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Pergamons Blütezeit unter Eumenes II.

Gewiss eine seltene Erscheinung

Unter Eumenes II. erreichte das von Pergamon beherrschte Gebiet 183 v. Chr. seine größte Ausdehnung. Die Stadt selbst baute der ruhmliebende Herrscher nach einem königlichen Masterplan aus. Pergamon sollte zu einem Zentrum der griechischen Kunst und Kultur in Kleinasien werden.

„König Eumenes war … ein Mann, der in den meisten Stücken keinem der gleichzeitigen Könige nachstand, sie in den wichtigsten und schönsten aber an Größe und Glanz übertraf. Denn erstens machte er sein Reich … den größten seiner Zeit gleich, nicht so sehr unter dem Beistand des Glücks oder des Zufalls, sondern durch seinen Verstand, seine Arbeitsamkeit und Tätigkeit. Zweitens war er sehr ruhmliebend, und keiner unter allen Königen seiner Zeit erzeigte so vielen griechischen Städten Gutes und bereicherte so viele Privatpersonen. Drittens wusste er sich bei seinen drei an Alter und Tatkraft ihm nachstehenden Brüdern so in Achtung zu setzen, dass sie ihm gehorchten, ihn beschirmten und die Würde seines Thrones wahrten. Gewiss eine seltene Erscheinung.“

Mit diesen Worten beurteilt der griechische Historiker Polybios (um 200 – um 120 v. Chr.; „Historien“ 32, 8) das Wirken des pergamenischen Königs Eumenes II., der zu den bedeutendsten Herrscherpersönlichkeiten des Hellenismus gehört. Als Eumenes im Jahr 159 v. Chr. im Alter von etwa 70 Jahren verstarb, hinterließ er seinem Bruder und Nachfolger Attalos II. ein in kultureller Blüte stehendes Reich, das außenpolitisch jedoch von der expandierenden Hegemonialmacht Rom abhängig geworden war. In seiner beinahe vier Jahrzehnte währenden Regierungszeit hatte der König es vermocht, die vielen militärischen Auseinandersetzungen mit den Seleukiden, Bithyniern, Makedonen und Kelten letztlich zugunsten Pergamons zu entscheiden. Durch die enge Bündnispolitik mit den Römern konnte er nach siegreich geführten Kriegen das Gebiet des pergamenischen Reichs stetig vermehren, das 183 v. Chr. seine größte Ausdehnung erreichte und nunmehr fast ganz Kleinasien umfasste. So wuchs auch der ohnehin enorme Staatsschatz, der die Grundlage für alle gemeinnützigen Projekte des Herrschers bildete.

Im kulturellen Wettstreit mit anderen hellenistischen Metropolen, zum Beispiel dem ägyptischen Alexandria und dem syrischen Antiocheia, gelang es Eumenes, seiner Residenzstadt Pergamon eine überragende Bedeutung zu verleihen. Sein offenkundiger Anspruch, an diesem Ort ein zweites Athen zu schaffen und somit als Bewahrer griechischer Kultur zu gelten, schlug sich in einem gewaltigen innerstädtischen Bauprogramm nieder. So wurde Pergamon zum Anziehungspunkt für namhafte Architekten, Künstler, Dichter, Philosophen und Naturwissenschaftler, die ihr Werk in den Dienst des Herrscherhauses stellten.

Berühmt waren vor allem die königlichen Kunstsammlungen und die Bibliothek – nach jener in Alexandria die zweitgrößte der antiken Welt. Dazu schreibt der griechische Historiker und Geograph Strabon (um 63 v. Chr. – nach 23 n. Chr.; „Geographica“ 13,  4, 2): „Dieser Eumenes vergrößerte die Stadt, … errichtete Baudenkmale und Büchersammlungen und erhob aus Prachtliebe die Stadt Pergamum auf die Höhe, die sie noch jetzt behauptet.“ Aber auch andernorts, etwa in Athen und in einigen panhellenischen Heiligtümern wie Delphi, engagierte sich Eumenes mit gestifteten Bauten und Denkmälern als Mäzen, was ihm beträchtlichen Ruhm und hohes Ansehen unter den Zeitgenossen einbrachte. Für seine Wohltätigkeit empfing er zahlreiche Huldigungen. So sind aus Delphi, Aigina und Sardeis für den König veranstaltete Feste überliefert, die seinen Namen trugen (Eumeneia). In Milet existierte ein heiliger Bezirk für den kultisch verehrten Herrscher, eine eigens für ihn berufene Priesterschaft gab es auf Kos.

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Bevor Eumenes II. im Jahr 197 v. Chr. die Regentschaft antrat, beschränkte sich das Stadtgebiet von Pergamon auf die nach dem Gründer der Attaliden-Dynastie Philetairos benannte Altstadt Philetaireia. Diese dürfte bereits von den ersten drei Attaliden-Herrschern (Philetairos, Eumenes I. und Attalos I.) architektonisch ausgestaltet worden sein, doch können wir die betreffenden Bauten in Ermangelung von epigraphischen Zeugnissen mit keinen bestimmten Namen verbinden. Auf Attalos I., den Vater Eumenes’ II., geht wahrscheinlich die Errichtung dreier Gebäude südlich des Athena-Heiligtums zurück: einer Markthalle, eines Apsi‧denbaus und eines Zeus-Tempels. Die Markt‧halle verlief fast parallel zur Terrassenmauer des Athena-Kultbezirks. Heute sind nur noch die Fundamente davon sichtbar, aber in ihrer langrechteckigen Gestalt glich sie zweifellos der sehr viel besser erhaltenen mehrgeschossigen Markthalle in Aigai, einer antiken Stadt südlich von Pergamon.

Das zweite Gebäude, der sogenannte Apsidenbau, war der Vorläufer des Großen Altars und wurde unter Eumenes II. durch diesen ersetzt. Es verdankt seinen Namen einer großen, von zwei Kultnischen flankierten Apsis an der östlichen Schmalseite, welche – behutsam in das Altarfundament integriert – die Zeiten überdauerte. Attalos I. ließ den Apsidenbau vermutlich als Stätte des durch ihn begründeten dynastischen Herrscherkults der Attaliden errichten. In der Apsis und den Kultnischen befanden sich wohl Statuen der vergöttlichten Vorgänger des Königs gemeinsam mit solchen von mysischen Heroen. Ein ähnlich kombiniertes Familien- und Heroendenkmal hatte Attalos auf der Kykladeninsel Delos geweiht. Das dritte Gebäude, der Zeus-Tempel, lag in südlicher Nachbarschaft des Apsidenbaus. Man bezog es wenige Jahrzehnte später in die Obere Agora ein. Bemerkenswert an diesem Tempel ist die Verwendung von Marmor, denn für alle anderen pergamenischen Bauten dieser Zeit wurden Werksteine aus lokalem Andesit (einem feinkörnigen vulkanischen Gestein) benutzt. Erst unter Eumenes II. avancierte Marmor zum bevorzugten Baumaterial an öffentlichen Gebäuden.

Über den Beginn des eumenischen Bauprogramms, das Pergamon ein gänzlich neues Erscheinungsbild verlieh, herrscht in der Forschung noch keine Einigkeit. Manche Baumaßnahmen veranlasste der König sicher schon bald nach seiner Thronbesteigung, doch geschah die grundlegende Umgestaltung der Stadt wohl nicht vor dem 188 v. Chr. zwischen dem Römischen Reich und den Seleukiden geschlossenen Frieden von Apameia. Pergamon muss dann über Jahrzehnte hinweg eine riesige Baustelle gewesen sein. Der Masterplan sah nicht nur Umbauten innerhalb der Oberburg und der philetairischen Altstadt, sondern auch eine enorme Stadterweiterung gen Süden, Westen und Osten vor, wo sich die mehr als vier Kilometer lange Wehrmauer nun bis an den Fuß der Akropolis heranschob. Diese Vergrößerung des Stadtgebiets von 21 auf 90 Hektar ermöglichte den Bau von neuen Wohnvierteln, öffentlichen Plätzen und Heiligtümern. Viele Bauprojekte dürften zum Zeitpunkt von Eumenes’ Tod noch angedauert haben und reichten allem Anschein nach sogar über das Ende der Königsherrschaft im Jahr 133 v. Chr. hinaus…

Dr. Holger Schwarzer

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