Wirtschaft im Barockzeitalter Europa der zwei Geschwindigkeiten - wissenschaft.de
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Wirtschaft im Barockzeitalter

Europa der zwei Geschwindigkeiten

Während sich in den protestantischen Ländern früh ein modernes Leistungsethos durchsetzte, fielen die katholischen Länder in der ökonomischen Entwicklung zurück. Dort herrschte ein eher beschaulicher Rhythmus vor – Muße und Gelassenheit gehörten zum barocken Lebensgefühl.

Kann man von einer „barocken Ökonomie“ sprechen? In gewissem Sinn wohl, wobei – wie in anderen Lebensbereichen – auch in diesem Fall die Konfession das prägende Element war. Die katholischen Länder legten das Hauptgewicht auf die Landwirtschaft. Besonders deutlich sichtbar wird dies im Fall Italiens. Es war bis zum 16. Jahrhundert auf allen wirtschaftlichen Sektoren, im Gewerbe, im Handel und Finanzwesen, führend gewesen und hatte sich damit zum reichsten Land in Europa entwickelt. In der großen Krise um und nach 1630 – Stichworte sind die Pest-Epidemien, der Erbfolgekrieg von Mantua sowie die Verlagerung des Welthandels vom Mittelmeer in den Atlantik – brach dieses ökonomische Imperium jedoch fast völlig zusammen. Die Italiener verlegten sich auf die Landwirtschaft, die in schwierigen Zeiten einzig Sicherheit zu bieten schien. Es fand somit eine Reagrarisierung statt, wodurch Italien zum größten Agrarexporteur in Europa wurde. Neben den Investitionen in Kultur wurde das immer noch reichlich vorhandene Kapital in den Boden gesteckt.

Ähnliche Prozesse lassen sich auch anderswo beobachten, etwa im schweizerischen Freiburg oder in den deutschen geistlichen Staaten. Die vorherrschende agrarische Ideologie wurde sicher dadurch gestützt, dass die katholische Kirche viel nutzbaren Boden besaß und daher direkt an einer florierenden Landwirtschaft interessiert war. Geistliche waren auch nicht selten die Verfasser der zahlreichen zu dieser Zeit herausgebrachten praktischen Anleitungen zur Landwirtschaft. Für katholische Eiferer wie Kardinal Karl Borromäus (1538 –1584) war die agrarische Tätigkeit fast die einzige einwandfreie Beschäftigung für einen Christenmenschen – diejenige der Kaufleute galt latent immer als moralisch anrüchig: Gewinnstreben, Übervorteilung und Wucher erschienen als stete Gefahr. …

Den vollständigen Artikel lesen Sie in DAMALS 9/2016.

Prof. Dr. Peter Hersche

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