Duftmuseum im Farina-Haus Französisch Kram“ aus Köln - wissenschaft.de
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Duftmuseum im Farina-Haus

Französisch Kram“ aus Köln

300 Jahre Duftkultur kann man im Farina-Haus in Köln, Deutschlands einzigem Duftmuseum, erschnuppern. Im Mittelpunkt stehen Wirken und Werk Johann Maria Farinas, des Erfinders des „Eau de Cologne“.

„Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und Phantasie“, schrieb Johann Maria Farina (1685 –1766) an seine Familie in Italien. Zu Ehren seiner neuen Heimat nannte der Parfümeur den Duft „Eau de Cologne“, Kölnisch Wasser.

Auf drei Etagen werden in den originalen Produktionsräumen im Farina-Haus die Entwicklung des Eau de Cologne und die Lebensgeschichte seines Erfinders, der „absoluten Nase“ Farina, erzählt. Doch auch der Wandel Kölns in dieser Zeit ist ein Thema in dem Museum. Als Johann Maria Farina seinem Bruder 1709 von Italien nach Deutschland folgte, galt Köln in kultureller Hinsicht als das Rom des Nordens – und war doch eine bemerkenswert schmutzige Stadt voller sozialer Gegensätze: Gerber kippten stinkende Brühen in Bäche, während Pferdemist und Unrat Plätze und Straßen verunstalteten. Die feine Gesellschaft aber frönte einem luxuriösen Lebensstil mit üppigen Festen. Um den Alltagsgestank der schnell wachsenden Stadt und die Ausdünstungen des eigenen Körpers zu überdecken – Wasser stand im Verdacht, Krankheiten zu übertragen, und wurde bei der täglichen Körperhygiene gemieden –, hüllte man sich in schwere Düfte wie Moschus, Sandelholz oder Ambra.

In der katholisch geprägten Stadt wurde man nur mit der „richtigen“ Konfession in eine Zunft aufgenommen. Daher waren Italiener im Vergleich zu Juden, Protestanten und anderen „Auswärtigen“ gern gesehen. Doch sie waren nicht nur katholisch, man trieb auch gern mit ihnen Handel. Wie viele ihrer Landsleute betrieben die Gebrüder Farina ein Geschäft für „französisch Kram“. Im Gegensatz zum heutigen Wortgebrauch war dieser „Kram“ besonderer Luxus: Seiden, edle Spitzen, kostbare Gewürze und die ersten Duftwässerchen.

Schon kurz nach seiner Ankunft in Köln eroberte Johann Farina Generationen der High Society mit seiner Eigenkreation, dem Eau de Cologne. Zunächst noch als Wunderwasser zur äußeren und inneren Anwendung vertrieben, verschob sich das Gewicht des frischen und leichten Duftes schnell ins Olfaktorische. Von Kaiser Napoleon I. heißt es, er habe zur Erfrischung eine Flasche am Tag verbraucht, die er in eigens dafür geschusterten Stiefeln verstaute. Eine kostspielige Erfrischung, verschlang ein Flakon damals doch noch ein sechsmonatiges Beamtensalär. Von weit her traf man sich bald in Farinas Belle Étage in der Großen Budengasse bei Wein und kandierten Früchten, um den Duft zu kaufen.

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Im Museum zeugen vom damaligen Luxus ein Gobelin von 1750, dessen Gegenpart heute im Louvre hängt, und ein raffinierter chinesischer Reiseschrank. In die ausgestellte Weltkarte von 1715 trug Farina akribisch die Versendungen des aqua mirabilis durch „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz“ ein. Bis heute trägt das Unternehmen diesen Namen, der daher rührt, dass es vor der Französischen Revolution in Köln noch keine Hausnummern gab und Steinhäuser zur Unterscheidung Namen trugen.

Weiter führt der Museumsrundgang in die Produktionsräume in den Kellergewölben, wo man seine eigene Nase an Bergamotte-Essenzen testen kann. Ein Zedernholzfass aus den Anfängen der Firma hat die Zeit überdauert, der Nachbau einer Destille zeugt von der Kunst, fast reinen Alkohol zu destillieren. Eine Kunst, die Farina aus Italien mitbrachte, um feinere Essenzen wie von Zitrusfrüchten herzustellen, die keine duftverderbenden Fuselöle im Alkohol ertragen. 20 bis 30 solch feiner Essenzen stecken damals wie heute im Eau de Cologne, Farina verriet nur einige: „Orangen, Pampelmusen, Citronen, Bergamotte, Cedrat, Limette und die Blüten und Kräuter meiner Heimat“. Plakate verdeutlichen die langwierige Arbeit, die erforderlich ist, um die Duftstoffe zu gewinnen. Für ein Kilogramm Lavendelöl benötigt man bis zu 70 Kilogramm Lavendelblüten und -stengel, für die gleiche Menge Jasminöl 700 Kilogramm Blüten. Erläuterungen zur Gewinnung der Duftstoffe aus den Blüten und zur Duftkreation vermitteln einen Eindruck vom Schaffen, der Kreativität und dem unabdingbaren Talent eines Parfümeurs.

Große Namen reihen sich hier ebenso wie beeindruckende Flakons aneinander. Man streift durch ein Stück Designgeschichte, denn der Duft blieb zwar unverändert, die Flakons passten sich aber dem jeweiligen Geschmack an – und wurden etwa für den Schah von Persien eigens entworfen. Der betuchte Bürger erwarb bis 1832 das Eau de Cologne in länglichen, grünen, verkorkten Flaschen, sogenannten Rosolien, in wärmeren Ländern auch in explosionssicheren Champagnerflaschen. Um den Duft stets parat zu haben, wurden später Flakons in Taschenuhrenform beliebt, die man am Körper trug. Im 20. Jahrhundert erhob man die Flasche endgültig zum Kunstgegenstand, und Kandinsky, Klee oder Picasso reichten anlässlich der Kölner Kunstausstellung 1912 Vorschläge für Herrenflakons ein, die man im Museum bestaunen kann.

Der Name Farina ist nicht nur mit europäischer Duft- und Kulturgeschichte verbunden, sondern auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung: Seit 1709 werden im Farina-Archiv alle Einkäufe, Verkäufe, Briefwechsel und Streitigkeiten dokumentiert. Es ist damit die vollständigste Geschichte einer Handelshausgesellschaft nördlich der Alpen. Auch im Museum begegnet man der ökonomischen Seite des Duftes: Auf Farinas Holztisch im Kellergeschoss liegt das Schuldnerbuch, aufgeschlagen auf der Seite der „bösen Schuldner“: derjenigen Käufer, die vor Begleichung ihrer Rechnung das Zeitliche gesegnet hatten und Farina damit im Gegensatz zu den „guten Schuldnern“ letztlich um seinen Verdienst brachten.

http://www.farina-haus.de

Carmen Fischer

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