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Karthago und Rom

Ein Leben im Kampf

Das Leben des karthagischen Staatsmannes und Feldherrn Hannibal in chronologischer Zusammenfassung, eingebettet in die wichtigsten Daten der Auseinandersetzung zwischen Karthago und Rom.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. erringt Karthago eine Führungsrolle unter den phönikischen Gemeinwesen. Im 5./4. Jahrhundert legt es Stützpunkte an der spani?schen Küste an, begründet einen Herrschaftsbereich im westlichen Sizilien und setzt sich auf Sardinien fest.

264 entsteht eine neue Situation durch das römische Eingreifen auf Sizilien. Es kommt zum ersten römisch-karthagischen (oder aus römischer Sicht: dem ersten Punischen) Krieg. Rom greift Karthago selbst an, zunächst mit Erfolg. Mit ihrer neuen Elefantenwaffe bringen die Karthager Rom dann eine vernichtende Niederlage bei. 23 Jahre lang führen Römer und Karthager Krieg.

247 v. Chr. Hannibal wird geboren. In demselben Jahr wird sein Vater Hamilkar Barkas mit der Kriegführung auf Sizilien betraut. Über Hannibals Kindheit ist kaum etwas bekannt. Er wird sie zunächst in Karthago verbracht haben.

241 Als die römische Flotte die karthagische vernichtend geschlagen hat, sitzt das Landheer auf Sizilien fest. Karthago ist nun zum Friedensschluß bereit (Ende des ersten römisch-karthagischen Krieges). Es verliert die sizilischen Gebiete und muß eine enorme Entschädigung zahlen. 238 besetzt Rom auch Sardinien.Hamilkar Barkas kehrt nach Karthago zurück und wird, wie bei erfolglosen Feldherren üblich, vor Gericht gestellt. Ihm droht die Todesstrafe, doch gelingt es ihm mit Hilfe seines späteren Schwiegersohns Hasdrubal, genügend Fürsprecher für einen Freispruch zu finden.

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237 Nach einem mühsam niedergeschlagenen dreijährigen Söldneraufstand unternimmt Hamilkar eine Expedition nach Spanien. Seine Familie begleitet ihn. Auf der Insel Gades (Cádiz) vor der Atlantikküste verbringen Hannibal und seine jüngeren Brüder Hasdrubal und Mago ihre Jugend. Hier trainiert Hannibal praktische militärische Fertigkeiten und lernt von Vater und Schwager den diplomatischen Umgang mit Freunden, Verbündeten und dem Rat von Karthago.

229 Bei der Belagerung der iberischen Stadt Helike stirbt Hamilkar. Die Soldaten rufen seinen Schwiegersohn Hasdrubal zum Feldherrn aus. Innerhalb weniger Jahre weitet er den karthagischen Einfluß in Spanien aus. Um 227 gründet er an dem einzigen Naturhafen der iberischen Ostküste Neukarthago (heute Cartagena).

um 226 Der griechische Historiker Polybios meint, die Römer hätten die Entwicklung in Spanien verschlafen. Jedenfalls schließen sie mit Hasdrubal einen Vertrag, dessen Inhalt unterschiedlich überliefert wird und bis heute umstritten ist. Wahrscheinlich verpflichtet sich Hasdrubal darin, den Ebro nicht in kriegerischer Absicht zu überschreiten.

221 Als Hasdrubal von einem Sklaven ermordet wird, macht das Heer Hannibal zu seinem Nachfolger; der Rat in Kar?thago bestätigt die Wahl.

219/18 Hannibal belagert Sagunt. Die spanische Stadt bittet Rom um Hilfe, bleibt damit aber erfolglos. Nach achtmonatiger Be?lagerung erobert Hannibal Sagunt und läßt es zerstören.

218–201 Zweiter römisch-karthagischer Krieg. Hannibal marschiert von Neukarthago aus nach Norden; im August überquert er die Rhone und im Spätherbst die Alpen. Ende November besiegt er P. Cornelius Scipio am Ticinus, Ende Dezember schlägt er die Römer an der Trebia.

217 Im Juni besiegt Hannibal C. Flaminius am Trasimenischen See. Q. Fabius Maximus wird zum Diktator ernannt und mit der Kriegführung gegen Hannibal be?auftragt. In Spanien erringen Cn. und P. Cornelius Scipio Erfolge.

216 Im August schlägt Hannibal die Römer bei Cannae. Mehrere italische Städte treten zu ihm über. Als Beauftragter seines Bruders kehrt Mago nach Karthago zurück und legt dem Rat einen Siegesbericht vor: Sechs römische Feldherren seien besiegt, sechs konsularische Heere geschlagen, 20000 Feinde getötet und 50000 gefangengenommen worden.

215 Der junge makedonische König Philipp V. und der 15jährige Erbe König Hierons von Syrakus suchen den Anschluß an Karthago. Da seine Truppen stark geschwächt sind, kehrt Rom nach der Schlacht von Cannae zur Ermattungsstrategie zurück. Hannibal bekommt keine Gelegenheit, den Gegner in einer Feldschlacht erneut zu schlagen. Gegen die – in der Mehrzahl weiter zu Rom haltenden – Städte in Italien kann er, trotz einiger Erfolge, nichts ausrichten. „In den Jahren nach 216 gelang Hannibal überhaupt nichts mehr“, urteilt Jakob Seibert.

213/12 M. Claudius Marcellus belagert Syrakus, das mit Hilfe des Ingenieurs Archimedes verteidigt wird, bis es 211 doch fällt. Hannibal bemächtigt sich der Stadt Tarent. Die Burg bleibt in römischer Hand.

211 Um den römischen Belagerungsring um Capua zu sprengen, greift Hannibal Rom an. Beides bleibt erfolglos. Capua wird wieder römisch – ein enormer Prestigeverlust Hannibals. In Spanien erleiden dagegen die Scipionenbrüder Niederlagen, beide finden den Tod.

210 Der Sohn des gefallenen gleichnamigen Feldherrn P. Cornelius Scipio wird mit der Kriegführung beauftragt; 209 erobert er Neukarthago. Damit verlieren die Karthager riesige Materiallager, ihren Verbindungshafen in die Heimat und in der Nähe gelegene Silberminen.

209 Quintus Fabius Maximus, der zum fünftenmal Konsul ist, geht zur Offensive über. Er kann Tarent einnehmen. Die Basis, auf die Hannibal sich stützen kann, schrumpft immer mehr.

207 Hasdrubal, der von Spanien nach Norditalien marschiert ist, fällt am Metaurus. Im Gegensatz zu Hannibal, der gefallene Gegner bestatten läßt, befiehlt der Konsul Claudius, Hasdrubal den Kopf abzuschlagen und den Wachposten vor Hannibals Lager vorzuwerfen, um diesem den Tod des Bruders zu melden. In Spanien besiegt Scipio die karthagischen Heere bei Ilipa – Spanien ist damit bis auf kleine Reste für die Karthager verloren.

204/03 Scipio trägt den Krieg nach Nordafrika. Auf den großen Ebenen im Tal des Bagradas besiegt er die verbündeten karthagisch-numidischen Heere. Karthago ist nun zu Friedensverhandlungen bereit. Zuvor wird Hannibal aus Italien abberufen; im Herbst kehrt der 43jährige nach Nordafrika zurück. Dies und immer härtere römische Forderungen bringen die Friedensverhandlungen zum Erliegen.

202 In Naraggara (Zama) kommt es zur Entscheidungsschlacht zwischen Scipio und Hannibal. Zum erstenmal wird Hannibal besiegt, kann aber fliehen.

201 Rom und Karthago schließen Frieden. Karthago verliert alle überseeischen Besitzungen sowie die Flotte und muß eine hohe Kriegsentschädigung bezahlen. Rom kontrolliert künftig die karthagische Außenpolitik. Hannibal wird seines militärischen Kommandos enthoben, aber nicht an Rom ausgeliefert.

196 Hannibal wird zum Sufeten (einem der beiden obersten Regierungsbeamten Karthagos) gewählt. Er reformiert sowohl den Gerichtshof als auch das Steuer?wesen.

195 Einer drohenden Auslieferung an Rom entzieht sich Hannibal durch die Flucht aus Karthago (ein Schiff lag für den Notfall immer bereit). Über Tyros kommt er nach Ephesos, wo ihn der Seleukide Antiochos III. freundlich aufnimmt. An dessen Hof bleibt er bis 189. Als Antiochos im Krieg gegen Rom unterliegt, gehört die Auslieferung Hannibals zu den Friedensbedingungen; er kann aber fliehen.

189–186 Hannibal findet Zuflucht in Gortyn (auf Kreta), flieht von dort weiter an den Hof des armenischen Königs Artaxias. Auch dort ist er vor den Römern nicht sicher. 186 findet er einen letzten Zufluchtsort am Hof des bithynischen Königs Prusias, den er wie schon Artaxias bei der Planung einer neuen Hauptstadt berät.

183 Als der römische Gesandte Titus Quinctius Flamininus Hannibals Haus in Libyssa (heute Gebze) umstellen läßt und Flucht unmöglich ist, tötet Hannibal sich selbst. Dort soll er auch beigesetzt worden sein, die Suche nach seinem Grab war aber bis heute vergeblich.

149–146 Als die Karthager sich gegen fortgesetzte Angriffe des Numiderkönigs Massinissa zur Wehr setzen, brechen sie den Vertrag mit Rom und liefern so den Vorwand zum dritten römisch-karthagischen Krieg, in dem es nur noch um die Existenz Karthagos geht. Nach dreijähriger Belagerung wird die Stadt von P. Cornelius Scipio Aemilianus, einem Enkel des Siegers von Zama, eingenommen und dem Erdboden gleichgemacht.

Dr. Marlene P. Hiller

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