Faszinierende Figuren: Ilona Schmiel über Hildegard Hamm-Brücher „In Männerrunden Akzente gesetzt“ - wissenschaft.de
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Faszinierende Figuren: Ilona Schmiel über Hildegard Hamm-Brücher

„In Männerrunden Akzente gesetzt“

Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft sprechen über historische Gestalten, die sie beeindruckt haben. In dieser Ausgabe: die Züricher Intendantin Ilona Schmiel über die 2016 verstorbene FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher.

DAMALS: Wie sind Sie auf sie gekommen? Ilona Schmiel: Ich habe sie schon als eine wunderbare Persönlichkeit wahrgenommen, bevor ich sie 2007 endlich in Bonn persönlich kennenlernen konnte. Ich bewunderte, was diese Frau manchmal fast im Stillen politisch geleistet und wie fortschrittlich sie gedacht hat. Sie führte ein modernes Leben, ein Aufbruchsleben.

DAMALS: Wann hatten Sie zum ersten Mal von ihr gehört? In dem Sinne, dass ich wusste, wer sie war – etwa 1987, mit 20 Jahren. Als junge Frau beschäftigte ich mich damit, wie bestimmte Frauenthemen in der Politik gewürdigt wurden. Da war sie für mich eine Frau, der es beispielhaft gelang, in großen Männerrunden Akzente zu setzen.

DAMALS: Wie kam die Begegnung in Bonn zustande? Der Anlass war eine Lesung im Literaturhaus, zu der sie eingeladen war. Die Leiterin des Literaturhauses wusste, dass ich diese spannende Frau schon immer kennenlernen wollte. So sind wir anschließend zu dritt essen gegangen. Es wurde eine sehr lebhafte Diskussion. Ich habe sie dann als damalige Intendantin des Bonner Beethovenfestes zur Feier des 60-jährigen Bestehens der Bundesrepublik eingeladen. Dort haben wir jedes dieser sechs Jahrzehnte künstlerisch-musikalisch interpretiert und jeweils Zeitzeugen auftreten lassen. Hamm-Brücher kommentierte das erste Jahrzehnt nach 1949.

DAMALS: Was hat Sie an ihr beeindruckt? Wie klar sie die großen Themen darstellte: dass für sie die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit nie aufgehört hat; die Mahnung, darauf zu achten, dass die Demokratie bewahrt bleibt. Demokratie sei keine „Glücksversicherung“, sagte sie.

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DAMALS: Hamm-Brüchers Familie wurde im „Dritten Reich“ verfolgt. Sie wuchs mit ihren Geschwistern bei ihrer jüdischen Großmutter in Dresden auf. Diese nahm sich das Leben, als sie deportiert werden sollte. Hamm-Brücher ist in die Politik gegangen, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt.

DAMALS: Bildungspolitikerin, Außenpolitikerin, stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende – was war ihre bedeutendste Rolle? Bedeutend waren die Anfänge einer Frauenpolitik, für die sie in den 1960er Jahren stand. Das wird bis heute unterschätzt. Als sie 1948 im Münchner Stadtrat anfing, gab es dort fünf Frauen unter lauter Männern. Sie ging damals, wie sie mir erzählte, von Haustür zu Haustür, um den Frauen klarzumachen: Nutzt euer Wahlrecht! In jeder ihrer Funktionen hielt sie an ihren Grundwerten fest, für mich am eindrücklichsten, als sie 2002 wegen antiisraelischer Äußerungen Jürgen Möllemanns die FDP verließ.

Zur Übersicht: Der Austrofaschismus. Österreich vor dem „Anschluss“

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