John Webber, der Expeditionsmaler James Cooks Entdecker mit Stift und Skizzenblock - wissenschaft.de
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John Webber, der Expeditionsmaler James Cooks

Entdecker mit Stift und Skizzenblock

Auf seinen Expeditionen in die Südsee wurde James Cook von Künstlern begleitet, die die unbekannte Welt für das Publikum zu Hause festhalten sollten. Zu ihnen gehörte John Webber (1751–1793), ein Londoner Maler mit Wurzeln im schweizerischen Bern. Und genau dort ist noch bis zum 13. Februar 2011 die Ausstellung „James Cook und die Entdeckung der Südsee“ zu sehen.

In den Jahren 1768 bis 1779/80 unternahm James Cook drei Expeditionsreisen in den Pazifik und erschloss damit diesen Teil der Erde im wissbegierigen Zeitalter der Aufklärung für Europa. Georg Forster, der als junger Zeichner und Wissenschaftler die zweite Reise begleitete, schrieb über Cooks Leistung: „Niemand hat die Grenzen unseres Wissens in so kurzer Zeit und in einem solchen Maß erweitert.“ Tatsächlich haben Cooks Unternehmungen Europas Weltbild und den wissenschaftlichen Zugang zur Südsee ganz wesentlich und zum Teil bis heute geprägt.

Auf Cooks Schiffen waren stets Wissenschaftler und Maler mit an Bord. Letztere trugen mit einer beeindruckenden Fülle bildlicher Darstellungen zum publizistischen Erfolg der Reisen bei. Auf der ersten Reise wurde Cook von dem wissenschaftlichen Zeichner Sydney Parkinson und dem Landschaftsmaler Alexander Buchan begleitet. Buchan verstarb schon früh auf der Reise; Parkinson musste daraufhin auch das Zeichnen von Szenen, Landschaften und Porträts – etwa die berühmten Darstellungen tätowierter Maori aus Neuseeland – übernehmen. Auf der Reise über Tahiti, Neuseeland und die Ostküste Australiens fertigte er darüber hinaus eine Fülle von Zeichnungen von Pflanzen und Tieren für die Naturwissenschaftler Daniel Carl Solander, einen Schüler des Systematikers Carl von Linné, und Joseph Banks an; Letzterer war Mitglied der Royal Society in London und hatte die Expedition Cooks mitfinanziert. Parkinson starb auf der Rückreise nach England im Alter von 26 Jahren; bis dahin hatte er 280 naturwissenschaftliche Aquarelle sowie 900 Zeichnungen angefertigt, die Banks in England kolorieren ließ. Viele davon wurden in Kupfer gestochen, aber erst viel später publiziert.

Für die zweite Forschungsreise wurden erneut zwei junge Maler verpflichtet: Georg Forster, der wissenschaftliche Zeichnungen für seinen Vater, den Natur‧gelehrten Reinhold Forster, anfer‧tigte (siehe DAMALS 12-2006), und William Hodges, der Landschaftsdarstellungen und Porträts ausführte. Hodges war stark der klassischen Bildtradition verpflichtet. Mit vielen seiner Werke trug er dazu bei, das Bild eines polynesischen „Gartens Eden“ zu befördern, das der französische Weltumsegler Louis Antoine de Bougainville kurz zuvor aufgebracht hatte: In Erinnerung an Kythera, die Insel der antiken Liebesgöttin Aphrodite, hatte Bougainville Tahiti als nouvelle Cythère bezeichnet und auf diese Weise mit Jean-Jacques Rousseaus Vorstellung vom „Edlen Wilden“ in Verbindung gebracht. Auch viele Arbeiten von Hodges zeigen die Südsee als idyllische und idealisierte Welt, doch suchte der Künstler diesen Eindruck selbst zu korrigieren, indem er eine monumentale Darstellung auslaufender Kriegskanus schuf. Nach der Rückkehr nach England 1775 bereitete der Maler das zeichnerische Werk für den Expeditionsbericht vor. Viele seiner Zeichnungen haben als Kupferstiche eine beachtliche Verbreitung gefunden.

Für seine dritte Reise engagierte Cook den jungen Maler John Webber. Dieser verstand sich jedoch nicht nur als künstlerischer Begleiter, sondern fast als Reisejournalisten für ein zunehmend interessiertes Publikum. Wie andere Begleiter Cooks sammelte er darüber hinaus Ethnographika. Diese „Kunstsachen aus der Südsee“ waren als Kuriositäten in Europa äußerst begehrt. Webber diente seine Sammlung vornehmlich als Anschauungsmaterial für seine Zeichnungen, andere ließen sich davon inspirieren, so etwa der Bühnenmaler Philipp Jakob Loutherbourg der Jüngere, der zusammen mit Webber das Theaterstück „Omai, or, a Trip Round the World“ produzierte, das 1785 in Covent Garden aufgeführt wurde.

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Heute sind in Museen und Privatsammlungen weltweit etwa 2 000 Artefakte bekannt, die auf den Reisen Cooks gesammelt worden sind. Dazu gehören auch ein Trauergewand aus Tahiti, eine mit Ahnendarstellungen verzierte Keule aus Tonga, eine Flöte aus Neuseeland und ein Federmantel aus Hawaii. Diese Objekte, die John Webber auf der dritten Expedition Cooks sammelte, befinden sich zusammen mit weiteren 100 Gegenständen von dieser Expe‧dition seit 220 Jahren in Bern. Dass die Sammlung durch John Webber in die Schweiz gelangt ist, mag zunächst erstaunen. Hinter dem englischen Namen des Malers verbirgt sich jedoch eine Schweizer Abstammung. John Webbers Vater, Abraham Wäber, war als Bildhauer von Bern nach London ausgewandert, wo er sich fortan Webber nannte. Mit der Engländerin Mary Quandt gründete er eine Familie, der viele Kinder beschieden waren. Zwei Söhne folgten den künstlerischen Fußstapfen des Vaters…

James Cook und die Entdeckung der Südsee Ausstellung im Historischen Museum Bern 7. Oktober 2010 – 13. Februar 2011

Zum ersten Mal werden in dieser Ausstellung die Bestände des Historischen Museums Bern mit bedeutenden Leihgaben vereint und so die wertvollsten, von den Cook-Expeditionen mitgebrachten Objekte aus pazifischen Kulturen zusammengeführt. In der Ausstellung werden rund 500 Exponate gezeigt. Neben ethnographischen Objekten dokumentieren prachtvolle Gemälde und Zeichnungen der Expeditionsmaler Sydney Parkinson, William Hodges und John Webber die Ereignisse und fangen eindrücklich den euphorischen und zugleich wissbegierigen Blick der Entdecker auf die exotischen Szenerien der Südsee ein. Schiffsmodelle, originale Seekarten und Navigationsinstrumente lassen die Cook-Reisen darüber hinaus lebendig werden.

http://www.bhm.ch

Dr. Thomas Psota

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