Das Panoramabild "ROM CCCXII" im Leipziger Panometer Im Zaubertunnel der Vision - wissenschaft.de
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Das Panoramabild "ROM CCCXII" im Leipziger Panometer

Im Zaubertunnel der Vision

Wer möchte nicht gerne einmal durch die Straßen des antiken Rom wandeln? Mit ein wenig Phantasie gelingt dies im Leipziger Panometer. Auf einem Rundgemälde ist die Stadt so dargestellt, wie sie im Jahr 312 ausgesehen haben könnte.

Seit eineinhalb Jahren ist das Panometer, der große Gasometer der Leipziger Stadtwerke, mit dem Panorama von Yadegar Asisi ein wahrhaftiger Publikumsmagnet. Über 700 Neugierige sind es täglich, die das kolossale Rundgemälde „ROM CCCXII“ sehen wollen. Auf einer hohen Plattform stehend, haben die Besucher einen großartigen räumlichen Eindruck des spätantiken Rom. Der Blick schweift in 360 Grad über ein täuschend echt konstruiertes, rahmenloses Bild der Hauptstadt des römischen Imperiums, begleitet von einem simulierten Tag-und-Nachtwechsel und einer dramatisierenden musikalischen Untermalung. Dazu hört man Vogelgezwitscher, Grillengezirp, die Hufschläge einer plötzlich herannahenden Reiterkohorte, grelle Fanfarenstöße und laute Zurufe applaudierender Menschenmassen.

Auf dem Bild scheinen fast alle Römer ins Stadtzentrum zu strömen, um Kaiser Konstantin mit seinen siegreichen Soldaten nach der Schlacht an der Milvischen Brücke festlich zu empfangen. Konstantin hatte am 28. Oktober des Jahres 312 seinen Rivalen Maxentius endgültig besiegt. Schon am Tag darauf zog er triumphierend in Rom ein – allerdings nicht, wie es auf dem Panorama fälschlich dargestellt ist, bis zum Tempel des Iupiter Optimus Maximus auf dem Kapitolinischen Hügel, um der höchsten Gottheit des römischen Staates das blutige Dankesopfer abzustatten. Denn es handelte sich ja um den Sieg in einem Bürgerkrieg, der nach überkommenen Regeln eben nicht mit einem regulären Triumph gefeiert wurde.

Die Kunst dieses Panoramabildes lebt freilich nicht von einer wissenschaftlich exakten Originaltreue. Viel wichtiger ist die theatralische Wirkung des Gesamtkunstwerks auf möglichst viele Besucher unterschiedlicher Herkunft, die aus ganz verschiedenen Erwägungen an dem Bildungsevent teilnehmen. Ginge es dabei nur um die korrekte Wiedergabe historisch und archäologisch nachweisbarer Tatsachen, müsste die Leinwand eine Unmenge weißer Flecken zeigen. Diese so überzeugend wie möglich zu füllen und dabei stets die Ausstrahlung des Ganzen im Auge zu behalten, ist das eigentliche und auch berechtigte Anliegen eines zeitgemäß arbeitenden Panoramatikers. Je beeindruckender dann das dramaturgische Konzept ist und je virtuoser die totale Sinnestäuschung gelingt, desto erfolgreicher scheint auch die kommerzielle Absicht modernen Kulturmanagements verwirklicht…

Das Panorama „ROM CCCXII“ ist täglich (außer montags) noch bis zum 31. Dezember 2007 im Leipziger Panometer zu sehen. Zu der Aus-stellung ist ein handlicher, reichbebilderter Katalog erschienen.

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Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain

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