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Alltag im neubabylonischen Reich

Leben in der Großstadt

Wie lebten die Stadtbewohner in der neubabylonischen Epoche? Zeitgenössische Quellen stehen uns zur Beantwortung dieser Frage in erstaunlich großer Zahl zur Verfügung. Einer der Kuratoren der Berliner Ausstellung „Babylon – Mythos und Wahrheit“, die diese Frage intensiv verfolgt, trägt hier Streiflichter zusammen.

Die Lage ist erstaunlich günstig, es mangelt weder an materiellen Gütern noch an Texten (Rechtsurkunden, Briefe…), die Auskunft über den Alltag in Babylonien geben. Dabei ist die Situation der Stadtbewohner viel besser dokumentiert als die der Landbewohner. Ein grundsätzliches Problem konnte bisher freilich nicht gelöst werden: Fast alle auf archäologischen Objekten beruhende Aussagen reichen nur etwa in die Zeit Nebukadnezars II. (604-562 v. Chr.) oder seiner unmittelbaren Vorgänger zurück, denn wegen des hohen Grundwasserstands konnte bisher nur an wenigen Stellen der Stadtruine tief genug gegraben werden, um Befunde zu erreichen, die Aussagen über ältere Perioden gestatten.

Stark beeinflusst wurde die Lebensqualität sicherlich von der für das Altertum ungeheueren Größe Babylons. Allein der rechts des Euphrats liegende Stadtteil, zu dem die Hauptheiligtümer und die Paläste gehörten, war rund drei Quadratkilometer groß. Die kaum erforschte Anlage auf der anderen Seite des Flusses vergrößerte die Stadt auf rund 4,5 Quadratkilometer bebaubare Fläche. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass Innenstadtbereiche im Alten Orient auch Freiflächen einschlossen. Immerhin: Selbst bei vorsichtiger Schätzung kann man die Einwohnerzahl auf 50000 bis 80000 Menschen ansetzen.

Die Stadtviertel, die im Bereich des Hügels „Merkes“ ausgegraben wurden, kennzeichneten eine dichte Bebauung und effektive Raumnutzung. Die Straßen waren teilweise mehrere Meter breit und wurden durch schmale Gassen ergänzt. Die Häuser erreichten zuweilen eine beachtliche Größe. Hier wohnte die generationenübergreifende Großfamilie. Die Räume waren wohl nicht individuell belegt, vielmehr konzentrierte sich das Leben auf den Innenhof, der als Ruheort, Treffplatz, Werkstatt und Küche diente, denn die Häuser besaßen weder Fenster noch Kamine. Licht kam nur vom Hof ins Haus, daher waren die Räume kaum tief gestaffelt. Wie zahllose Öllampen bezeugen, kannte man künstliche Beleuchtung, doch war Öl teuer. Vermutlich war der Hof häufig bepflanzt, man darf sich einen angenehmen, schattenspendenden Ort vorstellen.

Die Häuser waren recht einfach gebaut und meist eingeschossig. Das Dach nutzte man als Schlaf- und Lagerplatz. Die Fußböden bestanden aus Stampflehm oder waren mit Ziegeln gepflastert. Die Wände waren verputzt und konnten getüncht oder sogar mit Malereien verziert sein. Das Dach lagerte auf Holzbalken und war mit Lehm, Schilflagen und öfter sogar mit Bitumen abgedichtet, damit der mitunter heftige Regen die Lehmarchitektur nicht sofort beschädigte. Einfachheit bedeutete allerdings nicht Unbequemlichkeit, wie Texte über Mobiliar oder Tonmodelle von Einrichtungsgegenständen zeigen. Betten waren üblich, auch Tische sind zumindest in Abbildungen zu sehen, ebenso Sitzmöbel, doch waren auch einfache Flechtmatten weit verbreitet…

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Dr. Joachim Marzahn

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