Kampftechnik und Waffen der Wikinger Ihr Geschrei stieg zum Himmel - wissenschaft.de
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Kampftechnik und Waffen der Wikinger

Ihr Geschrei stieg zum Himmel

Obwohl die Wikinger ihren Gegnern in der Regel zahlenmäßig unterlegen waren und die Qualität ihrer Waffen bisweilen zu wünschen übrigließ, gelangen ihnen ein ums andere Mal spektakuläre Coups. Ihre kleinen Banden bekamen die schwerfälligen Heere etwa der Franken nicht zu fassen, und mit ihren wendigen Schiffen konnten sie so schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen waren.

Wenn man die enormen militärischen Erfolge der Wikinger im 9. und 10. Jahrhundert – wie die Überfälle und Plünderungen rheinischer Städte, die Eroberung von Paris im Jahr 845 oder die Eroberung weiter Teile Englands – betrachtet, stellt sich die Frage nach der Bewaffnung, der Taktik und der Strategie wikingerzeitlicher Heere. Dies ist von umso größerer Bedeutung, als die Flotten der plündernden Wikinger eher klein waren. Die Berichte der klerikalen Chronisten über 60, 100 oder gar 200 Schiffe dürfen getrost als maßlos übertrieben bezeichnet werden: Mehr als ein paar hundert Mann dürften die auf den westeuropäischen Flüssen operierenden Räuberbanden aus Skandinavien nicht umfasst haben, wenn selbst das bei der Eroberung Englands in den Jahren 865 bis 892 agierende „große Heer“ (micil here) kaum jemals 2 000 bis 3 000 Mann überstiegen haben dürfte.

Wir dürfen aufgrund unserer Quellen annehmen, dass im ersten Jahrhundert wikingischer Überfälle vor allem kleine Gruppen junger Männer aufgebrochen waren, die aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Lage in ihren Heimatländern wenig zu verlieren hatten. So folgten sie den alten Handelswegen, um sich ihren Teil am Reichtum Westeuropas mit Gewalt zu holen. Diesen Kämpfern hatten die karolingischen und englischen Herrscher nur das Volksaufgebot der lokalen Grafen entgegenzusetzen, also neben wenigen gut ausgestatteten Rittern und Berufs‧soldaten ein schlecht ausgebildetes und bewaffnetes Bauernheer.

Gegen die kleinen, höchst mobilen wikingischen Banden konnten diese Kämpfer aber kaum effektiv eingesetzt werden. Beim ersten Angriff auf Paris 845 musste König Karl der Kahle seine Truppen teilen, um auf beiden Seiten der Seine operieren zu können, worauf die eine Hälfte von den Wikingern aufgerieben wurde und er selbst mit ansehen musste, wie die Wikinger über 100 gefangene Franken auf der Seine-Insel hinrichteten.

Die Methode des Terrors im mittelalterlichen Sinn, sprich die Verbreitung von Furcht und Schrecken, beherrschten die Wikinger schon in der Frühzeit der Überfälle. Während man nach den überkommenen Konventionen die gefangenen Adligen gegen Lösegeld austauschte, auch wenn dies mitunter lange dauern mochte, so waren die Skandinavier aufgrund ihrer unsicheren Lage mitten im Feindesland oft ungeduldiger: Als ihnen nach einem Überfall auf Stade an der Elbe 994 die Ablieferung von Lösegeld zu lange dauerte, wurden den hochadligen Geiseln Ohren und Nasen abgeschnitten und die Hände abgehackt – in diesem Zustand wurden sie in den Fluss geworfen, wie Thietmar von Merseburg als Augenzeuge berichtet…

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Prof. Dr. Rudolf Simek

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