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Konstantin I., die hednischen Kulte und das Christentum

In diesem Zeichen sollst du siegen…

Auch wenn er als erster christlicher Kaiser gilt, schränkte Konstantin I. die Ausübung heidnischer Kulte noch keineswegs ein. Das wäre auch politisch unklug gewesen, hing doch die überwiegende Mehrheit seiner Untertanen noch den alten Göttern an.

Als sich Konstantin und sein Mitkaiser Licinius 313 in Mailand trafen, wurde jene weltgeschichtlich bedeutsame Vereinbarung getroffen, die als Mailänder Toleranzedikt bezeichnet wird. Unter anderem verständigten sich die beiden Herrscher darauf, dass die Christen und ihre Religion den anderen Religionen und Kulten rechtlich gleichgestellt und die zuvor konfiszierten Güter zurückgegeben werden müssten, seien es Gebäude oder Grundstücke. Die derzeitigen Besitzer sollten sich wegen einer Entschädigung an die Staatskasse wenden.

Bereits zwei Jahre zuvor war unter Kaiser Galerius die letzte große Christenverfolgung für beendet erklärt worden, da er die Erfolglosigkeit dieser Aktion eingesehen hatte, denn die Christen ließen sich weder durch Verfolgung und Kerkerhaft noch durch den Tod als Religionsgemeinschaft beseitigen, im Gegenteil: Die Märtyrer riefen Bewunderung hervor! Man habe eigentlich, so argumentiert Galerius (in der Überlieferung des christlichen Philosophen und Kirchenvaters Laktanz), „alles gemäß den alten Gesetzen und der öffentlichen Ordnung der Römer verbessern“ und dafür sorgen wollen, „dass auch die Christen, die die Lehre ihrer Vorfahren verlassen hatten, zur Vernunft zurückkehrten“. Die Christen seien jedoch so störrisch, dumm und verblendet, „dass sie den Einrichtungen der Alten nicht mehr folgten …, sondern sich nach ihrem eigenen Willen und nach Belieben Gesetzen gaben“. Nachdem nun durch Prozesse, Vertreibungen und Hinrichtungen auch der Gottesdienst der Christen nicht mehr möglich sei und diese somit „weder den Göttern die angemessene Verehrung zukommen ließen noch den Gott der Christen verehrten“, habe es der Kaiser in seiner „außerordentlichen Milde und beständigen Gewohnheit, sämtlichen Menschen zu verzeihen, für notwendig gehalten, auch diesen die freimütigste Nachsicht zu gewähren, damit sie wieder Christen sein und ihre Versammlungsstätten wieder aufbauen könnten, allerdings so, dass sie nichts gegen die öffentliche Ordnung unternehmen“. Man wolle sie also gewähren lassen, jedoch mit der Auflage, „zu ihrem Gott für unser Wohl, für das Wohl des Staates und für ihr eigenes zu beten, damit der Staat in jeder Hinsicht vor Schaden bewahrt bleibt“.

Die Mailänder Vereinbarung ging indessen darüber hinaus, indem man Gleichstellung und Wiedergutmachung verfügte. Es dürfe nämlich „niemandem die Möglichkeit verweigert werden …, sich der Religion der Christen oder der Religion, die jeder für sich selbst als die angemessenste betrachtet, zuzuwenden, so dass die höchste Gottheit … in allem ihre gewohnte Güte und Gnade erweisen kann“. Konstantin und Licinius verfolgten mit ihrer Vereinbarung jene Linie, die Galerius vorgegeben hatte, dass nämlich die Anhänger der verschiedensten Kulte gleich zu behandeln seien; eine einseitige Bevorzugung des Christentums ist damals noch nicht zu erkennen. Vielmehr zeigt die Verwendung des Begriffs der „höchsten Gottheit“ das Bestreben, eine Formulierung zu finden, der sich Christen wie Heiden anschließen konnten…

Literatur Klaus M. Girardet, Die Konstantinische Wende. Zur Religionspolitik Konstantins des Großen. Darmstadt 2006.

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