Eleonora von Toledo Eine Liebe in Florenz - wissenschaft.de
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Eleonora von Toledo

Eine Liebe in Florenz

Die Hochzeit von Cosimo de‘ Medici und Eleonora von Toledo wurde in ganz Europa aufmerksam registriert. Die schöne Frau förderte die Wissenschaft und die Künste in Florenz. Ihrem Mann war sie eine kluge Ratgeberin. Vor allem aber zeigt ihr Leben, welche beträchtlichen Handlungsspielräume Frauen im Italien des 16. Jahrhunderts hatten.

Die junge Dame, die am Morgen des 22. Juni 1539 im Hafen der toskanischen Küstenstadt Livorno eintraf, konnte sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen. Eine große Menschenmenge hatte sich an der Mole versammelt, und kein Geringerer als Onofrio Bartolini, der ehrwürdige Erzbischof von Pisa, war erschienen, um sie feierlich zu be‧grüßen. Elf Tage zuvor, am 11. Juni, war sie in Neapel mit einem Geschwader von nicht weniger als sieben Galeeren aufgebrochen. Es handelte sich bei dieser Reise offensichtlich um eine Haupt- und Staatsaktion: Eleo‧nora von Toledo, die jüngere Tochter des spanischen Vizekönigs in Neapel, Don Pedro da Toledo, war auf dem Weg nach Florenz, um dort Cosimo I. de‘ Medici, den Herzog der Toskana, zu heiraten. Dies war in der Tat ein Ereignis, das nicht nur von den aufgeregten Livornesen, sondern von den Fürsten und Königen in ganz Europa aufmerksam registriert wurde.

Cosimo de‘ Medici war noch nicht lange Herr von Florenz. Gut zwei Jahre vor dem Einlaufen der neapolitanischen Hochzeitsflotte in Livorno, am 7. Januar 1537, war sein entfernter Cousin Alessandro de‘ Medici, der erste Herzog der Toskana, ermordet worden. Ein direkter Erbe stand nicht bereit. Bei ihren intensiven Beratungen, wer die Nachfolge antreten könnte, verfielen die Florentiner Patrizier schließlich auf den erst 17-jährigen Cosimo. Da er einer Nebenlinie des berühmten Geschlechts entstammte, auf dem Land aufgewachsen und auf die Aufgaben eines Fürsten in keiner Weise vorbereitet war, nahmen die politisch erfahrenen Honoratioren an, den jugendlichen Burschen ohne große Mühe am Gängelband führen zu können. Doch sie sollten sich gründlich täuschen. Cosimo war keineswegs gesonnen, lediglich eine repräsentative Rolle zu spielen. Schnell ergriff er mit Energie und Geschick die Zügel und domestizierte nach dem Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche die Konkurrenten um die politische Macht in Florenz. Zwei Jahre nach dem Regierungsantritt war seine Position unumstritten. Was ihm zur endgültigen Festigung seiner Position allein noch fehlte, war eine Frau.

Nach Lage der Dinge handelte es sich bei der Brautwahl um ein Politikum ersten Ranges, und so wandte sich der junge Herzog an keinen Geringeren als Kaiser Karl V. mit der Bitte, ihm eine passende Ehefrau vorzuschlagen. Im Stillen hatte Cosimo auf eine uneheliche Tochter des Kaisers spekuliert, wodurch die enge Bindung an das Haus Habsburg und damit die Unterstützung des mächtigsten Mannes der Christenheit gesichert gewesen wäre. Doch der Kaiser griff eine Rangstufe niedriger, als er auf die Töchter des reichen und mächtigen Don Pedro da Toledo verwies, zu dieser Zeit Vizekönig des zu Spanien und damit zum Habsburger-Imperium gehörenden Königreichs Neapel. Don Pedro hatte zwei Töchter, von denen er zunächst die ältere namens Isabella unter die Haube bringen wollte und dem Florentiner Herzog dafür die stolze Mitgift von 80000 Dukaten bot. Der Florentiner Agent in Neapel berichtete jedoch, dass Isabella hässlich wie die Nacht und wahrlich nicht die Hellste sei – woraufhin Cosimo sich mit einem Viertel der zunächst angebotenen Summe als Mitgift zufrieden erklärte, wenn er die schöne und geistreiche Eleonora zur Gemahlin bekäme. Nach längeren Verhandlungen, während derer die zukünftige Braut Gelegenheit hatte, erst einmal Italienisch zu lernen, gab Don Pedro schließlich seine Zustimmung. Damit wurde die politische Bindung des jungen Cosimo de‘ Me‧dici an die spanische Krone sozusagen amtlich, wie aus einem Schreiben Kaiser Karls V. an seinen Sohn, den späteren König Philipp II. von Spanien, vom 18. Januar 1548 hervorgeht: „Der Herzog von Florenz hat mir stets seine Verbundenheit gezeigt … Angesichts seiner Beziehungen zum Hause Toledo … und der Bedeutung seines Staates werdet Ihr gut beraten sein, Euch seine Loyalität und Treue zu bewahren.“

Ebenfalls aus einer Vielzahl von Briefen belegt ist die Liebe zwischen Cosimo und Eleonora. Was als politisch motivierte Vernunftehe begann, wie sie typisch war zwischen den Fürstenhäusern dieser Epoche, erwies sich für die Betroffenen als Glücksfall. Eleonora von Toledo, selbstbewusst und energisch, bewährte sich als kongeniale Partnerin ihres politisch so erfolgreich agierenden Mannes, ja, man wird kaum zu weit gehen, wenn man feststellt, dass Cosimos Erfolge zum guten Teil auch das Verdienst Eleo‧noras waren – die auf diese Weise erkennen lässt, welch beträchtliche Handlungsspielräume Frauen im Italien des 16. Jahrhunderts offenstanden. Die spanische Aristokratin begleitete ihren Gatten auf seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd, ebenso wie auf seinen Reisen selbst bei noch so weit fortgeschrittenen Schwangerschaften. An Durchsetzungsvermögen stand sie ihrem Mann in nichts nach. Das Hofleben prägte die junge Herzogin durch ihre Spiel-leidenschaft ebenso wie durch ihre recht abrupten Stimmungsschwankungen. Neun Monate und 13 Tage nach der Hochzeit brachte sie das erste Kind zur Welt, von da an folgte fast jedes Jahr weiterer Nachwuchs. Insgesamt zehn Kinder gingen aus der Ehe hervor. „Der Herzog und die Herzogin sind sehr verliebt ineinander und weichen einander nicht von der Seite“, lesen wir im Bericht eines gut informierten Beobachters vom Florentiner Hof im Jahr 1541.

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In demselben Jahr sah sich Cosimo gehalten, dem in Genua weilenden Kaiser Karl V. seine Aufwartung zu machen. Für die Dauer dieser wichtigen politischen und diplomatischen Mission übertrug er die Regierungsgeschäfte seiner Frau, die sich der Aufgabe mit der ihr eigenen Sorgfalt annahm und sehr bald auch gewachsen zeigte. Als zwei Jahre später Cosimo I. während einer schweren Erkrankung über Monate hinweg mit dem Tod rang, erwies sich abermals, dass seine Frau, unterstützt von den Ratgebern des Herzogs, durchaus in der Lage war, sogar über einen längeren Zeitraum hinweg die Regierungsgeschäfte selbständig zu leiten. Doch auch in den Zeiten, da Cosimo selbst die Regierung ausübte, nahm Eleonora maßgeblich Teil an der praktischen Politik. An sie waren die meisten Bittschriften gerichtet, in denen die Bevölkerung, vom einfachen Tagelöhner bis zu den Angehörigen der vornehmsten Familien, um herrscherliche Gnaden baten; sie wurde dadurch, wie es ein Dichter am Hof der Medici ausdrückte, zum „Kanal, durch den die fürstlichen Gunstbeweise zu den Zeitgenossen gelangten“. Alle politischen Entscheidungen von Bedeutung traf der Herzog erst, nachdem er sich zunächst mit seinen Beratern, abschließend aber ausführlich mit seiner Frau besprochen hatte.

Ebenso aktiv wie in der Politik war die Herzogin im wirtschaftlichen Bereich. Hier agierte sie vollkommen selbständig – und vorausschauend, wie das bei ihrem Tod stark gewachsene Familienvermögen erkennen lässt. Als Tochter einer immens reichen, auch prestigereichen Familie standen ihr die Kreditmärkte ganz Italiens offen, vor allem jener der in diesen Jahren aufstrebenden Finanzmetropole Genua. Und Eleonora verstand es, diesen Kredit reichlich zu nutzen, um Grundbesitz zu erwerben, große Güter in der gesamten Toskana, deren Erträge sie mit einem für Aristokraten dieser Epoche eigentlich geradezu unanständigen Geschick zu verkaufen verstand. Ihre Handelsbeziehungen reichten bis ins heimatliche Spanien. 1550 war sie es, und nicht etwa ihr Mann, die vom Kaufmann Buonacorso Pitti den Palazzo Pitti jenseits des Arno kaufte, der dann nach den Plänen des renommierten Architekten Bartolomeo Ammanati zur prächtigen Residenz der Medici-Herzöge ausgebaut werden sollte und noch heute zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten in Florenz gehört…

Prof. Dr. Arne Karsten

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