkt Europas, zum Treffpunkt all derer, die „von keiner anderen Absicht nach Baden geführt werden, als dort während der Saison ein Leben in vollen Zügen zu genießen, wie es nur in Baden zu finden. Es sind dies jene Gäste, die … während der schönen Monate die Freuden und Annehmlichkeiten des Landlebens genießen wollen, ohne dabei den unzähligen Bedürfnissen der verfeinerten Lebensweise entsagen zu wollen … Diese … suchen nur ein und dasselbe Ziel, das Leben zu schauen und zu genießen in seinen reizendsten Gestalten, die höchste Behaglichkeit und Bequemlichkeit in allen Bedürfnissen, lukullische Tafeln, die gewählteste Gesellschaft, zauberische Feste, feenhafte Bälle, rauschende Jagden und grandiose Pferderennen“ …

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Dagmar Kicherer

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