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Hebräische Handschriften aus dem Mittelalter

Eine Blütezeit jüdischer Kultur

Es gibt herausragende Zeugnisse jüdischer Kunst aus dem Mittelalter in einer bemerkenswerten Vielfalt. Denn die jüdischen Künstler hatten teil an der jeweiligen Tradition ihrer Umgebung – des muslimischen Spaniens wie der deutschen Bischofsstädte oder des Italiens der Renaissance.

Wir besitzen nur wenige Zeugnisse jüdischen Kunstgewerbes oder jüdischer Architektur aus dem Mittelalter. In Aschkenas sind nur rund ein Dutzend Synagogenbauten sowie einige weitere Gebäude wie Mikwen (Ritualbäder) im Originalzustand – als Ruine oder Grabungsbefund – erhalten. Auf der Iberischen Halbinsel (Sepharad) riß man nach der Vertreibung der Juden 1492 bzw. 1498 viele Synagogen entweder ab oder funktionierte sie in wenigen Fällen zu Kirchen oder Profanbauten um. Das Kunstgewerbe wiederum fiel häufig Pogromen zum Opfer: Die Angreifer schmolzen die Kultobjekte, die meistens aus Silber oder Bronze waren, ein, um an das wertvolle Rohmaterial zu gelangen. Textiler Toraschmuck (in Erinnerung an den Vorhang im Tempel ist der Toraschrein mit einem Vorhang verhängt; die Torarolle wird von einem oft prunkvollen Stoff umhüllt) ist aufgrund des fragilen Materials erst seit dem 16. Jahrhundert erhalten.

Aus der hebräischen Buchmalerei dagegen sind vergleichsweise viele und herausragende Manuskripte erhalten. Reich illustriert und illuminiert wurden nicht nur hebräische Bibeln, Machsorim (Gebetbücher für die Feiertage) und Haggadot (Singular: Haggada = wörtlich: Erzählung; die Pessach-Haggada wird am Vorabend des Pessach-Fests gelesen), sondern auch wissenschaftliche Traktate, Gesetzeskodizes und Urkunden. So finden sich in astronomischen Aufsätzen detaillierte Umzeichnungen von Meßinstrumenten, etwa Astrolabien. Reichverzierte Kalenderblätter und mathematische Abhandlungen mit Skizzen setzen sich mit der Umrechnung jüdischer und christlicher Kalendarien auseinander. Medizinische Herbarien zeigen naturgetreue Darstellungen von Heilpflanzen.

Aufgrund der unterschiedlichen Illumination lassen sich gerade die religiösen Handschriften aus dem sephardischen und dem aschkenasischen Traditionskreis gut unterscheiden. Die frühesten Handschriften aus Sepharad datieren in das 12. und 13. Jahrhundert. Juden waren in dieser Zeit sozial geachtet und nahmen hohe gesellschaftliche Positionen ein. Daher konnten sie wertvolle und reichausgestattete Handschriften in Auftrag geben. Bedeutende Zentren jüdischer Buchmalerei gab es im 13. Jahrhundert in Burgos und Toledo, wo große jüdische Gemeinden existierten.

Die frühen Handschriften aus Sepharad weisen so gut wie keine figürlichen Szenen auf. Hier griff das islamische Bilderverbot – ein Indiz für Teilhabe der Juden an der Kunsttradition ihrer Umwelt. Statt dessen findet man äußerst kunstvolle „Teppichseiten“: mit geometrischen Mustern, Blumen- und Rankenmotiven reich ausgestattete Bildseiten, die ganzseitig zwischen die Textseiten eingefügt sind, so etwa in der Cervera-Bibel (um 1300); daneben zeigen Bibeln auch ganzseitige Präsentationen des Tempelgeräts.

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Im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts änderte sich in Sepharad die strenge Einhaltung des Bilderverbots. Als neues Stilelement werden einzelne Buchstaben zu kleinen Geschöpfen mit individuell gestalteten Köpfchen ausgearbeitet – so etwa im Hamilton-Siddur (einem Gebetbuch vom Anfang des 14. Jahrhunderts) und in der Ersten Kennicott-Bibel (1476). In Haggadot findet man nun auch figürliche Szenen zur biblischen Geschichte, zur nachbiblischen Zeit und zum Pessach-Fest. Im Gegensatz zu aschkenasischen Haggadot sind die Bildszenen dem Text vorangestellt und nicht in ihn eingebettet…

Markus Wener

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