Mumifizierung - ein weltweites natürliches Phänomen Konserviert in Wüste, Moor und Eis - wissenschaft.de
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Mumifizierung - ein weltweites natürliches Phänomen

Konserviert in Wüste, Moor und Eis

Der im Eis der Alpen über Jahrtausende erhalten gebliebene „Ötzi“ ist daswohl berühmteste Beispiel einer „Naturmumie“, deren Erhalt nichtkunstvoller Einbalsamierung, sondern dem Zusammenspiel klimatischer undgeologischer Faktoren zu verdanken ist. Für solche natürlichen Mumifizierungengibt es zahlreiche weitere, ebenso faszinierende Beispiele.

Ist von Mumien die Rede, dann wird zumeist sofort an Ägypten gedacht. Das Thema Mumien und Mumifizierung ist aber viel facettenreicher und hat eine alle Kontinente betreffende kultur- und naturgeschichtliche Dimension. Aus diesem Grund präsentieren die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim mit ihrer Ausstellung „Mumien – der Traum vom ewigen Leben“ erstmals eine kultur- und naturgeschichtliche Gesamtschau zum Thema. Gezeigt werden über 60 Mumien aus einem Zeitbereich von den Dinosauriern bis heute, von allen Kontinenten, Naturräumen und Kulturen.

Ein Anliegen der Ausstellung ist es, aufzuzeigen, dass das Thema auch eine faszinierende naturgeschichtliche Komponente hat. Wenig bekannt ist zum Beispiel, dass die ältesten Mumien Ägyptens natürlich mumifiziert sind. Besondere Bedingungen im Naturraum des Niltals haben dazu geführt, dass die während der vorgeschichtlichen Zeit bestatteten Toten nicht verwesten. Die Beobachtung, dass bestattete Vorfahren auch nach längerer Zeit noch in ihrer körperlichen Gestalt erhalten waren, ist dann später mehr und mehr kulturprägend geworden und hat zu einer außergewöhnlichen Perfektion der künstlichen Mumifizierung geführt.

Die Mumifizierung eines Organismus stellt ein Ausreißen aus dem natürlichen Stoffkreislauf dar und ist eine Seltenheit. In bestimmten Naturräumen sind Mumien häufiger zu finden als in anderen, was mit einem die natürliche Mumifizierung begünstigenden Milieu zusammenhängt.

Wichtige Grundbedingung aller natürlichen Mumifizierungsmilieus ist, dass sie mehr oder weniger die Verwesung eines toten Körpers verhindern. Sowohl eine Zersetzung organischer Strukturen durch körpereigene Enzyme als auch der bakterielle Prozess der Fäulnis müssen soweit als möglich unterbunden bzw. frühzeitig gestoppt werden.

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Selbstverständlich müssen auch die äußeren Umstände so sein, dass ein Leichnam den natürlichen Mumifizierungsmilieus ungestört ausgesetzt wird und dort auch lange genug verweilen kann. Nur so ist gewährleistet, dass der natürliche Mumifizierungsprozess auch entsprechend wirksam wird und zur Weichteilerhaltung eines Körpers über einen längeren Zeitraum führt. Erfährt ein natürlich mumifizierter Körper einen Milieuwechsel, so kann es durchaus auch nach längerer Zeit passieren, dass dieser damit erneut der Verwesung ausgesetzt wird. Dies ist unabhängig vom Alter der Mumie…

Der Traum vom ewigen Leben

Große Sonderausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

30. September 2007 – 24. März 2008

Spannend und faszinierend zugleich: Mannheim bringt die erste kultur- und naturgeschichtliche Gesamtschau zum Thema Mumien und Mumifizierung. Sie beschäftigt sich mit Mumien vieler Kulturen und Epochen, aber auch mit Naturmumien: In Eis, Moor, Wüstenklima oder sogar trockenen Kellern können Körper konserviert werden. Gezeigt werden über 60 konservierte Leichen, aber auch zahlreiche Begleitfunde und Grabbeigaben. Multimedial werden zudem die Ergebnisse neuester wissenschaftlicher Forschungen präsentiert. Berücksichtigung findet auch die Pharmaziegeschichte, denn die Mumie erlebte zeitweilig einen wahren Boom als Heilmittel; Mannheim zeigt dazu auch Material aus dem Archiv der Firma Merck.

http://www.rem-mannheim.de

Im Verlag Philipp von Zabern (Mainz) erscheint ein umfassender Katalog zu der Ausstellung.

Im Anschluss wird die Ausstellung von Ende Juni 2008 an im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig zu sehen sein.

Dr. Wilfried Rosendahl

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