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Rebecca Gablé über Adelheid von Burgund

„Durchaus auch skrupellos“

Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft sprechen über historische Gestalten, die sie beeindruckt haben. In dieser Ausgabe„Durchaus auch skrupellos“: die Schriftstellerin Rebecca Gablé über die Kaisergattin Adelheid von Burgund.

DAMALS: Wann haben Sie zum ersten Mal von Adelheid gehört? Rebecca Gablé: Das war sicher im Geschichtsunterricht in der Schule. Ich gehöre zu den wenigen Leuten, die sich mit Freude an ihren Geschichtsunterricht erinnern. Da wurden natürlich die Ottonen behandelt, und in dem Zusammenhang auch Adelheid.

DAMALS: Sie haben den Ottonen einen Roman gewidmet … Gablé: „Das Haupt der Welt“. Der endet aber 941, zehn Jahre bevor Otto der Große Adelheid heiratete. Ich schreibe gerade an der Fortsetzung. Da wird Adelheid natürlich eine große Rolle spielen.

DAMALS: Was beeindruckt Sie an ihr? Gablé: Sie fiel aus der Rolle, mit der sich im 10. Jahrhundert auch adlige Frauen zu bescheiden hatten − vermittelnd, Frieden stiftend und mildtätig zu sein. Sie war massiv selbst politisch aktiv, durchaus auch skrupellos in der Durchsetzung ihrer Ziele.

DAMALS: Ihr erster Mann, König Lothar von Italien, wie auch Otto haben sie beide zur Mitregentin erhoben … Gablé: Nach italienischem, genauer gesagt langobardischem Recht war das wohl üblich. In Ottos ostfränkischem Reich war es völlig unüblich, es war ihre persönliche Leistung, diesen Status zu erringen. Exemplarisch für sie ist diese Geschichte: Nach Lothars Ermordung wurde sie von dessen Mörder Berengar von Ivrea eingesperrt − in ein finsteres Verlies, wie wir es uns in unseren Mittelalter-Phantasien ausmalen. Und sie hat sich wortwörtlich mit eigenen Händen einen Weg in die Freiheit gegraben. Das sagt eine Menge über Adelheid aus.

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DAMALS: Halten Sie sie für ein Vorbild? Gablé: Intelligent, machtbewusst und ehrgeizig zu sein − das kann man positiv betrachten. Man kann es aber auch negativ sehen, jedenfalls das Machtbewusstsein. Ich finde es schwierig, Menschen aus dem Mittelalter als Vorbilder bezeichnen zu wollen, weil ihr Wertekanon ein völlig anderer war. Adelheid hatte einen regelrechten Fan, ihren Biographen Abt Odilo von Cluny.

DAMALS: Haben wir womöglich ein geschöntes Bild von ihr? Gablé: Es gibt ja nicht nur Odilo. Andere Chronisten wie Widukind von Corvey, Thietmar von Merseburg und Adalbert von Weißenburg behandeln sie ebenfalls relativ ausführlich, messen ihr eine für eine Frau in der damaligen Zeit große Bedeutung bei. Unparteiisch waren die Chronisten natürlich alle nicht. Jeder verfolgte irgendeine politische Agenda.

Adelheid von Burgund (931/32 – 999), Königin von Italien, Königin und Kaiserin des ostfränkisch-römischen Reiches. Gattin und Mitregentin zunächst König Lothars von Italien, dann Ottos des Großen. Nach dessen Tod 973 trug sie maßgeblich zur Stabilisierung der ottonischen Dynastie bei. Heiliggesprochen 1097.

Rebecca Gablé (eigentlich Ingrid Krane-Müschen), geb. 1964, Autorin von historischen Romanen sowie Kriminalromanen. Bankkauffrau, 1991 bis 1996 Studium der Germanistik und Anglistik in Düsseldorf. Werke unter anderem: „Das Haupt der Welt“ (2013), „Der Palast der Meere“ (2015).

Interview: Dr. Winfried Dolderer

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