Burgenbau im Wandel der Zeiten Eine Erfolgsgeschichte - wissenschaft.de
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Burgenbau im Wandel der Zeiten

Eine Erfolgsgeschichte

Bis zu 50000 Burgen hat es im deutschsprachigen Raum gegeben, die zwischen dem 8. und dem 15. Jahrhundert errichtet wurden. Etwa ein Drittel davon ist in mehr oder weniger umfangreichen Überresten noch erhalten. Wer waren ihre Baumeister und Handwerker? Wer durfte eine Burg bauen? Wie wurde der Bau finanziert?

Wer heute ein Wohnhaus bauen will, sucht ein Grundstück, beauftragt einen Architekten mit dem Entwurf, beantragt beim Bauamt dessen Genehmigung und lässt den Architekten die Bauarbeiten beaufsichtigen, bis das Haus fertig ist. Wer in einigen hundert Jahren wissen will, wie man heute gebaut hat, der wird – mit etwas Glück – den Architektenvertrag, die Baupläne mit dem Genehmigungsvermerk, vielleicht sogar die Handwerkerrechnungen finden. Die Finanzierung erfolgt über eine Bank. Auch für das 17. bis 19. Jahrhundert sind häufiger zumindest Baupläne, Verträge und Rechnungen erhalten geblieben, gelegentlich gilt dies sogar für die Renaissance. Aus dem hohen Mittelalter kennen wir das nicht, oft nicht einmal aus dem späten Mittelalter. Viel wurde daher spekuliert, wie man eine Burg gebaut haben könnte. Manches lässt sich bei genauer Beobachtung an den Bauwerken ablesen, etwa Fragen zur Bautechnik, anderes aber nicht.

Wo konnte eine Burg gebaut werden? Burgen stehen am Rand von Siedlungen oder allein in der Landschaft, im flachen Gelände, an Hängen oder auf Bergkuppen. Die Frage, wo eine Burg gebaut werden sollte, hängt mit ihrer Aufgabe zusammen. Der Burgenbau war im 10. Jahrhundert das alleinige Recht des Königs; mit ihm konnte er hochstehende Adlige, Bistümer und Klöster belehnen, was seine unmittelbare Macht zwar reduzierte, die Zahl der von ihm abhängigen Adligen und eventuell auch seine Einnahmen aber erhöhte. Der hohe Adel konnte seinerseits niedrigere Adlige mit dem Recht zum Burgenbau belehnen; Klöster und Bischöfe beauftragten Vögte als Verwalter ihres weltlichen Besitztums und Herrschaftsgebiets. Die Burg war ein Zeichen der Herrschaft, aber auch ein unmittelbarer Schutzfaktor für deren Erhalt. Man baute sie nahe den von ihr zu verwaltenden Besitzungen, also bei Dörfern oder Städten, an Wegen und besonders an Pass- oder Flussübergängen sowie in der Nähe von Zollstellen. Bis zum 11. Jahrhundert wurden die meisten Burgen im Tal erbaut, danach ist eine „Höhenwanderung“ zu beobachten, das heißt, man verlegte den Burgenstandort aus dem Siedlungsbereich auf eine nahe gelegene Höhe über der Siedlung. Damit folgte man einem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis, zudem waren die Burgen besser zu sehen und konnten den Herrschaftsanspruch deutlich nach außen hin zeigen.

Zur Finanzierung einer landesherrlichen Burg konnte der Fürst auf eingenommene Steuern und Zölle zurückgreifen oder aber Besitztümer gegen Geld verpfänden. Er konnte auch einen Adligen mit einer Burgstelle belehnen, damit dieser die Burg ausbaute. Abhängige Adlige mussten sich entweder Geld leihen oder konnten die Burg mit den Abgaben finanzieren, die sich aus den zu ihr gehörenden Grundflächen, Bauernhöfen oder Wirtschaftsbetrieben ergaben. Oft genug war die Beschaffung der Finanzmittel schwierig, und die Arbeiten auf mancher Baustelle dürften immer wieder ins Stocken geraten sein.

Ein geeigneter Bauplatz sollte sicher sein und dennoch gut erreichbar bleiben, was immer zu Kompromissen führen musste. Wasserburgen mussten an einer Stelle eine Brücke erhalten und möglichst fern von höheren Hügeln liegen. Burgen an Berghängen nutzten möglichst steil abfallende Hänge zur Sicherung und wählten oft einen ebenen Zugang vom Hang her. Das gilt auch für Burgen auf Bergrücken, die selten den gesamten Berg einnahmen, sondern fast immer nur seine Spitze. Dadurch ergab sich der ebenerdige Zugang, zugleich aber auch eine Angriffsseite, die besonders zu schützen war. Dies erfolgte durch die Anlage eines tiefen Halsgrabens, den man zwischen Hang und Burg aushob und dessen Steinmaterial man zugleich beim Bauen einsetzen konnte. An dieser Schwachstelle – von der Bergseite her konnte eine Hangburg manchmal sogar von außen überblickt werden – befand sich oft das Burgtor, das daher besonders aufwendig zu sichern war. Hier plazierte man den Hauptturm (den man seit dem 19. Jahrhundert Bergfried nennt), von dem aus man die Verteidigung durch Hornsignale steuern und weit in die Landschaft blicken konnte; durch seine Höhe diente er zudem der Repräsentation. Manche Bauherren leisteten sich sogar mehrere Bergfriede, um Vorburg und Kernburg getrennt zu sichern.

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Burgen bestehen fast immer aus mehreren funktional zu unterscheidenden Einzelgebäuden. Diese wurden einzeln gebaut – der wichtigste Unterschied zum neuzeitlichen Schloss, das als mehrflügliger Bau mit einem gemeinsamen Dach errichtet wurde und ganz unterschiedliche Aufgaben vereinen konnte. Neben Ringmauer, Tor und Türmen war der Wohnbau das wichtigste Gebäude. Eigene Saalbauten sind selten, meistens war der Wohnbau mit einem großen Saal ausgestattet. Daneben gab es seit der Zeit um 1200 beheizbare Stuben und – meist unbeheizte – Schlafkammern, ferner oft eine Badestube. Küche und Backhaus waren nicht selten eigenständige Gebäude.

Wirtschaftsgebäude, Ställe und Speicherbauten, even-tuell auch Bauten für eine handwerkliche Grundversorgung rundeten die Palette ab. Oft lagen die Burgen ja abseits größerer Siedlungen und mussten sich folglich selbst versorgen. Häufig waren die Räume multifunktional: Der Saal ließ sich schnell in einen festlichen Speisesaal verwandeln, indem man Tische aus Brettern und Gestellen aufbaute und mit Tischtüchern versah; nach dem Essen wurde die Tafel aufgehoben, und der Raum eignete sich für Tanzvergnügungen. Auch Empfänge des Hochadels und Huldigungen der Herrschaft ließen sich hier durchführen. Schlafkammern waren immer auch Aufenthaltsräume und bestenfalls in der Nacht privater Rückzugsort; die Stuben konnten Arbeits‧räume wie behaglicher Aufenthaltsort sein. Schreibstuben für die Verwaltung der Herrschaft sind hier als eine Aufgabe zu nennen, die im Verlauf des Mittelalters an Bedeutung gewann. Ställe und Speicher befanden sich in eigenen Gebäuden, fast immer in der Vorburg oder in separaten Wirtschaftshöfen, vielleicht abgesehen vom Pferdestall, der das wertvollste Tier des Ritters beherbergte.

Beheizt werden konnte nur ein kleiner Teil der Gebäude. Nach dem Vorhandensein von Kaminen wird ein solches Bauwerk in mittelalterlichen Quellen oft als Kemenate bezeichnet, womit letztlich ein Wohnbau gemeint ist. Hier hatten häufig der Burgherr und die Burgherrin ihre Wohnräume, im späten Mittelalter getrennt, meist neben- oder übereinander; wie dies im hohen Mittelalter aussah, wissen wir bislang nicht…

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

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Wissenschaftslexikon

lee|gie|rig  〈Adj.; Mar.〉 bestrebt, den Bug nach Lee zu drehen (bes. bei Schiffen mit hohen Aufbauten)

Moa  〈m. 6; Zool.〉 großer, flugunfähiger Straußenvogel, dessen letzte Vertreter von den Maori auf Neuseeland erst in geschichtlicher Zeit ausgerottet wurden: Dinornis [<Maori]

Auf|ge|sang  〈m. 1u〉 erster, längerer Teil der Strophe im Meistergesang; Sy Gebäude ( ... mehr

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